1795_Heinse_036_28.txt

: Salve! rundet recht das reizende vollkommne Ganze."

Selbst die Mutter stimmte meistens mit diesem Urteil L o c k m a n n s überein; und freute sich auf die Aufführung mit voller Begleitung.

H i l d e g a r d kleidete sich zum Ausgehen an. Die probe war ein allgemeiner jubel. Besonders entzückte der Wettstreit des beliebten Virtuosen F r a n k auf der Hoboe mit H i l d e g a r d s unvergleichlicher stimme; und das prächtige Spiel der Trompeten und Fagotten dazwischen wurde gleichsam von den Ohren angestaunt, wie ein neues himmlisches Wunder.

L o c k m a n n studirte alsdann, auf jeden Fall, mit seinen Leuten noch andre Sachen ein, einige bloss für blasende Instrumente zur Begleitung der Prozession; und eine der vortreflichsten Symphonien von H a y d n , die zum Beschlusse für das Volksfest sich wohl schicken konnte.

Den folgenden Tag bereitete man sich recht darauf vor, besonders der junge Hoboist und die Solotrompeten; und den Donnerstag in aller Frühe fuhr L o c k m a n n mit seinen Leuten voraus, und H i l d e g a r d mit Mutter und Bruder zu gehöriger Zeit nach.

Das Kloster war nur drei kleine Stunden entlegen, höchst erfreulich in der Tiefe eines fruchtbaren Tals, das ringsum bis zum Eingang desselben waldiges Gebirg' umschloss. Ein Bach rann durch eine Seitenvertiefung hinter dem Kloster herunter, erfrischte mit Fruchtbäumen eingefasste kleine Teiche voll Forellen und Krebse; alles war reinlich, saftig grünend, und erschien für klösterliche Betrachtungen eingeweiht.

Sie trafen schon eine Menge Landvolk an, und einzelne Züge strömten noch herbei.

L o c k m a n n s Leute erhielten gleich ein gutes Frühstück; und ihn bewillkommte die äbtissin mit gefälligem Anstand und vieler Freundlichkeit. Er meldete die Ankunft der Frau v o n H o h e n t h a l mit Sohn und Tochter, welche sie höchlich freute; zugleich aber, dass sie Mittags wieder zurückkehren würden. Sie war eine Dame vielleicht an die Vierzig, aus der Familie v o n F r i e d e b o r n , und hatte ihre angenehme Gestalt wohl erhalten. Die vornehmsten Klosterfrauen gesellten sich bald zu ihnen; auch für L o c k m a n n ward ein Frühstück gebracht, wovon er nur ein Paar Gläser Xeresersekt, den er noch nie getrunken hatte, mit einigen Bissen Brod zu sich nahm.

Er verlangte gleich nach der Kirche und Orgel; und eine blühende junge Elsasserin, die das Werk für das Kloster dirigirte, begleitete ihn dahin mit zwei viel altern Schwestern, welche die Balge treten sollten.

Die Kirche war ein ziemlich grosses altes Gotisches Gebäude mit Kreuzgängen, und bemahlten Glasscheiben von prächtigen Farben in den Fenstern; die Orgel aber ein neueres Werk.

Die sittsame reizende junge Nonne zeigte ihm bescheiden die besten und am reinsten gestimmten Register. Er setzte sich auf die Bank, versuchte verschiedne einzeln, und dann zusammen. Sie lächelte dem jungen treflichen Meister bald Hochachtung, und dann Bewunderung zu, und ein lange zurückgedrängtes Gefühl fing an in den schönen schwarzen Augen zu wetterleuchten, als er sich von mehrern andern umringt sah, die, gleich den Schwalben beim warmen Hauch der Frühlingslüfte, aus ihren Zellen hervorgeflattert kamen. Er phantasirte ihnen zu gefallen die rührendst verflochtensten Gänge, mit kurzen zärtlichen Melodien und Imitazionen ausgeschmückt, die man für warme Andacht nehmen konnte; und ehe man sichs versah, war fast die ganze Kirche schon voll Leute, die durch Seitentüren geschlüpft waren, bevor man die grossen Pforten noch geöfnet hatte.

L o c k m a n n musste plötzlich aufhören; die Nonnen zogen sich zurück. Die blühende Elsasserin, welcher er unterwegs nur mit einem Händedruck seine Verwunderung bezeigen konnte, ein so liebliches Kind wie sie von der Welt geschieden zu sehen, begleitete ihn, mit einem schmachtenden blick gegen Himmel, wieder zur äbtissin, gerad' als diese ihnen selbst entgegen kam. Sie ordneten alsdann den ganzen Gottesdienst mit dem Pater, einem Kapuziner. L o c k m a n n sagte, er habe Musik genug bei sich; wenn ihnen das Salve Regina vielleicht zu kurz schiene, so woll' er noch eine Messe aufführen. Beide baten inständig darum; das Volk, sagten sie, wolle immer gern recht viel Musik.

"Lassen Sie uns also gleich anfangen, fuhr der Pater fort, da die Kirche schon voll Menschen ist." I n z w i s c h e n waren H i l d e g a r d , Mutter, Sohn und Hofmeister angekommen, und wurden freundschaftlichst empfangen.

L o c k m a n n teilte zuerst die Stimmen der Messe von J o m e l l i aus D dur herum, die mit Hoboen und Hörnern durchaus für ein Freudenfest bestimmt ist.

Messe und Musik wurde angefangen.

Das Kyrie eleison machte ein prächtiges Ganze schon an und für sich, und füllte Ohr und Seele. Die Begleitung, welche das Nähern zu Gott ausdrückt, bindet es meisterhaft. Das Tema zur Fuge ist gleichsam im Korintischen Styl.

Das Gloria voll jubel. Et in terra pax, voll Ausdruck. Qui tollismiserere nobis eben so, die Begleitung überall glänzend in herrlicher Musik.

Cum sancto spiritu in Gloria Dei patris vortrefliche Fuge die ganze Oktave von unten herauf; wahres Meisterstück mit der Begleitung.

Das Credo wieder ein Ganzes für sich