dieses Schauspiel gedauert haben, als sie aus dem geschmeidigen Element, das stolzer von einer solchen Schönheit schimmerte, wieder unter die heilige Lindendämmerung trat, in der warmen Luft – es war ein heisser Tag gegen Ende des May – auf dem grünen Schmelze sich trocken wandelte, sich ankleidete, und verlor.
L o c k m a n n stand die ganze Zeit wie eine Bildsäule mit seinem Fernrohr, verwandte nicht einen blick, und schaute, noch lange nachher das reizende Schauspiel im Auge, wie einer geblendet noch lange nachher die aufgehende Sonne hat, in die er zu lüstern hineinschaute. Die Nachtigallen im Schlossgarten, welche mit einander wetteiferten, immer stärker schlugen, und welche er bisher wie taub nicht gehört hatte, weckten ihn endlich von seinem Staunen. Er rief nicht mehr: "Die Sonne löscht alle Freuden der Nacht aus;" sondern: "Wie ist mir? wo bin ich?" taumelte in seinem Zimmer auf und ab, und sah oft wieder nach dem schönsten Plätzchen des weiten Paradieses.
Darauf strömte er seine Gefühle in die saiten, und
die höchst lebendige Scene ging von selbst in eine einzige Melodie von dem süssesten Charakter über, die er mit der schmeichelhaftesten Begleitung gleichsam durch alle Irrsale des menschlichen Lebens führte.
Er frühstückte, kleidete sich an, ging aus, und
nahm den kürzesten Weg, den ihm die hohen alten Linden zeigten. Sie bildeten einen kleinen Hayn auf einer Anhöhe am Ende des Gartens, hinter welchem ein wohlangelegter Weinberg sich ferner fortstreckte.
Den Garten umschlossen hohe Mauern, über wel
che die gesundesten Fruchtbäume mit laubvollen Zweigen schatteten. Voran stand ein geräumiges Landhaus, so schön und schon dem Aeussern nach so zweckmässig, wie irgend eins von Vignola. Er erfuhr bald von einem Bedienten, der ihm begegnete: es gehöre der Familie v o n H o h e n t h a l ; der Herr sei mehrere Jahre ***scher Gesandter zu London gewesen, und im vorigen Jahre dort gestorben; die witwe wohne seit dem Merz hier mit einem Sohn, der bald auf Universitäten ziehen werde, und einer erwachsnen Tochter.
Diese Nachricht fiel ihm gewaltig aufs Herz; er wollte nichts weiter hören, ging hastig zurück, und suchte sich die ganze Morgenscene mit dem Fernrohr aus dem Sinne zu schlagen. Er kannte durch den Ruf und aus Handlungen den Herrn v o n H o h e n t h a l als einen der geschmackvollsten und vortreflichsten Männer seines Standes, und hatte manches unparteiische Lob von seinem Eifer für alles Schöne und Gute selbst zu Rom und Neapel gehört.
Den Nachmittag hielt er die erste probe des berühmten Miserere von G r e g o r i o A l l e g r i , der im Jahre 1629 in die päpstliche Kapelle kam.
Der Fürst liebte die alte Musik, besonders Kirchenmusik, und konnte die Künsteleien, das Bunte und Verzierte der neuern nicht vertragen. Auch mocht' es ihm an gelegenheit gefehlt haben, die Meisterstücke der letzteren in ihrer höchsten Vollkommenheit zu hören; oder er hatte, von weit wichtigern Geschäften abgehalten, nicht den gehörigen Fleiss darauf wenden können, die Fortschritte und den Wachstum der Kunst bis zur höchsten Höhe zu verfolgen; und haftete, wie die Alten pflegen, bei diesen Nebendingen an dem Zeitvertreib und den Freuden seiner Jugend.
Er war ein Herr an die sechzig; klug, leutselig, gerecht, freigebig, standhaft, und voll Menschenkenntniss. Als Prinz war er Inhaber eines kaiserlichen Regiments, machte den siebenjährigen Krieg mit, und tat sich hervor in der Schlacht bei Collin. Bald darauf kam er zur Regierung, und legte seine Stelle nieder; widmete sich ganz der Wohlfahrt seines Landes, strebte, die beste Kultur der Produkte und des Fleisses zu befördern, seine Untertanen in jeder Klasse zu treflichen Menschen zu bilden, und ihnen, eben dadurch aber auch sich, den angenehmsten Genuss des Lebens zu verschaffen. Auch waren sie stolz auf ihn, und man hörte keine Klage. Er suchte alle Talente hervor, unterstützte, und belohnte sie hernach, indem er jedes an seinen Posten stellte.
Sein Kriegswesen bestand nur aus zwei Regimentern; aber es waren die ausgesuchtesten Leute, und die Offiziere eine Pflanzschule für grosse Armeen: jeder in den kriegerischen Leibesübungen, in der Geographie, Matematik, geschichte für sein Fach, Behandlung der Untergebnen wohl unterrichtet. Sie wurden immer, so wie die Reihe an sie kam, zu den Musterungen nach Berlin und Wien geschickt, um die Bewegungen grosser massen zu studiren, und sich nicht ans Kleinliche, Unwesentliche, das bloss zur Parade dient, zu gewöhnen. Sein Grundsatz war, jeder Fürst müsse geübte Stärke nach verhältnis seiner Volksmasse haben, und diese die Grundlage von allem andern sein.
Er erkannte inzwischen wohl, dass der Kaiser und
der König von Preussen mit ihren geübten stehenden Heeren fast allein die Stärke und den Stolz von Deutschland gegen die Fremden ausmachen, und deren Untertanen die Kosten für die Untertanen der übrigen stand tragen, die wenig Truppen halten, folglich auch nicht so viel bezahlen, und sich in grossem Vorteil dabei befinden.
Der Erbprinz, sein einziger Sohn, – ältere und
jüngre Prinzen und Prinzessinnen starben meistens in zarter Jugend – war wieder als General bei der kaiserlichen Armee, und hielt sich mit seiner Gemahlin gewöhnlich in Prag auf, kam aber oft nach Wien.
Es war Gebrauch, dass der Fürst und die Fürstin, so
oft sie im Frühling aufs Land zogen (es mochte früher oder später