."
"Man stimmt also den Accord C dur rein mit vollkommner Quint, und der Terz in dem natürlichen verhältnis. Damit die grosse Terz E zu A eine noch gute Quinte mache, mildert man die Quinten von G zu D und D zu A etwas. Die Quinte von A zu E sollte nach der Strenge in folgendem verhältnis sein:
C 1, G 3, D 9, A 27, und E 81."
"E zu C als reine grosse Terze gibt aber folgendes verhältnis: 4/5, die doppelte Oktave nämlich als 4, die Terz als 5; nun vervielfältigt: 5, 10, 20, 40, 80."
"Also ist der Unterschied der Terz E zwischen der Quint E wie 80 zu 81; und diesen Unterschied muss die Temperatur mildern."
"Alsdann stimmt man die Quinte H zu E vollkommen rein; und die Quinte Fis zu H mildert man."
"Jetzt hat man schon die Hälfte der zwölf Quinten; und sechs Grundtöne zu zwölf Dur- und Mollaccorden vortreflich für den gehörigen Charakter und Ausdruck von jedem."
"Nun stimmt man die Quinten rückwärts in die Tiefe von C zu F: die erste ganz rein; die andern mildert man nach und nach fast unmerklich, am stärksten die Quinten As zu Es, und Des zu As; so dass die Terzen C zu As und F zu Des zwar herbe, doch erträglich werden. Und so passt man noch die Quinte Fis zu Des oder Cis."
"Auf diese Weise erlangt man die allerreichste Mannigfaltigkeit von Harmonie, deren unser musikalisches System nur fähig ist: kleine Terzen, grosse Terzen, reine und gemilderte Quinten, und so die Sexten und Dissonanzen für jede leidenschaft und jeden vorübergehenden Ausdruck. Das zärtliche A moll hat eine reine kleine Terz, E moll eine ähnliche; eine büssende das traurige F moll, und so weiter."
H i l d e g a r d hatte noch aufmerksamer zugehört, als ihre Freundin. Das guterzige, freimütige Wesen, womit L o c k m a n n alles vorbrachte, das Verlangen, aus seinen Kenntnissen und eignen Ideen noch viel Nutzen zu schöpfen, und die Zuneigung, die sie für ihn fühlte, machten, dass sie Anstand nahm, ihm so in Gesellschaft ihre andre Meinung zu gestehen. Vom Gespräch verleitet, und die Sache mehr aufgeklärt zu sehen, tat sie es endlich doch.
"Das Instrument hat mir schon so viel Vergnügen gemacht, sagte sie, dass ich wohl wagen möchte, zum Scherz seine gleichschwebende Temperatur zu verteidigen, wenn ich nicht befürchtete, für so viel Schönes, was Sie uns aus Ihrer Fülle mitgeteilt haben, undankbar zu scheinen. Inzwischen hoff' ich, dass Sie dabei nur die wissbegierige Schülerin leicht erkennen werden."
"Ich weiss nicht, ob mein Gefühl mich täuschte: die Orgeln und Klaviere, die nach einer andern Temperatur gestimmt waren, kamen mir nicht selten verstimmt vor; die Töne verbanden sich nicht recht, und hatten keinen natürlichen Lauf in der Melodie. Es mag sein, dass die Stimmung nicht nach der guten Metode verrichtet wurde."
"Der Harmonie bei Begleitung, wo Violinen sind, scheint die Ihrige auch nicht günstiger, als die gleichschwebende. gibt man diesen den Ton A zur Stimmung an, so passt keine ihrer Quinten zum Klavier: E ist zu hoch, und D und G zu tief."
"Was den Ausdruck betrift: so wird er auf Instrumenten überhaupt immer ziemlich unbestimmt bleiben; und einige unglückliche wimmernde kleine Terzen, oder trübe Quinten, die ihre stolze Schönheit verschleiern, werden ihn nicht entschiedner machen."
"Die kindliche Liebe zum Vortreflichen des Altertums, die den Menschen so erhöht, kann einen doch auch zuweilen verleiten und von der wahren Vollkommenheit zurückhalten. Sollt' Ihnen diess nicht ein wenig widerfahren sein, als Sie Sänger und Virtuosen die grossen Terzen rein und höher und so heftig, als sie nur sein können, und so die kleinen Terzen zärtlich rein und dann engbrüstiger und immer schwermütiger nach den verschiednen Tonarten der alten Orgelstimmung singen, blasen und geigen hörten?"
"Mich dünkt, diejenigen, welche gute Instrumente und gute Ohren haben, bringen sie so rein hervor, wie möglich, es sei in einer Tonart, in welcher es wolle; so rein in Es und E dur, als in C dur."
"Den Charakter der Grundaccorde, und die Entstehung ihrer Verschiedenheit haben Sie treflich angegeben; ich glaube, die ursache ist hinlänglich für einen guten Philosophen, und es bedarf nicht der Zierung der grösseren und kleinern grossen und kleinen Terzen. Gewiss erhalten die andern Dur- und Mollaccorde hauptsächlich ihren Charakter, nachdem sie in dem Verhältnisse mit dem Ton C stehen. Es dur ist so edel, so feierlich, so würdig, weil Es als kleine Terz dem sanft klagenden C diente, nun aber von seinem traurigen Geschäft zu der herrlichen eignen Existenz erhoben worden ist, dass ihr selbst dessen schöne Quinte G als reizende grosse Terz, und dessen rührende kleine Septime, als prächtige Quinte dient. Zärtlich erinnert sie sich bei ihrem Glück zuweilen ihres vorigen Zustandes."
"Auf gleiche Art ist das Schoosskind die grosse Terz des C in E dur zu seinem erhöhten himmlischen Leben gekommen."
"So dessen Quart, die so klug den Zweifel ausdrückt, in F dur zur frohen Gewissheit und Zuversicht; in F moll hingegen ganz zur Verzweiflung."
"So klagt