schöneren Augen in der Welt."
Diess fuhr E u g e n i e n wie eine Flamme ins Gesicht. Sie stutzte. "Eine junge schöne Lady! erst hier verheuratet! Ich kenne keine." Aber während der Rede ahndete ihr schon das geheimnis: ohne Zweifel dasselbe, welches P a s s i o n e i ihr eröfnen wollte! Bei aller ihrer Unschuld hatte sein Betragen sie doch befremdet. "Wie sieht sie aus? Beschreib sie uns doch ein wenig."
"Etwas grösser als Du; blaue Augen, eine Stirn wie Elfenbein, blondes volles langes Haar, schlank und herrlich gewachsen, wie Du, nur nicht ganz so völlig, die Nase fast gerade die Stirn herein, einen Mund zum Küssen, mit zwei Reihen Perlenzähnen –"
Der Bruder liess ihn nicht ausreden; er rief: "Das ist P a s s i o n e i ! Die Römer sind angeführt!"
E u g e n i a sprach errötend fort: "Gewiss, sie war es. Der junge Deutsche wollte auch nicht mit der Sprache über ihn heraus."
Der heftige und neugierige Neapolitaner war geschwind entschlossen. "kommt Kinder! lasst uns zur Lady hingehen! Sie kann es nicht übel nehmen; hat sie es doch befohlen!"
Um den Weg nicht umsonst zu machen, wollten sie nur erst fragen lassen, ob die Lady zu haus wäre. Diess geschah; und man bestellte dann, dass ihre Ankunft richtig gemeldet würde.
Bruder und Schwester, die der Neapolitaner schon tüchtig gefoppt hatte, und dieser selbst, machten sich nun auf. Sie wollten L o c k m a n n e n mitnehmen, zu dem sie schon vorher geschickt hatten; aber er kreuzte eben am Meer herum.
Inzwischen hatte F a n n y ihrer jungen Lady dessen Ankunft mit allen Umständen sogleich erzählt. Diese erschrak zwar darüber, doch fiel sie ihr nicht unerwartet auf. Zwischen Furcht und sorge freute sie sich sogar, und meinte, es müsse alles glücklich ausgehen.
Die kleine Gesellschaft kam dann in einem grossen Saal zusammen, wo ein vortrefliches Englisches Pianoforte stand, und H i l d e g a r d zuweilen sang.
Der Neapolitaner liess sich allein melden; sein Besuch ward angenommen. Er kam, und Schwester und Bruder gleich hinter drein. Es entstand ein Gelächter und Freudengeschrei. H i l d e g a r d lief auf E u g e n i e n zu, fasste sie zärtlich in ihre arme, und hing an ihren Lippen. Das gute Kind errötete über und über.
"Ja, ich war mutwillig, und habe die Römer zum Besten gehabt; jedoch zu ihrem Vergnügen. Ich habe unser Geschlecht gerächt, die Unnatur zu verdrängen gesucht, und hoffe guten Erfolg."
"Die Oper Achill ist nicht von meinem Vater, welcher kein Sänger, sondern Gesandter am Englischen hof war. Sie ist von einem jungen Deutschen, mit Namen L o c k m a n n , so gut hohem Genius in seiner Kunst, wie Eure grössten Meister. Der kühne Adler wird in erhabnem Fluge bald alles überschweben." "Die Sophonisbe schrieb T r a e t t a , der wie ein Zevs den tragischen Wetterstrahl schleuderte, vor zwanzig Jahren in Deutschland. Bei Euch ist er nun vergessen; ich habe ihn gleichsam wieder von den toten auferweckt." Sie sagte diess mit einem so schönen Feuer, wie die Melpomene des S o p h o k l e s . Der Neapolitaner rief: "Recht so! göttlich!" E u g e n i a flisterte ihrem Bruder zu: "Ha! darum sang er das Begli astri d'amore so vortreflich! der Meister selbst!" H i l d e g a r d , die neben ihr stand, vernahm diess deutlich. "Wie, liebe E u g e n i a ? kennst Du den jungen schönen L o c k m a n n schon?" Der Bruder antwortete ihr: "Wir haben mit ihm glücklich die Reise von Rom hieher gemacht." H i l d e g a r d wusste sich vor Freude über diese Nachricht nicht zu fassen; die Hälfte ihres sehnlichen Verlangens war schon erfüllt. "Und er ist noch nicht bei uns?" sagte die Herzogin voll Verwunderung. "Wir sind erst gegen Abend angekommen;" erwiderte Eugenia. "O, er ist schon hier gewesen, hat uns aber nicht zu haus gefunden;" sagte H i l d e g a r d , ging auf die Herzogin zu, und nahm sie bei Seite.
Nachdem sie eine Minute heimlich mit einander gesprochen hatten, sagte die D**** laut: "Ohne Bedenken! Ehre und Ruhm und die Huldigung der Schönheit ist für das Genie der grösste Reiz zu unsterblichen Werken. Diess gilt mehr als eine Pension des Königs von Frankreich. – Wir wollen den jungen Künstler noch diesen Abend, sogleich, in Triumph abhohlen."
Es ward ein Kundschafter nach ihm abgeschickt; und man liess die Wagen anspannen. Inzwischen flochten die Damen ihm einen Kranz von jungen Lorbeerreisern, die sich unter E u g e n i e n s zarten Fingern willig und schön bogen.
L o c k m a n n befand sich in seinem Quartier.
Die drei wahren Grazien setzten sich in den ersten Wagen, und fuhren voraus. Die beiden Italiäner