und an seinen Monolog über sie im Wagen; jetzt erschien sie ihm, wie das wahre Sankt-Johannisfeuer den Schiffern, wenn der Orkan nicht mehr in den Lüften wütet, die hoffnung der Rettung wieder zurückkehrt, und das Schiff nur noch auf den Wogen himmelan himmelab sich wiegt. Sein Kopf hellte sich nach und nach wieder auf; es kochte nur noch in seinen Eingeweiden.
Er schöpfte Mut, richtete sich empor, nahm F a n n y ' n unter den Arm, ging mit ihr auf und ab, und erwiderte: "Das nicht, liebes Kind! Sagen Sie nichts von meiner Ankunft; ich will die Lady morgen früh überraschen. Um welche Zeit werde' ich sie sprechen können?"
"O, sie stehen spät auf," antwortete die Boshafte; "so um neun oder zehn Uhr!" (Noch ein wiederholter Windstoss nach dem Sturm.)
"Wohl denn! um zehn Uhr werde' ich da sein. Aber verraten Sie ja nichts!" Sie versprach es ihm; doch dachte sie nicht daran, ihr Wort zu halten.
Er sagte nur noch mit einem starken Seufzer: "Es ist mir höchst empfindlich, dass ich sie nun nicht mehr auf einem Teater sehen werde; weswegen ich doch eigentlich hieher gereist bin."
F a n n y erwiderte: "Nun wohl schwerlich. Vielleicht aber doch, Ihnen zu gefallen; nur auf keinem öffentlichen."
So entliess er sie, und schweifte dann noch eine Zeit lang am Meere hin und her, dessen rauschende Wogenschläge ganz zu den Bewegungen seines Herzens harmonirten. "Wenn du da gewesen wärest, so hättest du sie!" ... "Das neue Leben," fuhr er, ungerecht in seinem Grimm, weiter fort, "erregte Begierden in ihr. Der Engländer kaperte sie weg."
Er ging nach haus, und trank. "Viele Arbeit vergeblich. O, veränderliches Ziel menschlicher Wünsche! Doch nicht vergeblich. Auch du hast dein teil empfunden und genossen; und dir winkt ein neues mit göttlichen Reizen auf deiner Pilgrimschaft durch das Leben: – vielleicht das wahre, rechte, einzige!"
Die Einsamkeit ward ihm bald zur Last. Er ging wieder aus, und trat unter den Fenstern seiner neuen Göttin langsam auf und ab. In den Zimmern war Herrlichkeit und Freude. Seine Phantasie erhob sich, und gewann Flug.
Er kam wieder nach haus, und liess sich eine neue, köstlich am Vesuv gereifte Flasche bringen.
Dann ging er noch einmal aus, wandelte langsam über den Schlossplatz, schritt schüchtern die Chiaja hinunter, und langte eben vor der wohnung der neuen Lady an, als Wagen mit lodernden fackeln herbei fuhren. Sie hielten. Die Herzogin und ihr Gemahl stiegen zuerst aus: Personen, die er nicht kannte. Dann trat aus dem andern ein junger schöner schlanker Mann; und endlich – o nicht mehr seine! – H i l d e g a r d . Sein Herz flog ihr entgegen. Schön war sie noch; aber die Rose, nicht mehr auf ihrem mütterlichen Busche, dünkte ihn blass geworden. Sie hatte für ihn den hohen Reiz verloren, indess die andre in junger frischer Schönheit prangte. – Der Sturm legte sich fast ganz, als die Scene verschwand.
Ziemlich besänftigt kam er wieder in sein Quartier, um endlich da zu bleiben, seine Abendmahlzeit zu halten, und sich von dem schrecklichen Ungewitter bei seiner Ankunft zu erhohlen.
Diess geschah; aber auf eine andre Weise, als er sich einbildete. E u g e n i e n s Schwager, auch ein Banquier, hatte dem Herzog von D**** erst vor Kurzem einen starken Wechsel ausgezahlt, und bei dieser gelegenheit den Lord und H i l d e g a r d e n kennen lernen. Diese wusste seinen Namen von ihrer schönen Freundin noch sehr wohl, und hatte sich vorgenommen, ihn bald aufzusuchen. So machte sie durch ein glückliches Ungefähr mit ihm Bekanntschaft, erkundigte sich nach E u g e n i e n , und bat ihn angelegentlich: er möchte es ihr sogleich sagen lassen, wenn sein Schwager, und vielleicht die Schwester mit ihm, noch während ihrer Anwesenheit zu Neapel eintreffen sollten. "Ich liebe," setzte sie hinzu, "E u g e n i e n recht sehr, und kenne keine schöneren Augen in der Welt." Uebrigens entdeckte sie ihm weiter nichts von dem grossen Abenteuer.
L o c k m a n n hatte bei der Ankunft in Neapel kaum seine Reisegefährten verlassen, so erzählten diese dem Schwager und der Schwester, wie sie mit ihm bekannt geworden wären, und erkundigten sich nach dem schönen P a s s i o n e i , der in Rom so viel aufsehen gemacht habe, und jetzt in Neapel sei. Nur seinen Ruhm und Namen kannte man von Rom her; von seiner Anwesenheit wusste man nicht das Geringste. Jene erstaunten darüber.
Bei fernerem Gespräch über andre Dinge sagte E u g e n i a noch, dass er mit zwei Engländern und einer Engländerin abgereist wäre.
"Gut, dass Du mich daran erinnerst!" erwiderte der Neapolitaner; "eine junge schöne Lady, die erst seit einigen Wochen verheuratet ist, hat sich sehr genau nach Dir erkundigt, und mich gebeten, ihr sogleich melden zu lassen, wenn Ihr einträfet. Sie liebe Dich gar sehr, sagte sie noch, und kenne keine