mit Schnelligkeit dahin. H i l d e g a r d vergass beinahe, dass sie P a s s i o n e i war, und hing mit lauschendem blick an den zarten holden beredten Lippen, deren kühnen wilden Feuerkuss sie noch fühlte.
Die Gesellschaft trennte sich erst spät nach Mitternacht, und nur ungern.
Den folgenden Morgen gegen Mittag wollte der
Lord H i l d e g a r d e n einen Besuch machen; aber er ward nicht angenommen.
Den Nachmittag gab H i l d e g a r d - P a s
s i o n e i E u g e n i e n , in Beisein der Schwägerin, gefällig eine halbe Stunde Unterricht.
Im Schauspiel erschien er mit neuen Reizen; und
um Mitternacht ass er bei der Herzogin in derselben Gesellschaft, wie gestern.
Den andern Nachmittag sahen beide die Villa Bor
ghese mit einander, den folgenden die Villa Ludovisi; und so verstrich die Zeit des Karnevals.
Bei der letzten Vorstellung, deren Ertrag H i l d e
g a r d e n gehörte, und wobei die Römer ihre Erkenntlichkeit zeigten, übertraf sie sich selbst, und jede Beschreibung, so, dass Alles vor jubelndem Entusiasmus brannte. Sie bestimmte die Einnahme ganz zu Preisen für junge Künstler. Man erstaunte über das unerhörte Beispiel; aber noch immer blieb sie der S ä n g e r P a s s i o n e i , und man schöpfte nicht den geringsten Verdacht.
Der junge Lord hatte, wenn er, abgesondert von
den Andern, auf Spaziergängen in den Villen der Stadt sich glückliche Momente mit ihr allein befand, alles nur Mögliche versucht; aber die leidenschaftlichste Beredsamkeit, die vorteilhaftesten Anerbietungen, Schmeicheleien, Bitten, nichts brachte ihn weiter. In der Verzweiflung entschloss er sich endlich zu dem einzigen noch übrigen Mittel: sie zu heuraten; und machte ihr, als er in der Villa Pamfili wieder mit ihr allein war, förmlich den Antrag.
Sie konnte darüber, dass er sich ihr so ganz hingeben wollte, die lauterste Zärtlichkeit nicht verbergen; die gefühlteste Hochachtung hatte sie ihm schon oft bezeigt. Mit einem blick, in welchem ihre schöne Seele strahlte, sagte sie ihm: er möchte sich nicht von einer vorübergehenden leidenschaft täuschen lassen; Gesetz und Gewohnheit habe mit der Ehe gar strenge Fesseln vereinigt, und nicht selten folge nach einem kurzen Zeitraum die bitterste Reue. Er kenne sie noch zu wenig, um sein künftiges Leben an sie zu wagen. Noch setzte sie mutwillig hinzu: Verstellung sei den Schauspielerinnen eigen. Auf Reisen in andren Gegenden, unter andren Menschen, würde der flüchtige Eindruck, den sie bei den Zaubereien der Musik auf seine Sinne gemacht hätte, leicht verschwinden.
Er antwortete schnell und voll Feuer: "Ich reise in Gedanken noch immer herum durch die berühmtesten Gegenden; aber ich kenne nichts Göttlicheres für mich, als Sie. Diess geht durchs Innerste, und wird so sein, so lange ich atme."
Er drückte sie dabei fest an sein Herz, und ihre Seelen ergossen sich durch blick und Kuss in einander.
Sie bat nur um Frist, bis sie einige Zeit zu Neapel sich ... Er liess sie nicht weiter reden; doch musste er endlich ihrem Willen nachgeben.
Selige Stätte der hohen Pinien zwischen blühenden Mandelbäumen und knospenden Pfirsichen und Aprikosen! Die Abendsonne bestrahlte sie mit ihrer Rosenglut aus dem Gewölk hervor, und ging in den heitersten Lüften unter.
Sie warteten nur die Feierlichkeit beim Schlusse des Karnevals ab. H i l d e g a r d nahm an diesem Tage, Morgens, von E u g e n i e n zärtlich Abschied. In einem Momente, wo sie mit ihrer Freundin allein war, hätte sie sich ihr fast entdeckt. Indess sagte sie ihr nur: sie müsse nach Neapel reisen, segle von da nach Sizilien, und hoffe zu Ausgang des Mayes wieder dort, und bald nachher in Rom einzutreffen. Dann habe sie ihr ein geheimnis zu eröfnen, worüber sie sich verwundern werde. Ein schmachtender Kuss versiegelte ihren Freundschaftsbund auf Zeit Lebens; und Zähren rollten beiden im Gefühl himmlischer Schönheit aus den Augen.
Als H i l d e g a r d nach haus kam, warteten die Unternehmer schon auf sie, ihr den Rest des Geldes auszuzahlen. Sie gab, gegen alle Gewohnheit, ihnen, den Sängern, den Tänzern und dem Orchester, Mittags einen prächtigen Schmaus, dass Alle taumelnd durch die Strassen zogen. Dann entliess sie ihren Italiänischen Bedienten, und fuhr, nun wieder in Frauenzimmerkleidern, – was man für einen Fastnachtsscherz hielt – mit der Herzogin und den beiden Engländern im Corso auf und ab.
Nach Mitternacht stieg die ganze Gesellschaft von einer üppigen Tafel in ihre Reisewagen. Es ging zum Johannistore hinaus, dass von den Hufen der Pferde die Funken flogen; und man lachte den Weg fort über das glücklich bestandne grosse Abenteuer.
In Velletri war schon eine Mittagsmahlzeit für sie bestellt. Sie kamen bei guter Zeit dort an, und machten erst einen Spaziergang. H i l d e g a r d zeigte sich jetzt, da sie ihrer Rolle und aller Sorgen entledigt war, wieder in ihren natürlichen Reizen, und bezauberte, fesselte den Lord immer mehr durch neue Schönheiten des Körpers und des Geistes.
Sie assen unter Scherz und Mutwillen, und schliefen dann ein paar Stunden: H i l d e g a r d von nun an immer