der Tempel, Palläste und Brunnen, und die Majestät der Ruinen zu sehen. Die Oper ging, mit unaufhörlichem und immer neuem Beifall, ihren gang fort. H i l d e g a r d e n war die Sophonisbe ohne Vergleich leichter zu spielen, als der Achill, und alle Gefahr schien glücklich überstanden.
Die leidenschaft des jungen Lords schlummerte in
zwischen nicht; doch ging er behutsam zu Werke, weil die Erscheinung zu ausserordentlich war.
Er hatte gleich zu Anfang einen Besuch bei der
Herzogin gemacht, mit der er zu London immer nur in grossen Gesellschaften gewesen war. Bei diesem Besuche wurde auch von P a s s i o n e i gesprochen. Die Herzogin bewunderte und pries sein Talent, seine Figur, tat aber, als ob sie ihn nicht näher kennte.
Erst bei der Vorstellung der Sophonisbe gelang es
dem Lord, von dem Unternehmer selbst das Gegenteil heraus zu locken. Er erfuhr nun auch, dass beide Frauenzimmer fast täglich zusammen kamen, und dass man in ihrem haus glaubte, die Herzogin richte sich nach der Sitte der Römischen Damen, und P a s s i o n e i sei ihr Cicisbeo. Begieriger, hinter die Wahrheit zu kommen, ist wohl noch kein Mensch gewesen, als der Lord. Er und die Herzogin, beides geistreiche Personen von hoher Kultur, gewannen bald Hochachtung für einander, die bis zur Traulichkeit ging. In der Folge besuchte er sie öfter; doch traf er nie P a s s i o n e i ' n bei ihr, der, so lange der Achill auf dem Teater war, nur nach den Vorstellungen um Mitternacht zu ihr kam. Wenn von ihm gesprochen wurde, hielt er aus Absichten seinen Verdacht immer zurück.
Als er die nähere Bekanntschaft zwischen beiden erfahren hatte, suchte er die Herzogin gleich den folgenden Morgen darüber auszuforschen. Diese gestand ihm lächelnd ein, sie wäre in Turin bei P u g n a n i mit P a s s i o n e i bekannt geworden, hätt' es aber ratsam, gefunden, hier zu Land' ein geheimnis daraus zu machen, dass er durch ihre Vermittelung Rom bezaubere. Der Unternehmer, sagte sie, wäre ein Plaudermaul. Uebrigens blieb es beim Alten.
Der Lord sah sie mit besonderm blick an, und drohte ihr mit dem Zeigefinger.
Sie konnte ihm nur darauf sagen: "Geduld, Lord, und Verschwiegenheit! Sie sollen bald Alles erfahren, und von Herzen darüber lachen;" denn eben trat ihr Gemal mit einem Kardinal in das Zimmer, und unterbrach sie.
An den nächstfolgenden Tagen fand der Lord die Herzogin immer in Gesellschaft. Er liess nun auflauern, um irgendwo P a s s i o n e i ' n allein zu haben. Zwei Besuche von ihm wurden nicht angenommen; auf das Teater ging er nicht, weil zu viel Personen hinauf kamen, das Getümmel zu gross war, und er kein aufsehen machen wollte. An einem heitern Nachmittage meldete ihm endlich sein Kammerdiener: P a s s i o n e i sei mit der Herzogin und einem Römischen Antiquar über die Engelsbrücke, nach der Peterskirche oder dem Vatikan, gefahren. Der Mietwagen des Lords stand immer bereit, und er fuhr in der besten Laune gleich nach.
Als er auf den Petersplatz kam, sah er den Wagen der Herzogin an dem Eingange der Kirche halten. Er stieg aus, und ging hinein. Es war sonst niemand darin als ein Küster, der an dem Pfeiler der linken Seite – wo der Eingang zu der Treppe ist, auf welcher man zum dach steigt – die Tür hinter sich zumachen wollte. Der Lord fragte ihn, ob er nicht eine Dame mit zwei Herren gesehen hätte. Der Küster antwortete: sie wären so eben hinauf gegangen, um die Einrichtung des Dachwerks und das Gewölbe der Kuppel von aussen zu betrachten. Der Lord bat um erlaubnis, die gelegenheit zu benutzen; und sie wurde ihm sogleich bewilligt.
Er eilte voran, und fand oben P a s s i o n e i ' n in seinem Venezianischen Mantel rückwärts nach dem platz zu stehen; indess die Herzogin mit ihrem Begleiter in einem gespräche war, und langsam nach der Kuppel wandelte.
P a s s i o n e i drehte sich um; und ein freudiges "Ha!" der Verwunderung flog dem Lord von ihren lächelnden Lippen entgegen. Nun erfolgte eine Pause, die mehr sagte, als die lieblichsten Worte der Beredsamkeit. Beider Blicke weideten sich an einander in hoher Schönheit; nur die ihrigen schüchtern und furchtsam, die seinigen mit kühner Begierde. Er ging zuerst auf sie zu, und fasste sie schon vertraut bei der zarten Mädchenhand. Beinahe hätte sie in der Zerstreuung ihm erlaubt, ihr die Hand zu küssen: doch besann sie sich noch, dass sie P a s s i o n e i war; und entzog die Hand seinem warmen Druck.
Der Lord sagte ihr in Englischer Sprache: "Unverhoftes Glück, dass ich den Sänger, der einzig in seiner Art ist, und mich so oft mehr als irgend etwas in der Welt entzückt hat, endlich einmal bei der Hand fassen, und ihm meine höchste Bewunderung bezeugen kann!"
Die Herzogin hatte ihr den Lord schon genug geschildert, und beide einander so oft betrachtet, dass sie ihm in derselben Sprache erwiderte: "Mir sank der Mut, Lord, so bald ich etwas von Ihnen wusste