ist er so gefällig, Dir einige Augenblicke Unterricht zu geben. Von einem solchen Meister sind die mehr wert, als Monate und Jahre von andern." Nun führte er P a s s i o n e i 'n und E u g e n i e n in das andre Zimmer, und langte eine Guitarre herunter.
E u g e n i a stimmte sie schüchtern, legte sie, reizend wie Erato selbst, an, tat einige langsame Griffe, als ob sie nicht recht daran wollte, und sang dann plötzlich mit raschen Griffen, wie auf einmal begeistert, in quellreinen vollen Tönen, unter der allerfertigsten Begleitung der zarten Finger:
Se un core annodi,
Se un alma accendi,
Che non pretendi
Tiranno Amor!
Auf Tiranno legte sie einen Nachdruck, der H i l d e g a r d e n durch Mark und Bein drang, so dass sie wirklich vor Schrecken darüber zusammen fuhr. Zum Glück für sie sang E u g e n i a gleich weiter fort. Einen solchen Auftritt hatte sie in ihrem Leben noch nicht gehabt; es ward ihr dunkel vor den Augen. Sie stammelte nur dazwischen: "Göttlich!" und nie hatte sie das Wort so gefühlt. Auf beiden Seiten war die tiefste Inbrunst der natur für hohe Schönheit.
P a s s i o n e i hörte still zu, und rühmte am Ende alles, was E u g e n i a vortreflich gesungen und gespielt hatte, nach Verdienst, besonders aber den Ausdruck voll der wahrsten Empfindung. "O," sagte E u g e n i a lächelnd – und es war, als ob der Himmel sich auftäte –: "gerade den Ausdruck, wenn Sie mir nicht schmeicheln, hab' ich von Ihnen."
P a s s i o n e i beneidete sie wegen ihrer Fertigkeit auf dem so lieblichen Instrument; und machte ihr dann auf ihr Bitten langsam einige von seinen Manieren vor, die sie in ihre Kehle zu bekommen wünschte. O, wie sie ihn dabei anblickte, seine Töne wiederhohlte, und beide sie in einander schmelzten! Eine grössere Süssigkeit hat der Erdboden nie gehört.
Schade, dass sie darin gestört wurden! Jetzt kam die Frau vom haus: auch eine schöne Römerin, nur nicht von so edler und geistreicher Art, und stark in die Zwanzig; da E u g e n i a kaum sechzehn Jahre haben mochte.
Sie liess, als die kleine Gesellschaft eine Weile angenehme gespräche geführt hatte, ihre Kinder kommen: ein Mädchen von sechs, und einen Buben von acht Jahren; beide schön wie die Engel; der Bube seinem Vater ein wenig ähnlich, und das Töchterchen der Mutter.
Das Haus hatte eine Lage, die zu den zauberischesten in Rom gehörte. Eben schwebte das Kolisäum im süssen Abendlichte fern aus dem Grünen in die hohe Luft, wie ein Gemählde voll Empfindung vergangner zeiten; und durch die hohen Bogen sah man Feld und Himmel. Rechter Hand leuchtete die Villa Casali, wie ein Lustsitz der Liebe hervor; und weiter hin Castel Gandolfo, Rocca di Papa und Frascati. Das schöne Gebirge wölbte sich majestätisch herum gegen Tivoli, und der hohe Sorakte machte einen prächtigen Beschluss.
Rom lag vor der Höhe in den stolzen Formen seiner Gebäude, und den rührenden Ruinen mit Grün überzogen, woraus hier und da Pinien und Zypressen sprossten und ihr Haupt erhoben.
P a s s i o n e i war über eine Stunde da gewesen, als er sich empfahl; und musste versprechen, seinen Besuch bald und oft zu wiederhohlen.
Die Ohren brausten H i l d e g a r d e n im Wagen, als sie alles wieder durchempfand. "Wie mancher Einheimische und Fremde wird nach einem solchen Blicke schmachten! ... O, ich mag es nicht ausdenken!" So verstummte sie in sich.
Diesen Abend spielte sie ihre Rolle zum erstenmal sehr zerstreut; doch brachte die Gewalt der Musik im dritten Akt sie wieder zu sich. Am besten machte sie die Scenen von J o m e l l i , worin Sophonisbe von ihren Kindern Abschied nimmt, und deren Schönheit heute auch erst bemerkt wurde.
Den nächsten Morgen schrieb sie folgenden Brief:
"Mein lieber Lockmann,
ich habe mit der Herzogin D**** eine Reise nach Italien gemacht, und wir befinden uns jetzt in Rom. Sie erhalten hierbei zur Belohnung einen Wechsel von fünfhundert dukaten, den sie sogleich heben können. Sie hätten fünftausend verdient. Wofür? das kann ich der Post nicht anvertrauen. Ich werde Ihnen Wunderdinge erzählen, wenn ich wieder bei Ihnen bin."
"So bald das Karneval vorbei ist, reisen wir nach Neapel. Melden Sie mir dortin den Empfang unter der Adresse der Herzogin bei dem G*** H***. Im May segeln wir nach Sizilien und Malta, und kommen durch Kalabrien zurück nach Neapel. Von da geht es den Sommer im Fluge nach Wien, und wir begleiten meine Mutter an den Rheinstrom. Leben Sie wohl.
H i l d e g a r d ."
Sie überlas Wechsel und Brief noch einmal; legte beides wohl zusammen, verklebte das Couvert mit Oblate, siegelte zu, und schrieb die Adresse. Den Nachmittag gab sie den Brief ihrer F a n n y , dass diese ihn Abends richtig bestellen sollte.
Sie ging und fuhr nun oft aus, um die unendlichen
Schätze Roms, die Pracht und Herrlichkeit, die Schönheit