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einem P a s s i o n e i gehört. Sein Verlangen, den Sänger in der Nähe zu sehen und zu sprechen, war brennend; es wollte ihm aber nicht damit glücken. H i l d e g a r d ging wenig aus, und nahm Besuche, von denen sie anfangs bestürmt wurde, eben so wenig an, als Einladungen. Sie war jeden Tag mit ihrer Rolle beschäftigt, und erdachte etwas Neues dafür; überdiess hatte sie noch die Sophonisbe zu studiren, die Klippe, an welcher sie zu scheitern befürchtete. Die erste probe dieser Oper ward so geheim veranstaltet, dass kein Fremder hinzukam; auch hatten die Römer in sieben Schauspielhäusern jetzt so viel zu sehen und zu hören, dass sie wenig deshalb nachforschten!

Die probe übertraf bei weitem H i l d e g a r d s Er

wartung. Den Masinissa, machte der Sieneser, freilich zu jung für diese Rolle; und den Siface der Tenorist, für welchen diese Rolle so gut geschrieben war, dass er recht darin glänzen wollte. Beide hatten wenig zu lernen; die Melodien fielen leicht in die Kehle. Ueberhaupt bestand die ganze Oper nur in Sophonisben; alles Andre war Nebenwerk. Die beiden Virtuosen auf der Hoboe und dem Horn freuten sich indess sehr über ihre Solos in der vierten Scene des dritten Akts.

H i l d e g a r d e n war ein schwerer Stein vom Herzen, als weder der Kapellmeister, welcher die Aufführung dirigirte, noch einer von den andern Tonkünstlern nur das Mindeste von einem Betruge äusserten, und alle die Musik der schönen Scenen, besonders der erhabnen im dritten Akt, bewunderten. Sie sagten: manches sei gewöhnlich, und das Ganze nicht so neu und gediegen, wie der Achill, aber doch der Styl vortreflich; die letzte Scene klassisch, und allein eine Oper wert. Hiermit urteilten sie nicht übel; verstanden sich aber wenig auf Physiognomie der Geister.

Die erste probe ging so gut, dass man nur noch zwei andre hielt.

Bei der ersten Aufführung waren die Billete noch teurer als beim Achill.

H i l d e g a r d hatte sich reich und mit Geschmack gekleidet, und in ihrem gelockten Haar strahlte ein Diadem von grossen Diamanten. In der vierten Scene bei den Worten: Intesi, ti basti, s'io cesso d'odiarti, glaubten alte Kenner in ihr die junge G a b r i e l i zu sehen und zu hören. Niemand aber dachte an Traetta.

Der Tenorist erhielt vollen Beifall in der letzten Scene des ersten Akts. Dieser gefiel zwar, erregte aber bei weitem nicht so viel Entusiasmus, wie der erste Akt des Achill.

Im zweiten trank man Chocolate und ass Gefrornes. Man hielt alles darin für gewöhnlich; nur das Terzett erregte Aufmerksamkeit.

Aber im dritten lebte alles wieder auf. Bei der Arie: Sventurata in van mi lagno, zeigte H i l d e g a r d sich in ihrer stärksten Bravour, wie man sie noch nicht gehört hatte. Alles erstaunte über die Neuheit und das Glänzende ihrer Manieren und Läufe; und mehr als Eine stimme rief: "So etwas kann kein Frauenzimmer!"

Der junge Lord, welcher noch keine Vorstellung versäumt hatte, verwunderte sich seinerseits über die allgemeine Blindheit. So lange H i l d e g a r d noch den Achill spielte, dünkte er sich nie recht sicher; jetzt aberDoch er wollte warten.

Die zehnte Scene war der Triumph von allem; das ganze Teater lauschte wie gefesselt und gebunden, und jedem lief ein Schauder nach dem andern durch die Glieder.

Ecco al mio labbro già la tazza letal!

Ma ohime! la mano perchè mi trema,

Qual si spande intorno fosco vapor,

Sotto l'incerte piante il suol perchè vacilla

Dove son? che m'avenne?

E questo forse il natural ribrezzo al tremendo

passaggio?

Ah, non credei, che si terribil fosse l'aspetto

della morte!

Man hörte kaum, und hatte nur Augen: so sehr war die königliche Gestalt in jeder Stellung, Bewegung und Geberde Sophonisbe. Das hohe Tragische tat den Zuschauern wirklich zu weh. Der junge Lord rief ausser sich: "Donna è vera Sofonisba!"

Diess schallte H i l d e g a r d e n schrecklicher in die Ohren, als hinter der Scene der Römische Marsch.

Ma qual suono lieto insieme e feroce? donde?

s'osservi! aprite! –

O vista atroce! le navi! i prigioneri!

Invano m'attendete, o superbi! Io non verrò,

La mia difesa è questa. Bevvasi! –

O dio! ma dunque ò da morir cosi?

I ferri! le catene!

Mi lascian tutti, misera, in abbandono; e sol

m'avvanza,

Che soccorso crudel? la mia constanza.

Das Quintett zum Beschlusse, wo sie stirbt, vollendete die ungeheure wirkung; die Zuschauer waren blass und von Schrecken versteinert.

Erst als der Vorhang fiel, schöpften sie wieder recht Atem, und riefen: Bravissimo Passionei!

Die Donna des Lords war ganz und gar in die

blosse Luft gesprochen; er blieb aber überzeugt, wie von seinem Leben, dass P a s s i o n e i ein Frauenzimmer sei.

H i l d e g a r d hatte, als sie das Donna hörte,

grosse Mühe, die Scene gehörig auszuspielen;