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Sänger, auch die berühmtesten, übertreffe.

Als die Zuhörer das Teater verliessen, war auf den

Strassen ein Schwirren in der Luft von der leichten Melodie: Se un core annodi, mit welcher sich hier und da die erhabne: Tornate sereni, durchkreuzte und vermischte.

Zu Mitternacht bei den Abendmahlzeiten ward von

weiter nichts gesprochen, und man liess durch ganz Rom das Lob des unvergleichlichen Sängers hoch leben.

Die folgenden Proben wurden kurz vorher ange

sagt, und deshalb ungestörter gehalten. H i l d e g a r d sah dabei mehr auf das Ganze und den Vortrag des Orchesters. Auch der zweite Sänger tat sich nun hervor, und näherte sich bei seiner Hauptscene: Numi clementi, dem Vortreflichen. Sie gab mit Feinheit Acht auf sein Eigentümliches, um bei gelegenheit, wenn der Fall vorkäme, es anderwärts in gehöriger Vollkommenheit zu zeigen; aber noch genauer merkte sie auf den Vortrag des Tenoristen, der jenen an Ausbildung und Fertigkeit bei weitem übertraf.

Die blasenden Instrumente, Hoboen, Fagotten, Hörner und Trompeten, waren glücklicher Weise meistens mit Deutschen, Böhmen und Oestreichern, oder mit Schülern von Deutschen besetzt, die der rastlose Unternehmer zum teil in der Lombardei angeworben hatte.

Schon bei der vorletzten probe kam alles bis zu einem Gusse: Geigen, Bratschen und Bässe begleiteten durchaus meisterhaft; kein Virtuose wollte sich mit seinen Künsteleien zeigen. Die letzte aber war wirklich Vollendung. Jeder musste dabei in seiner teatralischen Kleidung auftreten; das antike Griechische Kostume war angenommen, und, wegen des Pittoresken im ersten Chor, zwei der berühmtesten Mahler zu Rate gezogen worden. H i l d e g a r d hatte es so klug eingerichtet, dass sie in ihrem Zimmer am Teater, mit F a n n y 'n allein und unbemerkt, sich anziehen, und für den dritten Akt umkleiden konnte. Sie erteilte voll Entusiasmus allen Sängern, Tänzern und Musikern das gebührende Lob; aber für die vernachlässigte Aktion noch erspriesslichen Unterricht.

Endlich kam der grosse Tag der ersten Vorstellung. H i l d e g a r d hatte die Nacht wieder so sicher und ruhig geschlafen, wie A l e x a n d e r vor seiner berühmtesten Schlacht. Sie ward von dem edlen UnterSchon mehrere Tage vorher war von der bestimmPrächtig erscholl die Symphonie des Bacchanals. Gross und hehr trat Pyrrha mit der Deidamia hervor; Udisti! fragte Deidamia bang und erschrocken; und So fing pittoresk und reizend das Schauspiel an, Bald flieht alles; und nur sie bleibt. Ihre erste Arie: Gleich nachher fing sich in einer Loge nahe bei der d e n hätte gefährlich werden können, wenn Römer und Römerinnen des mindesten Verdachtes fähig gewesen wären. Ein junger Lord, W*** C**, der schon vor zwei Jahren den Sommer über sich in Rom aufgehalten hatte, und vor wenig Tagen von einer Reise durch Griechenland, Kleinasien, Syrien und Aegypten zurückgekommen war, sagte ziemlich laut zu einem berühmten Mahler: "Das Mädchen ist schöner, als alles, was ich jemals gesehen habe; und singt und spielt ihre Rolle unvergleichlich. Ich erwartete einen Opern-Achill; aber aus dieser atmet zu meinem grössten Erstaunen H o m e r s Genius. Wer ist sie? wie heisst sie?" Er hatte, in H i l d e g a r d s Schönheit vertieft, und von ihrem blick gefesselt, gar nicht Acht gegeben, was um ihn her war gerufen und gesprochen worden.

Der Mahler antwortete lachend: "Es ist der Sänger P a s s i o n e i . Auf den Teatern unsrer heiligen Stadt dürfen keine Frauenzimmer erscheinen; aber die jungen Kastraten ahmen sie so gut nach, dass sie die feinsten Kenner täuschen, wie wir an Ihnen ein Beispiel sehen."

Der Engländer hatte für sein Lieblingsstudium, die Naturgeschichte, und auch um mit tieferer Kenntniss sich an den Werken der Kunst zu weiden, von welchen er durch Erbschaft eine reiche Sammlung besass, die Anatomie geübt, und wusste die Verschiedenheit des Männlichen und Weiblichen nicht bloss aus dem A l b i n i . Er war etwas aufgebracht über die Zurechtweisung; doch hielt ihn das Sonderbare des Vorfalls zurück, dem Künstler die Augen zu öfnen. Die Andern in der Loge verzogen hinter seinem rücken den Mund.

Der Mahler wollt' es noch besser machen; und, eben als der Sieneser die Arie: Del sen gli ardori nessun mi vanti, gegen den Charakter derselben ziemlich weichlich sang, fuhr er fort: "Eine solche Beraubung in der Kindheit macht zuweilen, dass späterhin die Formen sich sehr verändern."

Der Lord erwiderte hierbei kalt und lächelnd nur: "D i e s e r hat seinen Bubenkopf glücklich behalten!"

Ein Jüngling in der Loge erwiderte feurig: "Könnt' es ein Frauenzimmer geben, das einen so festen süssen Ton der ersten Gattung und solche Lungen hätte; so müsst' es gewiss von sonderbarer Laune sein, wenn es bei so viel Schönheit ..." – Das halbe Parterre gebot Stillschweigen. Kurz, es war alles in die Luft gesprochen; man hielt des Lords Aeusserung für ungereimt, dachte nicht weiter daran, liess sich während des Zwischenakts das Gefrorne wohl schmecken, sprach über Personen in Parterre und Logen, und freute sich höchlich über das Ballet, worin Teseus den Minotaurus erlegte.

In der siebenten Scene des zweiten Akts ward bei der schönen Stelle: Ove mirar più mai tant armi, tanti duci, der