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n y allein sich hieran, und an der schönsten Aussicht in Florenz gegen den Berg von San Pelegrino hin, geweidet hatte, leitete sie die Sache ein, ohne vorher ihre Freundin um Rat gefragt zu haben. F a n n y erstaunte. Doch, da sie aus London her an Abenteuer und Katastrophen gewöhnt war, so liess sie sich bald willig finden. In dem neuen land kam ihr überhaupt alles romantisch vor. Sie hatte sich schon mehrmals, wenn sie in dem Zimmer allein war, mit H i l d e g a r d s Mantel und Hut vor den Spiegel gestellt, und, bei ihrem schönen Wuchse, Lust bekommen, sich wie ihre herrschaft zu tragen.

Noch denselben Abend ward mit hülfe der Herzogin die Kleidung erfunden, und nach dem eignen Geschmack des Mädchens gewählt, das für alle Art von Putz grosses Talent hatte, und sich höchlich über die Neuigkeit freute. F a n n y sang auch sehr artig Englische Lieder und Romanzen, und lallte naiv schon die nötigsten Italiänischen Wörter.

Der Unternehmer hatte s i e noch nicht bemerkt: wohl aber sie i h n zu Modena. Von Reggio war sie in dem andern Wagen hinter drein gefahren.

Nachdem man alles in Bereitschaft gesetzt hatte, ging es rasch den kürzesten Weg über Siena und Radicofani nach Rom.

Auf der letzten Post wartete H i l d e g a r d einige Stunden, liess den Herzog mit seiner Gemalin vorausjagen, und folgte dann mit ihrer F a n n y , die jetzt einen weissen Mantel und einen dreieckigen mit Gold bordirten Hut trug.

O, welche Gefühle durchwallten ihr ganzes Wesen, als sie näher an Rom kam, und die Peterskuppel sich hoch empor in die Luft wölbte, und in der Abendsonne prangte! Der mildere Himmel der ganzen neuen Region schien sie mit liebkosenden Blitzen zu empfangen. Je weiter sie in den heitern Kreis der stolzen blauen Fernen hinein fuhren, desto wonnebanger schlug ihr Herz.

Als der Wagen an den Ponte Molle kam, sprangen einige junge Römer und Römerinnen hervor, und riefen: "Willkommen! Glück zu Deiner Ankunft!"

Der Postillion hielt an. Sie sahen bald am Wagen, dass sie sich geirrt hatten, und waren überrascht von dem freundlichen blick des fremden holden Jünglings. Das jüngste Frauenzimmer, an Gestalt eine antike F a u s t i n a , entschuldigte die Gesellschaft: dass sie geglaubt hätten, der Wagen brächte ihren Bruder, den sie von Ancona erwarteten. Ihre Augen waren die schönsten in Rom, und strahlten, wie grosse Fixsterne im reinsten Aeter. Man wechselte von beiden Seiten die gefälligsten Worte.

Es ging nun schnell nach der Porta del Popolo, und durch eine herrliche Strasse nach der andern schräg durch die Kutschenfahrt des Corso zu dem angenehmen Quartier beim Teater, welches schon längst für P a s s i o n e i bereitet stand, und wo der Unternehmer selbst, höchlich über seine Ankunft erfreut, ihn empfing.

Die Sachen wurden abgepackt, der schöne Englische Wagen an einen sichern Ort gestellt, und alles bald in Ordnung gebracht.

Noch denselben Abend durchstrich der Unternehmer mit P a s s i o n e i die grossen nahen Plätze, bis zum Monte Citorio, wo er im Kaffeehause stolz seine neue Beute aufführte. Man erblickte mit Lust die schöne Gestalt, den schlanken königlichen Wuchs unter dem Venezianischen Mantel; und stand und sprach gefällig um den Jüngling her, als er ein Glas Gefrornes zu sich nahm.

Gegen Mitternacht hielten sie ein köstliches Mahl,

wozu auch einige Freunde des Unternehmers, der zweite, kaum sechzehnjährige Sängervon Siena gebürtig, zart und weichlich von person, aber von unbedeutenden Gesichtszügen, etwas kleiner als P a s s i o n e i – und der Tenorist, ein starker Mann in die dreissig, gut für die Rolle des Ulysses, eingeladen waren.

Man machte geschwind angenehme Bekanntschaft.

Das Gespräch ward kurzweilig und Italiänisch lebhaft. P a s s i o n e i sprach wenig; aber alles, was er sagte, verriet feinen Sinn und durchdringenden Verstand, welcher zuweilen mit dem übergrossen Aberwitz der Andren einen auffallenden Kontrast machte. Man ging spät aus einander. Unten, nicht weit von der Tür, kamen Alle darin überein: P a s s i o n e i sei schön, geschmeidig, klug, verständig, und gelehrt in seiner Kunst.

H i l d e g a r d schlief sanft und ruhig, und erwach

te, als schon die Sonne zu den Fenstern hereinschien, aus den lieblichsten Träumen.

Noch denselben Morgen nahm sie, auf Empfehlung

des Unternehmers, einen jungen flinken Römischen Bedienten, mit Namen P a o l o , an; und sagte, leichtweg ländlich sittlich scherzend, in F a n n y ' s Beisein: "Der Name passt gut zu dem Deinigen, Pietro;" – so wurde nämlich das Kammermädchen jetzt getauft; – "und ich hoffe, von dem n e u e n Apostel so gut wie von dem a l t e n bedient zu werden."

Von dem erstem begleitet, besah sie noch diesen Vormittag die Peterskirche, die Rotunde, und das Kolisäum: drei Wunderwerke, die ihre Seele zum Grossen und Erhabnen stimmten.

Mittags war die Gesellschaft bei der Tafel zahlreicher: ausser den schon gestern Abend da gewesenen Sängern, kamen auch die andern, und die Hauptpersonen vom Ballet und Orchester. H i