P a s s i o n e i Rom und ihn mit seiner göttlichen stimme und Gestalt beglücken möchte. Dieser willigte aber aus Schüchternheit noch nicht ein, und sagte: Rom sei ein gar zu gefährlicher Ort.
Sie assen Mittags bei B o d o n i , dem Raphael der Buchdruckerkunst, dessen Werke der Herzog alle gekauft hatte. H i l d e g a r d trieb, in der ersten Angst vor ihrer Mutter und ihrem Bruder, dass sie noch den Nachmittag nach Reggio abfuhren. Der Unternehmer folgte ihr in Verzweiflung dahin.
Den folgenden Abend, eben als sie das Haus besahen, worin A r i o s t geboren ist, willigte sie endlich ein. Nach dem Vertrage, der in dem wirtshaus aufgesetzt wurde, erhielt sie für das kurze Karneval achtundert Zechinen, die Einnahme einer Vorstellung, freie wohnung, freie Tafel mit mehrern Gedecken etc., und zweihundert Zechinen für die Opern. Die Herzogin machte noch mit dem Unternehmer allein aus: er sollte von ihr und ihrem Gemal in Rom nichts sagen; P a s s i o n e i würde sich übrigens zur gehörigen Zeit einstellen.
Er reiste in ihrer Gesellschaft nach Modena, und von dort sogleich nach Rom, um alles Uebrige zu veranstalten.
H i l d e g a r d hatte sich auf ihrer Reise durch die Lombardei mit so viel Geschmack und Vorsicht gekleidet, auch sich überall so edel betragen, dass man von ihrem Geschlecht nicht einmal etwas mutmasste. Ihre wenigen Leute waren von erprobter Treue; keiner unter ihnen verstand Italiänisch, und konnte von dem Abenteuer, das H i l d e g a r d vorhatte, nur das Mindeste merken.
Von Modena, wo sie bei ihrer Abreise S a l v i n i ' s Iliade kaufte, um den Helden H o m e r s überall gegenwärtig zu haben, fuhren sie nach Ferrara, liessen ihre Wagen da stehen, und machten einen Flug nach Venedig, um dort die Nachtigallen zu hören.
Noch an dem Abend ihrer Ankunft hielten die junge Zauberin J o h a n n a P a v a n und die launichte T h e r e s i a A l m e r i g o in der heiligen Dämmerung der Kirche ai Mendicanti einen Wettstreit mit einander. Wahre Herzenslust für H i l d e g a r d ! Besonders bewunderte sie das reine Metall der erstern. Schade, dass die lyrischen Schwärmerinnen M a r c h e t t i und G i u l i a n a schon weggegangen waren. H i l d e g a r d erstaunte über die männliche Aufführung der ganzen Musik von den guten Mädchen; wobei Orchester und Gesang wie in einem Gusse zusammen stimmten.
Den andern Abend ward sie aufs neue durch den Contrealt der B i a n c a S a c c h e t t i entzückt, die ihre Melodien mit so viel Grazie auszuzieren wusste.
Der Herzog bemerkte, das andre Geschlecht habe gewiss mehr natur für die Musik, als die Männer, denen sie zu sehr blosses Spiel sei. Er hielt diese Erziehungshäuser für ein Meisterstück guter Politik, da sie zugleich zum Vergnügen der Stadt und der ganzen Nazion dienen.
H i l d e g a r d sammelte schnell für sich die schönsten neuen Blumen. Der Herzog und seine Gemalin sagten aber: so bescheiden sie auch wäre, so ständen doch alle unendlich weit unter ihr.
Binnen wenig Tagen sah H i l d e g a r d , unter der vortreflichen Anführung ihrer Freundin, das Merkwürdigste und Ausserordentlichste jeder Art, besser, als Andre vielleicht in so viel Monaten und Jahren.
Eben so zu Ferrara, Bologna und Florenz. Aus der letzteren Stadt antwortete sie unter Herzklopfen ihrer Mutter und ihrem Bruder: sie wären noch in Nizza, und wollten nun nach Genua, um den Winter in Italien zuzubringen; aber sie bäte dringend und flehend, den Prinzen nichts davon wissen zu lassen.
Die Briefe schickte sie an die Frau v o n L u p f e n , und erzählte ihr Manches von ihrer Reise, verschwieg aber ihr gefährliches Unternehmen.
F a n n y , ein kluges Mädchen, hing an H i l d e g a r d e n mit seltner Treue, und hatte bis jetzt noch nichts verraten, da es ihr in keinem Fall nützen, wohl aber viel schaden konnte. Auch diese schrieb von Nizza aus an die Kammerjungfer der Mutter, wie angenehm sie durch die Provence gereist wären, und wie vergnügt sie lebten.
H i l d e g a r d sah ein, dass es notwendig sei, F a n n y ' n ihr Vorhaben zu entdecken, und dass diese sich als ihren Bedienten verkleiden müsse. Sie wollte in Rom ausser ihr noch einen andern Italiänischen annehmen. Auf der Reise, in der freien Luft, unter andern Menschen, schon fast ganz sich selbst überlassen, fasste sie Mut, wenn ihr das erste Unternehmen gelingen würde, die Rolle – natürlicher Weise als Frauenzimmer – weiter fort zu spielen. Zu einer andern in der Welt fühlte sie in sich noch wenig Beruf. Ach, ohne seine leidenschaft wäre L o c k m a n n der beste Begleiter für sie gewesen! und sie hätte ihm nur einen Wink geben dürfen.
Im Garten Boboli, auf einem Spaziergange, bei schönem Abendrot, wo sie mit F a n