fragte die Herzogin noch einmal: "In Vertrauen! wie heisst der schöne Sänger? wo kommt er her? wo geht er hin? Ich frage zu seinem und meinem Vorteil."
Die Herzogin antwortete: "Er heisst P a s s i o n e i .
Sein Vater, ein vortreflicher Tenorist, nahm ihn, als er noch keine zehn Jahr alt war, ich glaube aus dem Kirchenstaate, mit nach England, und reiste mit ihm, als er seine stimme ausgebildet hatte, an den Nordischen Höfen herum, und alsdann durch Deutschland. Vor Kurzem starb er in den Niederlanden, und hinterliess seinem Sohn ein ansehnliches Vermögen. Achill war die letzte Oper, die er in Musik setzte. Diese und seine vorletzte, Sophonisbe, sind nie aufgeführt worden, und beide völlig neu. Die Melodien zu den Hauptscenen sind meistens von dem jungen P a s s i o n e i selbst. Er will nun eine Reise durch sein Vaterland machen, aus der Quelle schöpfen, und den gegenwärtigen Zustand der Musik kennen lernen, eh' er sich irgendwo öffentlich hören lässt."
Der Römer war über diese Nachricht entzückt, und erwiderte: "Das braucht er nicht; ein solches Original ist vom Himmel bestimmt, seinen eignen Flug zu nehmen. Ich stehe für den Erfolg. Mir fehlt der erste Sänger für das Teater Argentina, in Rom, dessen Unternehmer ich bin. Er soll gleich in der Hauptstadt der Welt strahlen und glänzen. Ich wag' es, ihm für das nächste Karneval achtundert Zechinen anzubieten, und bezahle ihm die beiden Opern dazu, wie dem besten Meister."
H i l d e g a r d war inzwischen auf der Bühne verschwunden, kam nun, begeistert und in der besten Laune, am äussersten Ende wieder zum Vorschein, sang den Dityramb:
Ah di tue lodi al suono
Padre Lieo discendi!
und machte Sätze, wie ein flüchtiges Reh; wie der wahre schnellfüssige Achill als Pyrrha. Man konnte nichts Reizenders sehen und hören, obgleich der Taumel von Instrumenten fehlte.
Der Römer und alle Andren waren vor jubel ausser sich. Die Herzogin antwortete ihm, als er ihr im Eifer die Hand drückte und küsste: er möchte sich von dem, was sie ihm gesagt hätte, gegen den jungen P a s s i o n e i noch nichts merken lassen. Sie wolle zu ihrem eignen Vergnügen alles nach seinem Wunsche einzuleiten suchen. Der grosse Künstler – ein seltner Fall! – denke zu bescheiden von seinem Wert.
Der Römer begleitete sie bis an ihr Wirtshaus,
und machte unterwegs H i l d e g a r d e n die feinsten Lobsprüche, als ein ausgelernter Kenner. Sobald sie in ihren Zimmern allein waren, fing die Herzogin laut an zu lachen, und sagte: "Mädchen, Du hast diesen Abend Deine Sachen gut gemacht. Nun hör' aber auch, was für ein Glück Dir bevorsteht!"
"Du heissest P a s s i o n e i . Dein Vater, ein vor
treflicher Tenorist, nahm Dich, als Du noch keine zehn Jahr alt warst, aus dem Kirchenstaate mit nach England, und zog mit Dir, als Deine stimme sich ausgebildet hatte, an den Nordischen Höfen herum, alsdann durch Deutschland. Vor Kurzem starb er in den Niederlanden, und hinterliess Dir ein ansehnliches Vermögen. Achill war die letzte Oper, die er in Musik setzte; Sophonisbe seine vorletzte. Beide sind nie aufgeführt worden, und völlig neu. Die Melodien zu den Hauptscenen sind meistens von Dir, dem jungen P a s s i o n e i , selbst. Du willst – nun eine Reise durch Italien, Dein Vaterland, machen, und aus der Quelle schöpfen, ehe Du Dich irgendwo verpflichtest!"
"Gut, und nicht gut!" versetzte H i l d e g a r d ; "und weiter?"
"Du trittst, obgleich ein solches Original vom Himmel bestimmt ist, seinen eignen Flug zu nehmen, dessen ungeachtet dazu genötigt und erbeten, während des nächsten Karnevals in dem Hauptteater Argentina zu Rom als Achill und Sophonisbe auf; erhältst achtundert Zechinen, vielleicht auch mehr, und die beiden Opern werden Dir obendrein bezahlt. Der Grünmantel, der uns nach haus begleitete, und dessen erster Sänger in Turin tot krank liegt, ist der Unternehmer des Teaters."
"Bist Du unsinnig, Frau?" rief H i l d e g a r d , sprang auf, und fasste die Herzogin bei den Schultern. "Weisst Du nicht, dass kein Frauenzimmer ein Römisches Teater betreten darf? Und wenn nun Personen dort wären, die mich in Deutschland gesehen und gehört hätten! Es gäbe eine saubre geschichte, wenn heraus käme, wer ich bin! Und mit unsrer alten Oper würden wir schöne Ehre einlegen!"
"Das alles habe ich schon überdacht;" erwiderte die Herzogin. "Die Römer sind Phantasten mit ihrem Teaterwesen; und die Kinder verdienen keine so mütterliche Züchtigung. Hat doch im neunten Jahrhundert ein Englischdeutsches Mädchen einmal den Papst gemacht! natürlicher Weise ohne Bart; denn damals wählte man sie noch jung21. Du geistreiches geschöpf wirst Dich doch also wohl nicht scheuen, auf sehr kurze Zeit einen armseligen Kastraten zu spielen? Wie lange hat der Chevalier d ' E o n England und Frankreich getäuscht! Wenn auch einer oder ein Paar Deutschen, die Dich gesehen und gehört hätten, in Rom sein