1795_Heinse_036_150.txt

Valdo anfängt sich in die mildere Luft gegen Verona hin zu erheben, rasteten sie einige Tage.

Bei der Familie F o n t a n a lernten sie die gebildeten Menschen des Orts kennen. H i l d e g a r d war hier die Schwester des Herzogs. Ihre hohe Schönheit bezauberte Aller Augen, so dass die D**** und ihr Gemahl darüber vernachlässigt wurden. Noch weit mehr tat diess der reizbare Italiänische Sinn zu Verona und Mantua, so dass H i l d e g a r d e n die allgemeine Huldigung bald unerträglich ward, und sie aus zarter achtung für ihre Freundin auf dem Wege nach Mayland sich in deren Bruder verwandelte. Welch ein himmlischer Jüngling war sie nun, mit dem sonnichten blick und den Absalonslocken unter dem runden Hut, und mit dem schlanken Wuchs unter dem Venezianischen Scharlachmantel!

Sie ergötzten sich eben zu Turin an dem göttlichen Spiel und der Eitelkeit des alten Fauns P u g n a n i , der sich mehr als gewöhnlich angriff: als in Regensburg der Frau v o n H o h e n t h a l der Brief der Frau v o n L u p f e n eingehändigt wurde.

Sie liess im ersten Schrecken das Papier aus der Hand fallen. Ihr Sohn, der von der brücke kam, an deren einem Pfeiler ein Schiff gescheitert war, trat in das Zimmer, hob den Brief bestürzt auf, und las ihn. "O Gott!" sagte sie; "das hab ich nicht von ihr erwartet!" Der junge H o h e n t h a l ging in überlegung einmal auf und ab, und sagte dann:

"Das Unglück ist nicht so gross! vielleicht ist es gar keins, und so recht gut. Sie will nach Italien, und hat die Zeit nicht erwarten können. Nur sollte sie gegen uns nicht mit dem Popanz von Lovelace, dessen erträumten Bubenstücken, und der ewigen Briefstellerin Clarisse aufgezogen kommen! ... Das verdammte Romanlesen! ... Der Prinz und sie sind ganz andre Menschen. Sie ist ja so erstaunlich vor ihm auf ihrer Hut; und hätt' es also wohl mit ihm aufnehmen können. – Der Herzog ist ein rechtschaffner Mann, nur zu verliebt in seine Frau, und zu nachgiebig gegen sie; die Herzoginfreilich voll wilder Einfälle und Launen, aber doch tugendhaft. H i l d e g a r d hat in ihrem Charakter manches mit ihr gemein. Für ihre person bin ich ausser sorge; wenn nur ihre leidenschaft für die Musik sie nicht zu törichten Streichen verleitet!"

Die Mutter fasste darauf wieder etwas Mut, und sagte: "H i l d e g a r d denkt edel, und war in ihrer Aufführung immer untadelhaft. Der Prinz hat etwas Falsches im Auge, und bei viel Verstand und Feinheit Die L u p f e n schrieb: H i l d e g a r d habe sich "O, die heillosen drei Weiber!" sagte H o h e n F a n n y , ihr schönes Kammermädchen, lag ihm Kurz, sie schrieben beide ein halbes Dutzend BrieH i l d e g a r d hatte in Maylandwo sie sich nach Achilles vor. Diese konnte sich daran nicht satt hören, und erstaunte zugleich über die vollendete Kunst im Gesang ihrer Freundin. Sie war eine ausgebildete Kennerin, spielte selbst die Harfe vortreflich, und brauchte ihre Fingerkoppen nicht, wie ihre Lehrerin Madame K r u m h o l z , mit Pomaden zu erweichen; sondern lockte auch ohnediess die leisesten Töne, so zart wie ein Windhauch, aus dem Instrument hervor. H i l d e g a r d erzählte auf ihr Verlangen manches von dem jungen Meister, und machte sie zugleich mit den schönsten Scenen von J o m e l l i , M a j o und T r a e t t a bekannt. Von dem letzteren hatte sie die Sophonisbe ganz bei sich. Die erhabne Scene, wo die heroische Königin das Gift trinkt, machte auf die Herzogin und ihren Gemahl, der die Geige nicht übel spielte, und H i l d e g a r d e n sehr gut begleitete, den tiefsten Eindruck. Beide wünschten, sie auf dem Teater mit voller Musik zu hören und zu sehen.

H i l d e g a r d ging wenig in Gesellschaft, und sah mit Begierde und Lust nur das Merkwürdigste in dem schönen land. Doch machte sie überall, auf öffentlichen Spaziergängen, in den Kirchen und an der Tafel, Bekanntschaft mit den interessantesten Personen. Dabei konnte sie ein Abenteuer mit drei der schönsten Damen nicht vermeiden, die ihretwegen höchst eifersüchtig auf einander wurden, und lange in bittrer Feindschaft blieben, als H i l d e g a r d und ihre Gesellschaft nach dem Empfang der Briefe plötzlich abreisten. Es würde zu weitläuftig und gegen unsern Zweck sein, wenn wir solche Novellen, deren sich in der Folge noch manche zutrugen, erzählen wollten. H i l d e g a r d ward dabei immer gewandter und geschickter, den unerfahrnen Jüngling zu spielen.

Die Briefe von haus freuten H i l d e g a r d e n höchlich, obgleich die zärtliche Besorgniss und einige zornige Worte der Mutter sie bis zu Tränen rührten.

In Cremona sahen und hörten sie die besten Geigen in der Welt von A m a t i , S