! ich verlasse mich auf Deinen guten Verstand; wir, Dein seliger Vater und ich, haben nichts an Dir verabsäumt. Du denkst und lebst nun für Dein eigenes Wohl. Kinder muss man hüten; Erwachsene können nicht mehr gehütet werden, und verdienen es auch nicht, wenn sie ihr eigenes Glück verscherzen wollen."
"O, göttliche Worte!" erwiderte H i l d e g a r d freudig; "sie sollen tief in mein Gedächtniss eingegraben bleiben."
Sogleich eilte sie zu ihrem Bruder, und sagte ihm: "Freue Dich; binnen vierzehn Tagen, höchstens drei Wochen, wirst Du abreisen. Ich gehe, vielleicht schon künftigen Montag, mit der L u p f e n voraus auf ihr Gut, und schreibe der Herzogin, die jetzt mit ihrem Gemahl in Basel ist, dass wir uns dort treffen wollen. Wenn ich sie nur bereden kann, den Winter mit uns in Wien zu bleiben!"
Er drohte ihr schalkhaft mit einem Finger, und sagte: "Die Mutter ist sehr gut, dass sie diess geschehen lässt. Ihr drei Weiber beisammen könnt in Schwaben, auch während der kurzen Zeit, eine Menge Unheil anfangen."
Sie erwiderte lachend: "Wir kommen bald in Regensburg wieder zu einander;" gab ihm einen schwesterlichen zärtlichen Kuss, und verliess ihn, um geschwind der Herzogin zu schreiben. Auch der L u p f e n , mit der sie schon in der engsten Vertraulichkeit des Prinzen wegen Verabredung genommen hatte, machte sie höchst vergnügt die Einwilligung ihrer Mutter bekannt.
Wegen L o c k m a n n s war ihr Bruder immer ohne Sorgen gewesen; er kannte sie von London aus hinlänglich, und hielt ihren Umgang mit diesem Künstler für weiter nichts als für Spielerei aus Liebe zur Musik. Doch möchte er sich wohl betrogen haben, wenn L o c k m a n n seine Plane schlauer betrieben hätte, und nicht so ehrlich, so hastig gewesen wäre.
Sonntags Abends beurlaubte sich H i l d e g a r d mit ihrer Mutter bei dem Fürsten, und dann bei der Fürstin. Ihre plötzliche Abreise wurde bei beiden auf eine notwendige Zusammenkunft mit der Herzogin von D**** geschoben. Der Fürst erfuhr jetzt zuerst, dass Mutter und Tochter fest entschlossen waren, das erste halbe Jahr mit dem jungen H o h e n t h a l in Wien zu bleiben. Es tat ihm äusserst leid, H i l d e g a r d e n so lange zu entbehren. Er gab ihr zum Andenken sein reichstes Porträt in Miniatur von dem berühmten M e n g s , woran die blosse Einfassung mit Edelsteinen über tausend Louisd'or wert war, umarmte sie dabei als zärtlicher Vater, und küsste sie auf Mund und Stirn und Augen, und wieder, wie verliebt, recht mit Genuss, auf den zarten Purpur der Lippen. Dann sagte er lächelnd: "O die süssen, gewaltigen Töne, und die sinnreichen Reden, die mich aus ihnen entzückt haben! Kommen Sie bald wieder!" Er trennte sich von ihr mit Tränen in den Augen.
Als sie die Zimmer der Fürstin verlassen hatten, begegnete ihnen im saal der Prinz. Sie sagten ihm flüchtig dasselbe; er erstaunte drüber, musste sich aber doch fassen. Die ganze fürstliche Familie hatte inzwischen noch nichts von dem Zweikampf der beiden Nebenbuhler gehört; er wurde auch noch einige Zeit geheim gehalten, und der Fürst tat hernach weislich, als ob er nichts davon erfahren habe. H i l d e g a r d zeigte bei dem Abschied überhaupt bewundernswürdige Gegenwart des Geistes, und sagte dem Fürsten, der Fürstin, und auch dem Prinzen die angenehmsten Dinge.
Noch denselben Abend schrieb sie, obgleich im Innersten bewegt, doch klug und fein, ihrem L o c k m a n n . Sie dankte ihm herzlich für seinen vortreflichen Unterricht, für die hohen Meisterstücke, mit denen er sie bekannt gemacht, und für das viele Vergnügen, das sie in seinem Umgange genossen habe. Dann sagte sie ihm: eine notwendige Zusammenkunft mit einer Dame aus London veranlasse ihre plötzlliche Abreise; im nächsten May komme sie gewiss zurück, hoffe, dann wieder durch einen neuen Achill von ihm entzückt und bezaubert zu werden, u.s.w.
Diess Billet legte sie, nebst einer nicht geringen Summe, in ihr eigenes kostbares Englisches Schreibzeug, das er einmal sehr gelobt hatte, und setzte noch in einigen Zeilen hinzu, dass er es von ihr zum Andenken annehmen müsse und solle.
Sie brachte das Schreibezeug ihrer Mutter, zeigte ihr alles, und bat sie, es ihm morgen nach ihrer Abreise einhändigen zu lassen. Die Mutter war froh, dass dieser gefährliche Umgang sich glücklicher endigte, als sie erwartet hatte, und versprach gutmütig, was die Tochter wollte.
Noch denselben Abend ward alles auf einen schönen leichten Englischen zweisitzigen Wagen gepackt, den die Mutter ihr mit gab. Den andern Morgen bei Tagesanbruch ging es fort. Der Abschied war kurz; doch flossen Zähren wehmütiger dunkler Gefühle, ob man gleich einander bald wieder zu sehen hoffte.
K a t t , der vortrefliche Jäger des Herrn v o n L u p f e n , welcher letztre bis den Winter zurückblieb, fuhr mit den beiden Kammermädchen voraus, um überall die Posten zu bestellen; und H i l d e g a r d mit der Frau v o n L u p f e