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."

Dieser errötete über und über, als rund umher fro

hes Erstaunen auf ihn blickte.

"Willkommen unter uns, hoher schöpferischer

Geist!" rief der Prinz, umfasste ihn mit beiden Armen, drückte ihn an seine Brust, und zollte dem Adel der natur den Kuss der Bewunderung.

"Nächstens solche Musik zu der Poesie eines

K l o p s t o c k oder G ö t h e , lieber L o c k m a n n !" rief der Fürst, und drückte ihm warm und herzlich die Hand. Der alte R e i n h o l d eilte, mit Zähren des Entzükkens in den Augen, herbei, umfasste ihn voll Entusiasmus, und rief: "Segen Dir, mein Sohn, für die Freude, die Du mir verschafst!" Es war eine schöne Scene. Ove son? che ascoltai? musste wiederhohlt werden; und H i l d e g a r d sang es mit neuen Verzierungen unübertreflich.

Tornate sereni

Begli astri d'amore! sang L o c k

m a n n selbst, auf ihr dringendes Verlangen. Zum Beschlusse ward der Anfangschor nebst der Symphonie wiederhohlt:

Ah, di tue lodi al suono,

Padre Lieo, discendi!

Ah, le nostr' alme accendi

Del sacro tuo furor!

Alles drang jetzt noch weit tiefer ein. Der fremde Fürst, den das unvorbereitete doppelte Schauspiel überrascht, ergötzt und ergriffen hatte, schickte dem Meister noch denselben Abend einen Ring mit einem prächtigen Brillant, nebst einem angenehmen Billet.

Den andern Nachmittag war Spazierfahrt; und Abends bis tief in die Nacht Ball, wozu sich Mehrere aus der Nachbarschaft schon tages zuvor eingefunden hatten.

H i l d e g a r d betrug sich gegen W a l l e r s h e i m , der sie gefahren hatte, und gegen ihren andern Liebhaber, mit der grössten Vorsicht. Diess machte, dass sie nicht mit dem gewöhnlichen Leben tanzte; doch an Kunst und Fertigkeit übertraf sie auch so alle Andren bei weitem. Sie tanzte mit dem Grafen v o n T ö r r i n g , und dem Herrn von W a l l e r s h e i m gleich freundlich und gut; konnte aber doch nicht hindern, dass beide noch in eben dieser Nacht sich auf den andern Morgen an einen entlegenen Ort beschieden. Mit dem fremden Fürsten, einem guten muntern Herrn in die Dreissig, überliess sie sich nur einmal schon spät ganz der Freude in einem kosakischen Tanze. Beide wurden bewundert; vorzüglich H i l d e g a r d , die das wilde Spiel mit unbeschreiblichem Reiz im natürlichsten Charakter trieb.

L o c k m a n n hatte sich zu F e y e r a b e n d e n unter die Zuschauer gestellt, und verwendete in hohem Entzücken kein Auge von ihr; aber bald hernach sank er von seinen herrlichen Aussichten in einen tiefen Abgrund, als F e y e r a b e n d gegen ihn den unschuldigen Wunsch äusserte, dass er den Winter mit der Familie H o h e n t h a l in Wien sein möchte.

"Wie? in Wien?" fragte L o c k m a n n erstaunt.

Die hastige Frage fiel F e y e r a b e n d e n auf. Man hatte ihm zwar gesagt, er möchte noch nichts davon bekannt werden lassen; aber er glaubte, L o c k m a n n , als Freund vom haus, wisse alles, wie er selbst.

In der Zerstreuung entdeckte er diesem mit wenig Worten das ganze Vorhaben. H o h e n t h a l , sagte er, solle da seine Studien fortsetzen, und Mutter und Schwester würden ihn begleiten und den nächsten Winter in Wien zubringen.

Diese Nachricht fiel L o c k m a n n e n sehr aufs Herz. Zum Glück brachte das Gedränge sie bald von einander; das Orchester fing den Kontretanz von L o c k m a n n s Oper an, und seine heftigen Empfindungen blieben unbemerkt.

Alles um ihn her war nur ein verwirrtes buntes Gaukelspiel; er musste freie Luft haben, machte sich fort, tappte wie betäubt auf sein Zimmer, und murmelte zwischen den Zähnen: "O die Falsche! die Falsche!" Nun ging er eine Zeitlang hastig auf und ab; sann tief nach, und endlich kamen die Worte aus seinem mund: "Nicht einmal bis zur Vertraulichkeit hast du es mit ihr bringen können! Es ist nichts! alles umsonst! Du musst das Aeusserste wagen."

Er kleidete sich aus, warf sich auf sein Bett, und brachte die Nacht zu, wie auf der Folter.

Den folgenden Morgenes war der wärmste Tag zu Anfang des Septembers, und das schönste Wetterschlugen sich T ö r r i n g und W a l l e r s h e i m im Wald auf der Grenze. T ö r r i n g parirte sich eine Streifwunde in die linke Seite, und traf zugleich W a l l e r s h e i m e n mit einem starken Gegenstoss zwischen die rechte Schulter. Ihre beiden Begleiter brachten sie nun aus einander.

L o c k m a n n ging den Nachmittag nicht zu H i l d e g a r d e n . Er dachte: "Es