im blossen Hemde aus Fortepiano, lispelte:
Se un core annodi,
Se un alma accendi,
Che non pretendi
Tirrano Amor?
Vuoi, che al potere
Delle tue frodi
Ceda il sapere,
Ceda il valor;
und tastete leise leise in der nächtlichen Dämmerung die Begleitung dazu. O, hätte L o c k m a n n hier das süsseste Leben auf Erden erlauschen und erblicken können!
Die hohe Schönheit schwebte ein paarmal auf und ab, und seufzte: "Ach, dass er so leidenschaftlich ist! dass du ihn zurücklassen musst! Ach, dass nichts so ganz vollkommen glücklich sein kann und darf! Hartes los der Menschheit!"
So legte sich die Unschuld wieder in ihr Bett, hüllte sich ein, und sank in einen Schlummer hin von Phantasien der Zukunft.
Den folgenden Morgen ward die Neuigkeit der Frau v o n L u p f e n , ebenfalls unter dem Siegel der Verschwiegenheit, anvertrauet. Solche mannigfaltige neue entzückende Schönheiten hatte sie nicht erwartet, so hoch sie den jungen Künstler auch schätzte.
L o c k m a n n hielt doppelte probe, und beidemal waren H i l d e g a r d , ihr Bruder und F e y e r a b e n d zugegen. Er gab die Oper für das Werk eines jungen Neapolitaners, P a s s i o n e i , aus, und sagte: sie sei ihm vor wenig Wochen zugeschickt worden. Alle freuten sich höchlich darüber, und behaupteten, dass die Italiänische Musik gewiss nicht im Fallen sei. Besonders bewunderte man, wie leicht und gut die glänzendsten Läufe und Sprünge für die Instrumente gesetzt waren. H i l d e g a r d wollte nur mit halber stimme singen; aber alles fiel ihr so in die Kehle, alles war für den Umfang ihrer stimme, für ihre Art und Weise, so leicht, dass sie aus Lust das Schönste, wie auf einem grossen Teater, sang.
Die Fülle und Pracht des Instrumentenspiels hob manche Melodie ganz anders hervor, ohne sie zu bedecken, oder zeigte sie in dem Lichte, wo sie am mehrsten Reiz hatte. Alle behaupteten, Neapolitanische Melodie gehe über alles. L o c k m a n n sagte diessmal nichts über den Wert der Musik; so kamen denn Alle mit ihren eignen natürlichen Empfindungen zum Vorschein, und man hörte, wie sehr ihr Geschmack für Harmonie, Melodie und Rhytmus während der kurzen Zeit durch die hohen Muster und den vortreflichen Unterricht sich ausgebildet hatte.
H i l d e g a r d in der Rolle des Achilles, und L o c k m a n n selbst als Ulysses entzückten durch ihren Gesang bis zum jubel. Für die erste probe nahm er nur das Wesentliche. Bei der zweiten aber wollten H i l d e g a r d und ihr Bruder das Werk ganz hören. Nun bemerkte man erst, mit wie viel Gefühl und Kunst es angelegt und ausgeführt war: so blitzten und strahlten die Hauptscenen hervor, und so wich das weniger Bedeutende zurück. Selbst L e o und J o m e l l i , H ä n d e l und G l u c k würden in dieser jungen Pflanzschule mit frohem und vergnügtem Lächeln zugegen gewesen sein.
Den Tag vor dem Konzerte war eine wilde Schweinsjagd, zu Ehren eines durchreisenden Pohlnischen Fürsten, welcher den Prinzen von Wien aus kannte. H i l d e g a r d konnte sich davon nicht lossagen, so gern sie auch gewollt hätte. Auf dieser Jagd gerieten T ö r r i n g und W a l l e r s h e i m in einen bittern Wortwechsel.
Im Konzerte wurden P a s s i o n e i und H i l d e g a r d allgemein bewundert. Der fremde Fürst erstaunte über die seltne Schönheit und hohe Kunst in jeder Rücksicht. Der Prinz zeichnete sich durch richtige und fertige Urteilskraft aus; er setzte den neuen jungen Neapolitaner an Mannigfaltigkeit des Ausdrucks, an Reinheit und Zweckmässigkeit noch über M a j o , und an Schönheit origineller Melodie diesem wohl gleich. Man könne hier, äusserte er, bei keiner Arie sagen, wie G l u c k einmal bei einer sonst meisterhaften von S a l i e r i : puzza di Musica. Das hier und da blühende jugendlich Ueppige bekränze, ziere nur festlich und lebendig, wie frische Morgenblumen eine reizende Gestalt. Kurz, P a s s i o n e i könne die Kunst zu ihrer wahren hohen Vollkommenheit bringen. Zugleich machte der Prinz H i l d e g a r d e n und dem Kapellmeister über Vortrag und Aufführung die angenehmsten Lobsprüche. Wer Musik verstand, und Wert, Gehalt unterscheiden konnte, stimmte damit laut überein; und fügte noch dieses und jenes im besonderen hinzu.
H o h e n t h a l konnte jetzt nicht länger an sich
halten; er nahm L o c k m a n n voll Eifer bei der rechten Hand, zog ihn hervor, und sagte zu der umstehenden Menge: "Es ist nicht erlaubt, dem bescheidnen Meister seinen ihm gebührenden Ruhm länger vorzuentalten. P a s s i o n e i , der junge N e a p o l i t a n e r , das neue strahlenvoll aufgehende Gestirn, ist L o c k m a n n , der D e u t s c h e