meinem Her
zen Stärke und Kühnheit, und nehmt sie ihm
wieder.
Die Melodie zu dieser Arie, aus dem E dur, von Hoboen, Fagotten und Hörnern begleitet, war ganz aus L o c k m a n n s Herzen, Engelsgesang, und konnte neben den schönsten von M a j o stehen. Er selbst sang sie mit so zerschmelzender Zärtlichkeit, dass H i l d e g a r d ihre Gefühle dabei nicht mehr unterdrücken konnte. Ihr Busen wallte auf und nieder; sie musste mehr als einmal tiefen Atem schöpfen. Die Tränen glänzten im himmlischen Licht ihrer Augen, und die Mutter selbst ward tief gerührt. Sie sagte: "Solche Musik, mit solchem Ausdruck vorgetragen, kann von Niemand anderm sein, als von Ihnen selbst."
Die Tochter schwieg; auch L o c k m a n n schwieg, und fuhr dann weiter fort:
"Achilles geht; er will sie bei ihrem Vater in Schutz nehmen, und lässt sie bei dem Nearch."
"Nun in der Poesie noch eine vortrefliche Scene der Deidamia."
Numi clementi
Se puri, se innocenti
Furon gli affetti miei: voi dissipate
Questo nembo crudel. Voi gl'inspiraste:
Protegeteli voi. Se colpa è amore,
Si lo confesso, errai.
Ma grande è la mia scusa:
Achille amai.
Chi può dir, che rea son io,
Guardi in volto all' idol mio:
E le scuse del mio core
Da quel volto intendera.
Da quel volto, in cui ripose
Fausto il ciel, benigno Amore
Tante cifre luminose
Di valore e di beltà.
Gütige Götter, wenn meine Neigungen rein und un
schuldig waren: so zerstreut dieses grausame Unge
witter! Ihr gabt sie mir: nun beschützt sie auch.
Wenn Liebe ein Verbrechen ist: so bekenn' ich, ich
habe gesündigt. Aber gross ist meine Entschuldi
gung: ich liebte den Achilles.
Wer sagen kann, dass ich strafbar bin, sehe meinem
Geliebten ins Gesicht: und wird die Entschuldi
gung meines Herzens aus diesem gesicht verneh
men.
Aus diesem Gesicht, in welches der günstige Him
mel, die wohltätige Liebe, so viel glänzende Züge
von Tapferkeit und Schönheit legten.
Das Ganze war ein Muster der rührendsten musikalischen Elegie, aus dem A moll. "Der Vater ist natürlich bald zufrieden gestellt. Selbst der Prinz, ihr bestimmter Bräutigam, unterstützt beide; so dass Lykomedes endlich ausruft:
(a Licomede.) L'esser padre a tal figlio è gran mer
cede. – –
– – Gl' illustri sposi unisca
Il bramato da lor laccio tenace;
E la gloria e l'amor tornino in pace."
Der Vater eines solchen Sohns zu sein ist eine
grosse Belohnung. – – –
Die erhabnen Verlobten vereinige das von ihnen
gewünschte feste Band; und Ruhm und Liebe
mögen wieder friedlich beisammen wohnen.
"Das Ganze schliesst ein feierlicher Chor."
"Teagenes, Lykomedes und Nearch haben in der Poesie schöne Scenen und Arien; sie dienen aber meistens nur zur Verzierung und Ausfüllung des Ganzen."
"Ulysses hat, ausser dem Angeführten, noch einiges Vortrefliche, das ins Wesentliche eingreift; als in der ersten Scene des dritten Akts, wo Achilles ganz als grosser Held erscheint, und Ulysses ausruft:
Oh sensi! oh voci! oh pentimento! oh ardori
Degni d' Achille! e si volea di tanto
Fraudar la terra? e si speró di Sciro
Nell' angusto recinto
Celar furto si grande! Oh troppa ingiusta,
Troppa timida madre! E non previde,
Che a celar tanto fuoco
Ogni arte è vana, ogni ritegno è poco?
Del terreno nel concavo seno
Vasto incendio se bolle ristretto,
A dispetto del carcere indegno
Con piùsdegno gran strada sifa.
Fugge allora; ma, intanto che fugge,
Crolla, abbatte, sovverte, distrugge
Piani, monti, foreste, e città."
O Gefühl! o Worte! o Reue! o Glut! würdig des
Achilles. Und um so vieles wollte man die Erde be
trügen? und man hofte, in dem engen Bezirk von
Skyros einen so grossen Raub zu verbergen!
O allzuungerechte, allzufurchtsame Mutter! Und
sah sie nicht voraus, dass ein so grosses Feuer zu
verbergen, jede Kunst eitel, jede Rückhaltung zu
wenig ist?
Wenn im hohlen Schooss der Erde eine ungeheure
mit grössrer Wut aus dem unwürdigen Kerker in
weiter Oefnung.
Sie flieht dann; aber indess sie flieht, erschüttert sie,
wirft nieder, kehrt um, zerstört Ebnen, Berge, Wäl
der und Städte.
Alles war im Charakter des Ulysses, und doch mit hoher lyrischer Begeisterung vorgetragen; und im zweiten teil der Arie ein meisterhafter doppelter Kontrapunkt.
"Deidamia," fuhr L o c k m a n n fort, "hat noch erhabne lyrische Stellen; besonders die dritte Scene im dritten Akt, wo sie den Achilles mit der feurigsten Beredtsamkeit der höchsten leidenschaft zurückzuhalten, strebt. Aber sie ist hier zu sehr nach T a s s o ' s Armida kopirt. Welche Worte zum Beispiel für die zarte jungfräuliche Seele:
– – Parti; ma prima
Quel glorioso acciaro
Immergi in questo sen. L' opra pietosa
Giova ad entrambi. Ad avvezzarti, Achille,
Tu cominci alle stragi; io fuggo almeno
Un più lungo morir. Tu lieto vai
Senza aver, chi t' arresti – – –
Ah perfido! ah spergiuro!
Barbaro! Traditor! Parti