, es sei nicht wahr! Erwach endlich; verbessre
den schweren Irrtum. Erdulde nicht länger, dass
Dich einer in dieser Kleidung betrachtet. Ach,
wenn Du sähest, welch ein Gegenstand des Ge
lächters ein Krieger mit diesen Zierraten ist! In
diesem Schilde kannst Du es sehen. Betrachte
Dich Achilles! (Er nimmt ihm den Schild ab.) Sage
mir, erkennst Du Dich? (Er hält ihm den Schild
vor).
A c h i l l . O schimpfliche, o unwürdige Hindernis
se der Tapferkeit, wie hab ich euch bis jetzt er
tragen können! Führe mich, Ulysses, die Rü
stung anzulegen! lass mich nicht länger in diesen
Banden leiden!
U l y s s e s . Folge mir. (Ich habe gesiegt!)
"Neunte Scene. Nearch kommt herbei."
Nearco. Pirra, Pirra, ove corri?
Achille. Anima vile,
Quel vergognoso nome
Più non t' esca da' labbiri! i miei rossori
Non farmi rammentar! (partendo)
Nearco. Senti! tu parti?
E la tua Principessa?
Achille. A lei dirai –
Ulisse. Achille, andiam.
Achille. Dille, che si consoli;
Dille, che m' ami; e dille
Che parti fido Achille,
Che fido tornerà.
Che a suoi begli occhi soli
Vuo' che il mio cor si stempre,
Che l' Idol mio fu sempre,
Che l' Idol mio sarà.
N e a r c h . Pyrrha, Pyrrha, wo läufst Du hin?
A c h i l l . Niedrige Seele, dieser schimpfliche
Name gehe nicht mehr über Deine Lippen. Erin
nere mich nicht wieder an das, worüber ich errö
te! (im Fortgehen.)
N e a r c h . Höre! Du verlässt uns? und Deine Ge
liebte?
A c h i l l . Du wirst ihr sagen –
U l y s s e s . Achill, lass uns gehen!
N e a r c h . Was kann ich ihr sagen ...?
A c h i l l . Sag ihr, sie solle sich trösten; sag ihr, sie
solle mich lieben; sag ihr, Achilles verlasse sie
getreu, er komme getreu zurück.
Sag ihr, dass mein Herz an ihren schönen Augen
allein sich erweichen soll, dass sie immer mein
Abgott war, immer mein Abgott sein wird.
Edle Zärtlichkeit mit heroischer Harmonie vereinigt schwellten H i l d e g a r d s Brust. Sie sang die Arie zweimal, und fing sie aus Lust zum drittenmal wieder an. Der Rhytmus war heftig nach der natur: kein Wort in der Melodie mehr wiederhohlt, als in der Poesie; alles lauter schnelle Blitze dankbarer süsser Gefühle.
"Sie eilen fort. Deidamia erhält durch den Nearch die entsetzliche Nachricht."
"Im d r i t t e n A k t
tritt Achilles in strahlender Rüstung mit dem Ulysses auf, um an Bord zu gehen. Deidamia eilt herbei, und sucht ihn aufzuhalten. Nun beginnt der grösste Kampf zwischen Ruhm und Liebe."
"Achilles sagt endlich:
A compiacerti – (a Deidamia) (o stelle!)
E debolezza; a seguitarti (ad Ulisse) (oh Numi!)
E crudeltà. Si, ma la gloria esige – –
No, l'amor mio non soffre – oh gloria! oh
amore!"
In Dein Verlangen einzuwilligen (zur Deidamia) (o
Himmel!) ist Schwachheit; Dir zu folgen (zum
Ulysses) (o Götter!) ist Grausamkeit. Ja, aber der
Ruhm erfordert – – Nein, meine Liebe duldet
nicht – – – O Ruhm! O Liebe!
Die Musik dazu war reiner Seelenklang, abwechselnd nach den gewaltigen Bewegungen im Herzen.
"Deidamia sinkt in Ohnmacht. Ulysses kann ihn nicht mehr losreissen.
Eh! tu pretendi
Prove di crudeltà, non di valore.
Scostati, Ulisse!"
Ha! Du verlangst Proben von Grausamkeit, nicht
von Mut. Ulysses, weg von meiner Seite!
"Dieser muss nun Gewalt brauchen. Er geht, und entdeckt die ganze geschichte dem Vater." "Deidamia kommt wieder zu sich. Nearch sagt ihr dessen Vorhaben; sie ruft:
Misera! oh Dei
Che fia di me! Se m' abbandoni, Achille,
A chi ricorrerò?
Achille. Ch'io t'abbandoni
In periglio si grande! ah no: sarebbe
Fra le imprese d'Achille
La prima una viltà. Vivi sicura;
Lascia pur di tua sorte a me la cura.
Tornate sereni
Begli astri d'amore!
La speme baleni
Fra il vostro dolore;
Se mesti girate,
Mi fate morir.
Oh Dio! lo sapete,
Voi soli al mio core
Voi date e togliete
La forza e l' ardir."
Ich Unglückliche! o ihr Götter, was soll aus mir
werden! Wenn mich Achilles verlässt, zu wem
soll ich meine Zuflucht nehmen?
A c h i l l e s . Ich Dich in so grosser Gefahr verlas
sen! Ha nein! unter den Taten des Achilles
würde die erste eine Niederträchtigkeit sein. Sei
sicher! und überlass mir die sorge für Dein
Schicksal.
Werdet wieder heiter schöne Gestirne der Liebe!
Die hoffnung blitze unter euerm Schmerz. Wenn
ihr traurig blickt, so tödtet ihr mich.
O Gott! Ihr wisst es, ihr allein gebt