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dem Ganzen Fülle und Abwechselung zu geben, lässt der Dichter noch vorher den Prinzen Teagenes, welchem Lykomedes seine Tochter zur Gattin bestimmt hatte, auf einer andern Seite der Insel landen."

"Nearch kündigt diess dem Achill gleich in der dritten Scene an, um seine Liebe noch mehr zu entflammen; und dieser drückt sein Gefühl darüber in folgender Arie aus:

Involarmi il mio tesoro!

Ah, dov' è quest alma ardita?

A da togliermi la vita.

Chi voul togliermi il mio Ben.

M' avvilisci in queste spoglie

Il poter di due pupille;

Ma lo so, ch'io sono Achille,

E mi sento Achille in sen."

Mir mein Kleinod rauben? Ha, wo ist diese kühne

Seele? Der muss mir das Leben rauben, der mir die

Geliebte nehmen will.

Die Macht zweier Augen erniedrigt mich in diese

Kleidung. Aber ich weiss, dass ich Achilles bin, und

fühle mich Achilles in der Brust.

H i l d e g a r d sang sie gleich voll Feuer. In der Melodie blitzten und strahlten die ersten schönen Charakterzüge des Helden.

Deidamia fertigt dann den Prinzen bald ab, in einer Arie, wozu L o c k m a n n Melodie und Begleitung in die Seele und Kehle seiner H i l d e g a r d ausempfunden hatte.

Del sen gli ardori

Nessun mi vanti;

Non soffro amori,

Non voglio amanti;

Troppo mi è cara

La libertà.

Niemand sage mir zärtlich vor seine Flamme im

Busen. Ich dulde die Liebe nicht, will keine Lieb

haber; die Freiheit ist mir allzuteuer.

Herbe Jungfräulichkeit und Dianenwesen, obgleich verstellt, herrschte darin durch und durch. Sie merkte es, und musste darüber lächeln.

"Alles dient bloss zum Vorspiel im ersten Akt," fuhr L o c k m a n n fort; "doch ist es Lust zu sehen, was Deidamia und Nearch zu tun haben, den Achill einigermaassen in die gehörigen Schranken zu bändigen. Ulysses hat dagegen zu leichte Arbeit."

"Der Kern vom Ganzen ist die siebente, achte und neunte Scene des zweiten Akts; sie gehören unter das Schönste der Italiänischen Oper."

"In der siebenten gibt Lykomedes dem Ulysses bei Nacht ein Gastmal, in einem prächtigen, herrlich erleuchteten saal."

"So bald sie an der Tafel sitzen, fängt die Musik an, und der Chor beginnt nach einer festlichen Einleitung von Instrumenten:"

Lungi, lungi fuggite, fuggite

Cure ingrate, molesti pensieri!

No, non lice del giorno felice

Che un istante si venga a turbar.

Dolci affetti, diletti sinceri

Porga amore, ministri la pace;

E da' moti di gioia verace

Lieta ogni alma si senta agitar.

Lungi, lungi fuggite, fuggite

Cure ingrate, molesti pensieri!

No, non lice del giorno felice

Ch'un istante si venga a turbar.

Fliehet, fliehet weit weit unangenehme Sorgen, be

schwerliche Gedanken! Nein, es ist nicht erlaubt,

einen Augenblick des glücklichen Tages zu stören.

Süsse Gefälligkeiten, lautere Vergnügen erzeige die

Liebe, bringe der Friede dar; und von den Gefühlen

einer wahrhaften Freude sei jede Seele froh durch

drungen.

Fliehet, fliehet weit weit unangenehme Sorgen,

u.s.f.

"Achill, als Pyrrha, steht hinter seiner geliebten Deidamia, und bedient sie. Die Scene ist von dem Dichter mit seltner Grazie behandelt; und die Rolle des verkleideten jungen Helden, des grössten unter allen Homerischen, gestattet das erfreulichste Teaterspiel."

"L y k o m e d e s fragt bald:

Quando da' Greci lidi i vostri legni

L'ancora scioglieranno

Ulisse. Al mio ritorno; altro non manca

Ch'il soccorso di Sciro.

Licomede. O qual mi toglie

Spettacolo sublime

La mia canuta étà!

Ulisse. (Non si trascuri

L'opportuno momento!)

E di te degna,

Gran Re, la brama."

L y k o m e d . Wann werden Eure Schiffe von den

Griechischen Ufern die Anker lichten?

U l y ss . Bei meiner Zurückkunft; nur der Beistand

von Skyros fehlt noch.

L y k o m e d . O, welch ein erhabnes Schauspiel

raubt mir das graue Alter!

U l y ss . (Der günstige Augenblick werde nicht ver

säumt!) Das Verlangen, grosser König, ist Deiner

würdig.

"Hier fängt die Begleitung von kriegerischen Instrumenten an, und schwillt nach und nach immer höher." – L o c k m a n n sang, und schlug mächtig die Fülle heroischer Accorde mit den ergreifendsten Uebergängen.

"Ove mirar più mai

Tant' armi, tanti Duci,

Tante squadre guerriere,

Tende, navi, cavalli, aste, e bandiere?

Tutta Europa v'accorre. Omai son vuote

Le selve, e le città. Da padri istessi

Da vecchi padri invidiata, e spinta

La gioventù proterva

Corre all' armi fremendo. –

– – Chi d'onore

Sente stimoli in sen, chi sa, che sia

Desío di gloria, or non rimane."

Wo könnte man je so viel Zurüstungen, so viel

Heerführer sehen, Zelte, Schiffe, Rosse, Lanzen,

Fahnen!

Ganz Europa läuft herbei; die Wälder, die Städte

beneidet und fortgetrieben, eilt die wilde Jugend to

bend zu den Waffen. – –

Wer in der Brust den Stachel der Ehre fühlt, wer

weiss