"Achilles in weiblicher Kleidung muss noch die Sopranstimme haben; sonst würde alle Täuschung verloren gehen. Die Rolle desselben kann bei uns in Deutschland nur eine Sängerin machen, deren Gestalt und Charakter dafür passt."
"Das Wesentliche ist: erste leidenschaft der Liebe, und heroisches Wesen, das sich bei dem Anblick der kriegerischen Gegenstände nicht mehr verbergen lässt; kurz: Kampf zwischen Ruhm und Liebe in dem Herzen eines jungen Helden. Ein Lieblingstema der Italiäner. Ich selbst habe eine junge Dame in Florenz, F a n t a s t i c i , über dieses Tema eine Menge vortreflicher Strophen, einige voll des höchsten lyrischen Feuers, improvisiren hören, und mit Lust ihren Gesang auf dem Fortepiano begleitet."
"Ihre Geschmeidigkeit und Kunst, gnädiges fräulein, hab' ich schon in den schwersten Rollen bewundert. Möchten Sie doch diese Melodien würdig finden, mich auch durch sie noch zu bezaubern!"
Er spielte ohne weitere Vorrede sogleich die Symphonie: voll edler Zärtlichkeit im Andante, und voll heroischen Wesens im Allegro, das in einen raschen Kontretanz überging, begleitet von Hörnern, Klarinetten. Flöten, Cymbeln, und Handtrommeln für das festliche Getümmel der Bacchantinnen, die aus dem Tempel ihres Gottes ziehen, und dann mit ihren Tyrsusstäben ein kurzes Ballet unter folgendem Wechselgesange beginnen:
Coro.
Ah, di tue lodi al suono,
Padre Lieo, discendi!
Ah, le nostr' alme accendi
Del sacro tuo furor!
Parte del Coro.
O fonte de' diletti,
O dolce obblio de' mali,
Per te d'esser mortali
Noi ci scordiam talor.
Tutto il Coro.
Ah, le nostr' alme accendi
Del sacro tuo furor!
Parte del Coro.
Per te, se in fredde vene
Pigro ristagna e langue,
Bolle di nuovo il sangue
D' insolito calor.
Tutto il Coro.
Ah le nostr' alme accendi
Del sacro tuo furor.
Parte del Coro.
Chi te raccoglie in seno,
Esser non può fallace;
Fai diventar verace
Un labbro mentitor.
Tutto il Coro.
Ah le nostr' alme accendi
Del sacro tuo furor.
Parte del Coro.
Tu dai corragio al vile,
Rasciughi al mesto i pianti,
Discacci dagli amanti
L'incommodo rossor.
Tutto il Coro.
O fonte de' diletti,
O dolce obblio de' mali,
Accendi i nostri petti
Del sacro tuo furor.
Chor.
Beim Schall deines Lobes, o Vater Bacchus, steige
herab vom Olymp! Entzünd' unsre Seelen mit dei
ner heiligen Wut!
Ein teil des Chors.
O Quelle des Vergnügens, o süsse Vergessenheit
der Sorgen, du erhebst an deinen Festen uns über
Der ganze Chor.
Entzünd' unsre Seelen mit deiner heiligen Wut!
Ein teil des Chors.
Durch dich, wenn in kalten Adern träge das Blut
schleicht und matt wird, wallt es von neuem mit
ungewöhnlicher Wärme.
Der ganze Chor.
Entzünd' unsre Seelen mit deiner heiligen Wut.
Ein teil des Chors.
Wer dich in den Busen aufnimmt kann kein Betrü
ger sein. Durch dich vergisst sich der Lügner, und
redet Wahrheit.
Der ganze Chor.
Entzünd' unsre Seelen mit deiner heiligen Wut.
Ein teil des Chors.
Du giebst dem Feigen Mut, trocknest dem Betrüb
ten die Tränen, verjagst von liebenden Seelen die
beschwerliche Schüchternheit.
Der ganze Chor.
O Quelle des Vergnügens, o süsse Vergessenheit
der Sorgen, entzünd' unsre Seelen mit deiner heili
gegen Wut.
Der Gesang war für zwei Soprane und einen Alt. Die Melodien schmolzen reizend in eine Harmonie, einfach, und abwechselnd voll; die Instrumente flogen jubelnd dazwischen.
H i l d e g a r d ward von der schönen, so ganz Griechischen natur entzückt. Ihr Gesicht glänzte von süsser Empfindung; sie rief einmal über das andre ihm zu: "Vortreflich!" Selbst die Mutter stand dazwischen auf, liess ihre Arbeit, und lauschte. L o c k m a n n war höchst glücklich.
H i l d e g a r d sagte noch: "Der Chor bleibt der Musik eigen, und ist ihr höchster Triumph über die andern Künste; weder die Poesie noch die Mahlerei kann das übereinstimmende Gefühl einer Menge so stark ausdrücken. B e y j e n e r ist das Wort zu willkührlich, als dass viele eben dasselbe treffen sollten; d i e s e hat nur Moment, und zu wenig Dauer. Die Worte der Poesie zeigen sich hier nur wie Wellen im Sturm auf der Tiefe. – Und welch ein treflicher Rhytmus zum Tanze!"
L o c k m a n n fuhr fort: "Die Trompete schmettert plötzlich in der Ferne, unweit des Gestades; sie verkündigt die Ankunft zweier Schiffe, und hemmt Gesang und Tanz." "Deidamia tritt darüber hervor, und sagt zu Achill, der als Pyrrha verkleidet ist: Udisti? Achille. Udii. Deidamia. Chi temerario ardisce Turbar col suon profano Dell' Orgie venerate il rito arcano?" D e i d a m i a . Hast Du gehört? A c h i l l . Ich habe. D e i d a m i a . Welcher Verwegne wagt es, mit fremdem laut den geheimen Gebrauch der heiligen Orgien zu stören? "Und so beginnt reizend das Schauspiel."
"Deidamia flieht. Ulysses landet, sucht den Achill zu entdecken, und findet ihn nach verschiednen Proben in der Pyrrha."
"Um