von seinen Zeichnungen hohlen.
Er brachte bald architektonische und andre; auch eine von einem Englischen Kriegsschiffe mit vollen Segeln in See. Der alte Meister lobte ihn nach Verdienst wegen der Richtigkeit, Schönheit und zweckmässigen Manier, gab ihm gefällig hier und da erspriesslichen Unterricht, und rühmte, ganz frei von Neid und Eifersucht, die Englischen Architekten, nach deren Gebäuden er zwei aufgenommen hatte. Auch L o c k m a n n bewunderte die Fertigkeit des Jünglings. H i l d e g a r d und Frau v o n L u p f e n sagten ihm mit Empfindung angenehme Worte; so dass der Edle errötete, und die Zeichnungen geschwind wegtrug. Zur fernern erfreulichen Unterhaltung kam er mit den Ruinen von Palmyra und Balbeck wieder.
R e i n h o l d hatte in Rom den B o r r a , welcher sie zeichnete, persönlich gekannt, und eben dort den geistreichen gefühlvollen W o o d einigemal gesprochen; bei der Erinnerung an sie machten diese Meisterstücke ihm doppelte Freude.
Nachdem sie bei dem Schönsten sich eine Weile aufgehalten hatten, sagte er: "Nach dem P e r i k l e s ist das erste Jahrhundert die dritte goldne Periode der Baukunst. Die Peterskirche muss an Schönheit und Pracht den zwei Sonnentempeln weichen. sonderbar, dass in dem kleinen Bezirk, von wo die grossen weitverbreiteten Religionen über unsern Erdball ausgingen, die Denkmahle von Verehrung der sichtbaren ungeheuern Lebensquelle, auch in Ruinen, alle anderen Tempel überblenden!"
F e y e r a b e n d bemerkte ferner, indem er die drei hundert und vier und achtzig haushohen Marmorsäulen vom Hof des einen berechnete: "Verehrung der Universalwesen, wovon wir und alle einzelnen Dinge abstammen, ist bei dem sich selbst überlassenen Menschen ganz natürlich. Er hält, wenn nicht übernatürliche Offenbarungen ihn eines Bessern belehren, Sonne und Feuer im April, May und Junius sehr leicht für den allgemeinen elastischen Zeugungsgeist, und die andern Elemente für die reizenden Grazien, mit denen er sich begattet."
Das Gespräch kam nun auf die Z e n o b i a , das in jeder Rücksicht, auch im Genusse der Liebe, ausserordentliche Weib. H o h e n t h a l übersetzte R e i n h o l d e n W o o d s meisterhafte Schilderung von ihr, bis dahin wo sie wieder zum Gewöhnlichen und Niedrigen herabsinkt, und in der Gefangenschaft ihre erhabnen Freunde verrät.
Die geschichte machte auf H i l d e g a r d e n tiefen Eindruck, den sie nicht verbergen konnte. Sie drückte P a l m y r a an ihr Herz, und sagte dabei: "O edle Kunst, Stolz und Zierde des Menschen! du machst uns allgegenwärtig."
Sie und L o c k m a n n mussten dem Alten noch ein paar Duette singen. H i l d e g a r d dankte ihrem Lehrer dann scherzhaft, dass er wenigstens von einigen Provinzen Deutschlands gut gesprochen habe; und so gingen sie aus einander. Unterdessen feierte der Prinz nicht. Er suchte Mittel und Wege, H i l d e g a r d e n allein zu erhaschen; diess war ihm aber bis jetzt noch nicht gelungen, da sie sich so klug und fein vor ihm hütete. Er hatte, um gelegenheit zu finden, schon öfters ihre Mutter und ihren Bruder besucht; durch seinen Kammerdiener L u x , einen durchtriebnen Vogel, aller Schelmstücke voll, ihr Kammermädchen zu gewinnen getrachtet; und dieses, durch Veranstaltung auf einem Spaziergange, wo Lux aus Ehrerbietung sich absonderte, selbst gesprochen: aber alles war vergeblich; F a n n y stand schon in Verbindung, die sie unbestechlich machte. Das viel ältere Kammermädchen der Mutter, S u s a n n a , eine Betschwester und eine Deutsche, schien für seine Absichten unbrauchbar.
Mit W o l f s e c k war nichts auszurichten: das sah er wohl ein. Nun ging sein Plan darauf, sich Zeit und Spielraum zu verschaffen. Er wollte H i l d e g a r d e n , auch wider ihren Willen, nach Wien bringen: in eine grössere Sphäre, wo Zerstreuungen und Verführungen aller Art weit leichter sein würden. Mit dem jungen schönen L o c k m a n n argwohnte er, bald nach seinen ersten Angriffen, ein tieferes Verständniss. Ein so kluges Frauenzimmer, meinte er, das von der natur so reichlich zum höchsten Vergnügen ausgesteuert sei, könne auf dieses unmöglich so ganz Verzicht tun. W a l l e r s h e i m e n hielt er für zu leicht und zu geckenhaft, als dass sie an eine ernstafte Verbindung mit ihm denken sollte; und er hatte bei ihm das Wahre getroffen. Von dem reizenden Kapellmeister getrennt, glaubte er, würde sie wohl zahmer werden. An eine Verheuratung mit T ö r r i n g , um nicht sitzen zu bleiben, dächte sie wahrscheinlich eben so wenig, als an eine mit W o l f s e c k .
Die Hauptstadt von Oestreich war für den jungen H o h e n t h a l gewiss der beste Ort, sich für seine künftige Bestimmung zu bilden. Dagegen konnte nichts eingewendet werden. Die Mutter reiste wenigstens auf ein halbes Jahr mit ihm dahin; wo konnte sie in Deutschland den Winter angenehmer zubringen, besonders da sie in der Residenz des