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der Stelle: Jo già lo sento quel che invita alla tomba orribile di morte atro lamento. Auch hier stürmt die Melodie durch alle Töne desselben (nach der Grundharmonie, auf der Dominante B, in Wirklichkeit aber im Sextquintenaccord auf D der Terz) bis bei lamento in Ges Es."

"G l u c k braucht ihn eben so in der Alceste (Akt II. Scene 6.) bei den Worten: Ah già s'avanza il momento fatale."

"Als Uebergang vom Leiden zum Glück braucht ihn eben dieser Meister zu Anfang des dritten Akts im Orfeo bei den Worten: Fra poco il nostro cielo, il nostro sole il mondo di bel nuovo vedrai; und in der zweiten Scene des vierten Akts der Iphigenia in Tauris, bei der göttlichen Stelle des Orestes: Voilà le terme heureux de mes longues souffrances."

"Er geht in allen seinen Verwechselungen entweder in den Grundton, oder in eine neue Harmonie über: die Septime in die Terz, und die grosse Terz in den Ton."

"Den verschiednen mannigfaltigen Reiz und Ausdruck im Auseinanderbreiten, oder Zusammenziehen dieses Accordes, und in Bestimmung des Tons, welcher die Melodie führen, welcher der Harmonie zur Grundlage dienen; ferner, ob die Dissonanz, welche in allen Umkehrungen dieselbe bleibt, der stimme oder einem der süssesten Instrumente gegeben werden; ob sie verborgen, versteckt, vorüberschlüpfend sein; welcher Ton ausgelassen, welcher verdoppelt werden soll: alles dieses muss der Tonkünstler in seinem Herzen und gutem Gehör fühlen; so wie auch alle Verzierung des Accords."

"Jeder Ton darin ändert sich, nachdem er in verhältnis und Verbindung steht."

"Wenn die grosse Terz, oder die Septime dieses Accords ein Instrument oder eine stimme hat, welche diese Töne gar nicht rührend hervorbringen kann; so geht aller Reiz und Ausdruck verloren. Der vortreflichste Sänger und die vortreflichste Sängerin werden zu Schanden, wenn sie gerade diese wesentlichen Töne nicht natürlich rein und stark nach allen gehörigen Graden in ihrer Kehle haben. So viel kommt darauf an, ob ein Komponist seine Leute kennt! Daher richtet ein verständiger zuweilen durch mittelmässige Personen mehr aus, als ein unverständiger durch die vortreflichsten. Ich habe in Rom gesehen, dass Sänger bei der ersten Oper, von einem andern Meister, fast vom Teater gejagt wurden, welche bei der zweiten, von C i m a r o s a , bezauberten und wie verwandelt schienen."

"Der z w e y t e S e p t i m e n a c c o r d ist der Accord der kleinen Septime mit der kleinen Terz und reinen Quinte. Er kommt am öftesten, dreimal, in der diatonischen Leiter vor: auf der Secunde, grossen Terz und grossen Sexte; diess gibt ihm Mannigfaltigkeit von Uebergang und Regung."

"Sein Ausdruck ist Beharrlichkeit und Festigkeit in der Existenz, dem Leben und dem Vorsatze, worin man sich befindet. Er zeigt so recht die Mühe des Erdenlebens und die Anwendung der Kraft an; doch schwebt darin das entzückende Gefühl der Stärke. Alles ist mit Nerve durchzogen. Er fällt durch die Süssigkeit des vorigen gar leicht wieder in die schöne frische reine Existenz, oder überhaupt den Charakter derselben. Durch die verschiednen Verwechselungen verändert er sich mehr oder weniger, eben so wie der vorige."

"Ein D e m o s t h e n e s , der in der grossen Volksversammlung einen Wetterstrahl herniederdonnert, und dadurch alle Verräter, alle Widersacher, zu Boden wirft und verscheucht; ein H e r k u l e s , der den Anteus mit gewaltigen Armen emporhebt, und in der Luft erdrückt; eine S o p h o n i s b e , die den Giftbecher ergreift, um sich von den Römischen Räubern nicht im Triumph aufführen zu lassen; eine I p h i g e n i a , E l e k t r a , A n t i g o n e , wenn sie ihre schönsten Taten beginnen: das sind die schönen Bilder zu diesem Accord."

"In einer anhaltenden Reihe von Septimengängen, mit Klarinetten, Hörnern, Fagotten und starken Bässen, leuchtet sein Charakter erst recht hervor. Er muss in Scenen, worin Kampf und Ueberwindung vorkommt, herrschen, und mit andern schicklichen abwechseln."

"In J o m e l l i ' s Todtenmesse sind mehrere Muster seines Ausdrucks; als gleich bei requiem aeternam, lux perpetua, rex gloriae, de ore leonis, peccata mundi."

"G l u c k braucht den Secundenaccord davon treflich im Orfeo zu Ende des zweiten Akts, bei den Worten des Chors: Che più diviso sia da te; wo er eine dauernde unzertrennliche Glückseligkeit ausdrückt. Von seinem Ausdruck in einfacher Reinheit ist ein schönes Muster in eben dieses Meisters Iphigénie en Aulide (Akt II. Sc. 5.) bei den Worten: Qu'elle n'a rien à craindre. Und zwei andre herrliche Beispiele seiner Fülle in einem Chore der Iphigénie en Tauride (Akt II. Sc. 6.) bei den Worten: Patrie infortunée, par des noeuds si doux notre ame est encore enchainée; und in der ersten Scene des vierten Akts derselben, bei Iphigeniens Worten: Dans le fond de mon coeur mets la férocité."

"Er macht recht das aus, was man im Kolorit s a f

t i g nennt."

"Der d r