und dieses Nachund Zusammentönen macht den Klang aus."
"Die Quinte, Quarte, Terz und Sext brauchen zu ihrer harmonischen Fülle nur Einen Ton; daraus entsteht der Dreiklang mit seinen Verwechselungen: die keuscheste Vereinigung von Konsonanzen, bei welcher nichts zu viel und nichts zu wenig ist." –
"Der Dreiklang mit der grossen Terz und reinen Quinte, der so genannte h a r t e , ist der Ausdruck von Vollkommenheit, Schönheit, Stärke; welche von so vielerlei Art sein kann, als Wesen in der natur und Kehlen und Instrumente vorhanden sind. Alles kann dadurch ausgedrückt werden, wenn es in Vollkommenheit hat, was es haben soll; sowohl das Angenehmste: Vereinigung, Aussöhnung zweier Liebenden; als das Furchtbarste: der Tod."
"Der Dreiklang mit der kleinen Terz und reinen Quint, der so genannte w e i c h e , drückt geringere Vollkommenheit und Stärke aus; es fehlt zum glücklichen Ganzen etwas, dem weib der Mann, dem mann das Weib: sehnsucht, Zärtlichkeit, Traurigkeit von allerlei Art; eben deswegen aber zuweilen auch tieferes Gefühl, als der harte."
"Der verminderte Dreiklang, wo zur kleinen Terz noch die falsche Quinte hinzukommt, zeigt eine solche Lücke in der Vollkommenheit an, dass alles darauf treibt, sie bald zu ersetzen."
"Der Ausdruck dieser Dreiklänge wird etwas verändert, wenn man die Töne verwechselt, und entweder die Terz oder die Quinte zum Grundton nimmt. Bei der Terz als Grundton, entsteht die Sext; gleichsam eine höhere Stufe, auf welche das Wesen steigt, oder Fluss und Regung; und bei der Quint als Grundton, die Quart und Sext, worin die Existenz, das Leben, auf seine höchste Stufe gebracht wird. Nichts kann in der Musik mehr blitzen und strahlen, als wenn der harte Dreiklang von den Instrumenten eines grossen Orchesters so aus einander gebreitet in der ganzen Fülle und Verdoppelung durch alle Oktaven des Sextquartenaccords in der Luft schwebt. Die Kadenzen werden auf ihm gemacht, damit die stimme, oder die Melodie der Instrumente, aus seinem hohen Leben sich nach und nach, wie ein Adler oder Falk, in weiten Kreisen aus dem Aeter, wieder herablasse; wozu auch das Wort (Kadenz) erfunden ward. Er ist der Accord des Entusiasmus. Wahrscheinlich schrieb R o u s s e a u , als er eben matt und von der Arbeit erschöpft war, in seinem musikalischen Wörterbuche unter andern seichten und falschen Zeilen, auch die: La Fadeur de Sixte-Quart. Welche Pracht und Herrlichkeit, welcher Inbegriff von allen Gefühlen des Ganzen, herrscht nicht darin am Ende der Komposizionen von grossen Meistern!"
"Freilich kann man in dieser Höhe ein Stück weder anfangen noch endigen; und die natur verlangt in der Musik immer Grund und Boden, sowohl beim Anfang als am Ende."
"Das Wort A c c o r d hat nach und nach einen weitläuftigen Sinn bekommen. Vorher verstand man darunter den Zusammenklang von vier Konsonanzen, oder von mehrern bei der Verdoppelung einiger von denselben; jetzt bedeutet es den Zusammenklang von vier oder mehrern T ö n e n ü b e r h a u p t , sie mögen Konsonanzen oder Dissonanzen unter sich sein."
"Die vier Hauptaccorde, nächst den Accorden der
Dreiklänge, sind v i e r S e p t i m e n a c c o r d e , von denen jeder mit vier Tönen in der diatonischen Tonleiter liegt. Sie machen in ihren unendlich mannigfaltigen Umkehrungen, Verwechselungen und Vorhaltungen gleichsam fast alle übrigen Elemente der musikalischen Welt aus."
"Der e r s t e ist der Accord der k l e i n e n S e p
t i m e mit dem harten Dreiklang der Dominante, oder Quinte des Grundtons. Er kommt in der diatonischen Leiter nur Einmal vor, ist der erste Matador, und entscheidet. Aus seinen Verwechselungen entstehen, so wie aus den Verwechselungen aller Septimenaccorde, der Quintsext-, der Terzquartsext-, und der SecundAccord; je nachdem die Terz, die Quinte, oder Septime in der Tiefe liegen."
"Sein Ausdruck ist das Zeugen und Werden des
Dreiklangs, und alles dessen, was dieser für Leben, Geist und Gehalt hat."
"Wenn er nicht der Accord der Quinte des Grund
tons vom Ganzen ist: so ist er der Accord der Dominante einer neuen Existenz, wohin die vorige übergeht."
"Am schönsten klingt er, wenn die grosse Terz, la
note sensible, oben schwebt; schmachtende Lippen am vollen Becher der Lust, Berührung des heiss verlangten Zieles. Im Allgemeinen ist er Uebergang in irgend eine Existenz, sie sei höchst glücklich, oder höchst schrecklich."
"Eins der vortreflichsten Muster vom Ausdruck des Schrecklichen findet man in der Sophonisbe von T r a e t t a , (Akt III. Sc. 10.) bei den Worten: Ah, non credei, che si terribil fosse l'aspetto della morte. Die ganze Melodie bewegt sich, in Mark und Bein dringend, durch alle Töne desselben auf der Dominante G, hält am meisten in der Note sensible, und stürzt sich bei Morte fürchterlich in die grosse Terz des harten Dreiklangs von C."
"Eben so vortreflich, und noch tragischer, braucht diesen Accord S a r t i in der göttlichen Scene, wo Giulio Sabino von seinen zarten Kindern und seiner geliebten Gattin Abschied nimmt; bei