zarter schlanker blühender Spross im höchsten Gipfel."
"Noch mehr kann man diess von dem Rondo sagen: In qual barbaro momento io ti do l'estremo addio! mit dem Recitativ und dem Marsch vorher D'una vita, infelice ecco l'infausto fine13."
"Rechte Muster von schönen Darstellungen tiefer tragischer Gefühle! S a r t i hat sich dadurch zu den ersten Meistern der Kunst hinaufgeschwungen. Auch mag ihn P a c c h i a r o t t i ' s Vortrag nicht wenig begeistert haben."
"Wieder ein reizender enharmonischer gang von As dur in E dur, durch einen blossen Nachschlag der kleinen Terz, bei Costanza, anima mia! pochi momenti restano al tuo penar14."
"Bei der Stelle: Un passagio è la morte, ah, non l'oscuri un ombra di timor!15 sieht man mit Lust, wie die Musik, in der vollkommensten Kunst des Helldunkels, sich sogleich nach dem Sinn ändert."
"Herrlich geht das Rondo in ein Duett aus: Ah, si compia il fato rio!16"
H i l d e g a r d musste selbst gestehen, dass vortrefliche Italiänische Musik, von vortreflichen Neapolitanischen, Römischen und Venezianischen Stimmen vorgetragen, einen Reiz und Zauber, eine Süssigkeit, einen Flug, und ein Feuer habe, wodurch sie mehr als jede andre Herz und Ohr unaussprechlich entzücke. "Man muss diesem sinnlichen schwärmerischen volk die Gerechtigkeit widerfahren lassen, dass es in der Musik – Erfindung und Ausführung zusammengenommen – oben an steht!" So endigten sie fast mit Einem mund.
Alsdann sprachen sie von andern Dingen; und L o c k m a n n blickte dabei H i l d e g a r d e n oft verstohlen zärtlich an. Eine Weile hernach, gegen Sonnenuntergang, gesellte sich der junge H o h e n t h a l zu ihnen.
H i l d e g a r d e n selbst verlangte, wieder mit ihrem Liebling allein zu sein; doch war sie nach der letzten Scene in ihrem Zimmer schüchtern: ihr Verstand hatte einen geheimen Kampf mit ihrer Empfindung, ihrem Gefühl; eben desswegen war sie unentschieden, und nahm keine andre Massregel.
Als Mutter und Tochter sich noch etwas umgekleidet hatten, gingen sie zusammen in das Schloss, wo L o c k m a n n sich von ihnen trennen, und traurig die himmlische Schönheit der Gesellschaft überlassen musste.
Den folgenden Morgen, bei heiterm blauen Himmel und warmen Sonnenschein, begegneten H i l d e g a r d und ihr Bruder auf einem kurzen Spaziergange in dem angenehmsten Schatten des Schlossgartens L o c k m a n n e n und dem alten guten R e i n h o l d . Die Freude über die Zusammenkunft glänzte in aller Augen, lächelte auf ihren Lippen, und äusserte sich in gefälligem Scherz und Mutwillen.
Sie gingen so unter allerlei Gespräch länger als eine Stunde auf und ab, und kamen endlich von der Baukunst in allen Weltteilen – der Vögel, der wilden Tiere, der Biber und Menschen – wie immer wo H i l d e g a r d und L o c k m a n n waren, auf die Musik. Man erinnerte sich noch lebhaft an den Streit, welchen der Baumeister mit dem letzteren angefangen hatte. Das Wesentliche desselben ward wiederhohlt. Der Alte ergriff den jungen Künstler bei der Hand, und sagte: "Mein Sohn, noch immer hast Du Dein Versprechen nicht erfüllt; Du wolltest mir ja zeigen, wie grosse Meister dieselbe leidenschaft, dieselbe Empfindung mit denselben Tönen ausdrücken, und zwar aus natürlichem Gefühl, ohne dass einer es dem andern nachmacht."
L o c k m a n n erwiderte: "Ich werde nichts schuldig bleiben, und getraue mir, mein Versprechen noch heute zu erfüllen."
H i l d e g a r d fasste ihn gleich beim Wort, und sagte, mit einem blick auf ihre Uhr: "Wir haben noch zwei Stunden bis zu Tische; die Zeit wäre jetzt so recht heiter dazu. Begleiten Sie uns nach haus, und sein Sie unsre Gäste, wenn Sie nichts Wichtigeres zu tun haben und nicht schon versprochen sind."
Mit Freuden nahmen beide die Einladung an, und man machte sich nun sogleich auf den Weg.
L o c k m a n n fuhr fort: "Wir haben schon so viel Musik durchgegangen, dass es keiner andern dazu bedarf."
"eigentlich aber sind nur ein gutes Fortepiano, die stimme einer H i l d e g a r d , ein reines wohlgebildetes Gehör, und ein fühlendes Herz dazu nötig, um die an und für sich wesentlich verschiednen Charakter der Accorde zu erkennen. Die Ausbildung derselben zum wirklichen Leben richtet sich freilich nach den Worten und Personen, wie alles Einzelne in der natur nach Ort und Umständen. Die Eiche bleibt aber immer Eiche, sie mag hundert Fuss hoch sein, oder nur so eben aus dem Kern hervorsprossen; die Zeder bleibt Zeder, sie mag auf den Höhen des Libanon den Stürmen Trotz bieten, oder in einem Englischen Garten zur Verzierung angepflanzt sein. Die Bildung des Menschen richtet sich nach jedem Klima; doch überall ist er der Herr der Schöpfung."
"Die Töne bestehen aus einem so zarten Elemente, dass sie sich geschmeidig nach der Verschiedenheit aller Kehlen und Instrumente, und überhaupt der Materie, durch die