Oper heisst Giulio Sabino; die Musik ist von S a r t i . Er selbst führte sie zu Venedig, während des Karnevals von 1781, im Teater S. Benedetto vortreflich auf. P a c c h i a r o t t i war Giulio Sabino, und die P o z z i machte die Epponina, dessen Gattin."
"Der Stoff aus der geschichte ist anziehender als gewöhnlich, und uns viel näher, als die Griechischen und Römischen Helden. J u l i u s S a b i n u s wurde für einen Enkel des J u l i u s C ä s a r gehalten, der mit dessen Aeltermutter, einer Gallierin, vertrauten Umgang gehabt hatte. Die Poesie ist treflich für eine Oper eingerichtet, und hat die ergreifendsten Situazionen; die Worte der Arien sind aber weit fleissiger bearbeitet, als das Andre."
"Bei der Aufführung war immer, ungewöhnlicher Weise, alles so gänzlich still, dass auch der leiseste Ton nicht verloren ging. Ich habe dabei süsse Tränen weinen sehen, und oft in Entzückung, mit gleichen Gefühlen, ausrufen hören: O caro! o cara! o cari! Ein Nobile, der einen geheimen Groll gegen P a c c h i a r o t t i haben mochte, räusperte sich anfangs einigemal; aber die Volksstimme gebot ihm bald Stillschweigen: Non ha il senso comune."
"T a c i t u s berührt die geschichte des Julius Sabinus, und erzählt, dass er, nachdem er von den Römern abgefallen war, und eine Schlacht verloren hatte, sein Schloss anzündete, aussprengen liess, er sei darin verbrannt, und sich neun Jahre lang verbarg, ohne von seinen Freunden verraten zu werden."
"Nach Verlauf dieser Zeit beginnt das Schauspiel."
"Titus verliebt sich, auf seinem Zug gegen die Rebellen, in des Sabinus treue Gattin Epponina; sieht ihn selbst unerkannt, als einen Deutschen Helden, der bei ihm Dienste nehmen will; entdeckt alsdann, wer er ist, und nimmt ihn in seiner unterirdischen wohnung gefangen."
"La tu vedrai, chi sono, non ti parlo invano3; ist die erste Arie des Helden bei der Zusammenkunft mit dem Titus. Sie gehört, mit dem begleiteten Recitativ vorher, unter das klassische Heroische der Musik, und ist Glanz und Mut von jugendlicher Tapferkeit, in Melodie und Harmonie eines Diomedes würdig. Es brennt recht auf das Herz, wenn bei e della tromba il suono, che oggetto è di spavento4, die Trompeten anstatt der Hörner einfallen, und die Bewegung rascher wird. Die Läufe gleichen einem brünstigen Wiehern nach der Schlacht. Beim Anhören zuckte es mir immer in der Faust. Ein göttlicher Gesang! Vortrefliche Begleitung im Recitative zu Balenar il lampo (della spada)5. Der Anfang der Arie ist recht straff und gespannt; dann die Läufe meisterhaft für die stimme. Die Harmonie hält sich fast durchaus in C dur, und besteht meistens in Konsonanzen. Diess erhebt die Seele ungemein."
"Trema il cor, non v'è più speme6. Eine Bravourarie für die P o z z i zur Verzierung. Die Läufe und das lange Halten auf Einem Tone sind blosse Kunst; aber reizende Musik."
"Das Duett für die Epponina und den Sabino: Come partir poss'io; muss man von schönen Kehlen hören. Es ist vollendet in der neuern Zärtlichkeit."
"Cari figli un altro amplesso, dammi, o Sposa, un altro addio, o figli, o Sposa, cari pegni del cor mio, ah non posso, o Dio, lasciarvi, nè celarvi il mio dolor"7! ist eine von den grossen Scenen der neuern Musik. Sie macht auf dem Teater erstaunliche wirkung. Sabinus wird in der unterirdischen wohnung mit seiner ganzen Familie von Titus überrascht, und gefangen genommen. Heldencharakter voll Gefühl herrscht durchaus. Das lange Recitativ mit Begleitung ist ein Meisterstück von Declamazion, Darstellung und Kunst. Venite, o figli, al vostro sen stringete il più misero padre8; die Begleitung bei si, son Sabino9 – Violinen und Bässe in Oktaven und hastigen Absätzen – macht einen vollkommen heroischen Ausdruck. Epponina bittet, zum herrlichen Kontrast, meistens in der Harmonie von verkleinerten Septimen. Göttlich sagt er dazwischen: Il mio sangue avilisci10!
"Gewaltiger tragischer Ausdruck ist in der Stelle: Io già lo sento, quel che invita alla tomba, orribile di morte atro lamento11; worauf die traurigen Töne der Hoboe und des Fagots im Einklang immer fortgehen E intorno errar mi veggo lo stuol funesto delle larve orrende12; schöner enharmonischer, äusserst leichter Uebergang aus Es mol in E dur, durch die Sexte H zu Dis. Addio miei cari figli! vortreflich das cari in der Melodie ausgedrückt durch den fremden halben Ton des, c, h, c c, Sextquintenaccord auf g. Gerad' in solchen Kleinigkeiten liegt das höchst Lebendige der Darstellung bei der Aufführung."
"Göttliche Melodie alsdann in der Arie. Der weite Umfang der melodischen Perioden verstärkt die leidenschaft gewaltig; nè celarvi il mio dolor, ist ein Sprung vom zwei gestrichnen F ins ungestrichne B und G, und in einem Atem das lar ins zweigestrichne G zwei Oktaven hinaufgerissen. Dazu gehören freilich Sänger wie P a c c h i a r o t t i . Wenn man die ganze gesammte Musik als einen Baum betrachten wollte; so stände diese Scene wie ein