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antispastischen Versart gebraucht wurden."

"Und endlich schliesst:

– – – –

der D i s p o n d e i o s , unser Viervier

telakt; in welchem alle Füsse vorkommen können." "Wenn man alle diese Füsse wieder unter sich zusammensetzt, welche erstaunliche Mannigfaltigkeit gegen unsre neuern Reimereien!"

"Hätten wir nur noch die Melodien zu einigen Tänzen der Griechen! besonders der Jonier und Jonierinnen, die in jeder Rücksicht wegen der Gelenkigkeit ihrer Körper berühmt waren."

"Wer den Charakter dieser Füsse nicht in den Schauspielen des S o p h o k l e s , E u r i p i d e s und A r i s t o p h a n e s , oder den Oden des P i n d a r studiren kann, muss ihn mit seinem eignen Gefühl für sich zu fassen suchen. Dass der J a m b ∪ – eine andre Art von Bewegung ausdrückt, als der T r o c h a i o s – ∪, wird auch einem Ungebildeten auffallen; und so der A n a p a i s t o s ∪ ∪ – gegen den D a k t y l o s – ∪ ∪; und so der v i e r t e P a i o n ∪ ∪ ∪ – gegen den e r s t e n – ∪ ∪ ∪; so der C h o r i a m b o s – ∪ ∪ – gegen den A n t i s p a s t i k o s ∪ – – ∪; und so der J o n i e r ∪ ∪ – – gegen die J o n i e r i n – – ∪ ∪."

"Wie ein P r a x i t e l e s die Formen, ein A p e l l e s die Formen und Farben in der natur nachbildet und zur höchsten Schönheit bringt: so lauert ein G l u c k auf Töne und Bewegungen, auf deren Langsamkeit, Geschwindigkeit, Schwierigkeit, und Hindernisse, Verwickelungen, Verflechtungen, leichte Schwalbenwendungen, hohe Adlerflüge, und die Stösse des Falken, der seine Beute fängt. Er hat von Kindheit an seine Lust am Spiel und den Balgereien der Knaben, an dem zarten Gange und dem Freudentanz der Jungfrau, an dem leichten Laufe des Jünglings, und dem kühnen unaufhaltbaren Tritt der Männer zum Kampf und zur Schlacht. Sein Entzücken ist das Säuseln der Weste in heiligen Haynen, der Orkan, der auf Wasserkolossen im Meere reitet, und die gebrochne Woge, die wieder zur Ruhe wallt."

"Aus seiner Phantasie und seinem Herzen schöpft er alsdann, wie ein Gott, das Spiel der zwei und dreieinem H a n n i b a l und C ä s a r , die F a u s t i n e n und G a b r i e l i , die F a r i n e l l i und P a c c h i a r o t t i , die L o l l i , K r a m e r , L e b r ü n und P u n t o in Schlachtordnung: ein Z e v s , allgegenwärtig bei dem furchtbaren Gewitter; und der Donner rollt erschütternd mit vollem warmen Sommerregen über die schmachtenden Saaten seiner Welt."

"Unsre heutige Musik hat einen unendlich grösseren Reichtum an Sylben zu ihren Takten, als die Griechische Sprache; und diese selbst wäre für ihren lustigen Genius nicht gelenk genug."

"In unserm Viervierteltakt zum Beispiel sind doppelte Längen: Viertel, Achtel; und doppelte Kürzen: Sechzehnteile, Zwei- und Dreissigteile. Die letzteren sind bei mässiger Bewegung schon wahrer Flug gegen den Atalantalauf des Griechischen Prokeleusmatikos. Auch keuchen, stöhnen und hinken die terrestrischen Nordischen Sprachen dem luftigen Wesen oft erbärmlich nach. Wie muss sich Achilles zum Beispiel plagen, die Worte, selbst der Französischen, die im gewöhnlichen Leben so geschmeidig ist, Calcas d'un trait mortel percé, mit dem flammenden Strahl der Gluckischen Melodie zu gatten ∪– ∪ ∪ ∪ ∪ ∪ –!"

"Man sollte glauben, die Geschwindigkeit wäre übertrieben; aber sie hat wirklich Grund in den Verhältnissen unsers Fünf- oder Sechsoktavensystems. Das tiefste C auf unsern Kontrebässen verhält sich schon gegen das dreigestrichne der Geigen gerade wie Eins zu Zwei und dreissig. Wenn also die Bässe ein Paar Polyphemsschritte tun, laufen oder stiegen vielmehr die Geigen, Flöten und Hoboen, und auch die Stimmen der M a r c h e s i und T o d i , ganz natürlich deren zwei und dreissig."

"Wir können, besonders in der Instrumentalmusik, aus ganzen und halben Schlägen, Vierteln, Achteln, Sechzehnteilen und Zwei- und Dreissigteilen eine solche Menge verschiedner Füsse oder Takte zusammensetzen, dass die zwei Dutzend Griechischen weit zurückbleiben müssen. Man sollte sie wohl einmal zählen und ordnen, und die verschiednen schönsten Formen nach vortreflichen Mustern in Klassen bringen. Bis jetzt sind sie bloss dem Instinkt überlassen worden. Die Kunst der Musik erhebt sich schon dadurch allein über den Ausdruck der Sprachen in allem, was Bewegung, Leben und leidenschaft betrift; und kann in der Folge zu einer weit höhern Vollkommenheit gelangen."

"O, wie wünscht' ich," fiel H i l d e g a r d ein, "dass der gute alte R e i n h o l d