Heftigkeit zum Zorn anzufeuern."
"Klytämnestra lässt die Tochter allein, und diese hat darüber eine Scene voll schöner Weiblichkeit."
"Achilles trift sie darauf von ungefähr an, und verwundert sich über ihre Ankunft. Sie empfängt ihn kalt und bitter. Er erstaunt. Die Nachricht der Mutter klärt sich bald als falsch auf. Iphigenia entschuldigt sich voll Zärtlichkeit über seine leidenschaftlichen Vorwürfe; und der seelenvolle Accent ihres schönen Charakters herrscht in ihren Melodien. Sie versöhnen sich dann in einem Duett, wo ihre Liebe in hellern Flammen auflodert; welches den ersten Akt schliesst."
Zweiter Akt.
"Iphigenia drückt in einer schönen Arie ihre Furcht aus, dass Achill wegen der erdichteten Nachricht sich mit ihrem Vater entzweien möchte. Die Mutter kommt dann, und verkündigt, dass die Vermählung sogleich gefeiert werden soll. Achill erscheint mit dem Patroklos; und alles ist voll Freude und jubel darüber in Chören und Tänzen."
"Bei diesem allen ist nichts Ausserordentliches in der Poesie, und folglich auch nicht in der Musik. Es dient zur Ausfüllung des Ganzen. So wie der Mensch nur Ein Herz hat, und Eine Seele, Ein Paar Augen und Einen Mund, u.s.w.: so hat G l u c k auch seine Hauptkraft nur in das Wesentliche gelegt, und es in der höchsten Vortreflichkeit darzustellen gesucht."
"Die Katastrophe beginnt in der vierten Scene, wo Arkas, Agamemnons Getreuer, Iphigenien, dem Achill und der Mutter entdeckt, dass die Tochter des Heerführers Dianen geopfert werden soll, und dass die Vermählung nur ein Vorwand war und ist."
"Erstaunen und Entsetzen darüber. Die Truppen des Achilles wollen eher sterben, als es geschehen lassen. Die Mutter fleht den Helden um Rettung an. Dieser gerät in Wut. Iphigenia sucht beide zu besänftigen. Diess gibt ein Terzett voll leidenschaft, welche sie gegen das Ende, wo Worte nichts mehr sagen und helfen, durch blossen angehaltnen Ton am stärksten von sich strömen."
"Achill verlässt beide mit seinen Worten im Terzett: dévoue à ma rage un inhumain sans foi, o ciel! und sagt in der Scene darauf: Suis moi, Patrocle. Dieser erwiedert: Et que voulez vous faire? voulez vous, n'écoutant qu'un aveugle transport, aussi cruel que les dieux et son père, voulez vous donner la mort? Diese Frage bestürzt ihn; er ruft aus: Qui? moi? und fährt nach kurzer überlegung fort mit den Worten der Arie: Cours, et dis lui, qu'elle n'a rien à craindre, qu'outragé, furieux, mais vaincu par l'amour, quelque soit mon courroux, je saurai me contraindre, et respecter celui qui lui donna le jour; in entzückender Melodie und Harmonie, welche den Charakter des jungen Helden in seiner ganzen Liebenswürdigkeit darstellt. Sie gehört, nebst der Arie, worin Iphigenia von ihm Abschied nimmt, unter das Schönste der Oper. Schade, dass sie so kurze Dauer hat, und nur ein vorüber fliegender Reiz ist. Aber sie sollte ihrer natur nach nichts Anders sein."
"Achilles stösst auf den Agamemnon; sie geraten beide gleich heftig an einander, und werden noch heftiger in einem Duett, alles nach der natur ausgedrückt. Agamemnon will sich nicht drohen und nichts vorschreiben lassen; und Achilles sagt ihm beim Weggehn, dass er ihm erst das Herz durchbohren müsse, bevor er rasend seine Geliebte opfern wolle."
"Die siebente Scene darauf ist das wichtigste Stück des zweiten Akts; Vater und Heerführer wird darin am rührendsten dargestellt. Im Zorn über den Achill will er die Tochter aufopfern, und ruft Soldaten; besinnt sich aber bald anders: o Dieux, que vais-je faire! c'est ta fille, cruel, que tu leur vas livrer! u.s.w. Doch regen sich, bei der stürmischen Abwechselung von Gefühlen, Stolz und Zorn wieder: faut-il sacrifier l'interêt de la Grèce, faut-il d'Achille endurer le mépris? Der Kampf wird stärker; aber endlich siegt die natur. Er stellt sich die grausame Handlung recht lebhaft vor, fühlt schon die Gewissensbisse darüber in ihrer ganzen Schrecklichkeit, und schickt seinen Getreuen ab, Mutter und Tochter sogleich aus dem Lager heimlich fortzubringen. Recitativ und Arie machen ein vollendetes Meisterstück."
"O toi l'objet le plus aimable
que tant de vertus font chérir,
pardonne à ton père coupable
en faveur de son repentir! –
ist Kern und Herz der Oper; und der Rhytmus äusserst sinnlich nach der Situazion."
Dritter Akt.
"Die Griechen halten den Arkas an mit der Iphigenia:
Non, non, nous ne souffrirons pas,
qu'on enlève aux Dieux leur victime;
ils ont ordonné son trépas,
notre fureur est légitime.
Nun folgen die schönen Scenen der jungen Heldin." "Sie bittet den Getreuen des Vaters, nicht länger vergebens sie zu verteidigen." "Achilles kommt dazu, und will sie durch das Geschrei und die Wut des volkes führen. Sie weigert sich, und sagt: ihr Schicksal sei entschieden; die zärtlichste Liebe habe zwar ihr Leben ihm gewidmet gehabt, und es sei ihr desswegen teuer. Aber, Il faut de mon destin subir la loi suprème, ist dann die erste Arie voll heroischen tragischen Seelenklanges, gleichsam Einleitung zu der nach einem kurzen Recitative darauf folgenden, worin sie