abschlachten wollen? sich empören gegen ihren Heerführer, den Vater, und gegen ihren grössten Helden, den Verlobten derselben, weil ihnen zur Abfahrt der Wind ausbleibt?"
"Diese Symphonie kündigt mit erstaunlicher tragischer Majestät erst in der Wehmut der bittersten Dissonanzen, und dann in der grössten Fülle und Stärke von breiten Tonmassen, durch Geigen und Bässe, Hoboen, Flöten, Hörner, Trompeten und Pauken, das Ganze an. Sie ist viel ausgebildeter und leidenschaftlicher, als die vor der Alceste. Der Anfang ist traurig in C moll, neunzehn Takte lang. Darauf kommt C dur in wilder Stärke und der grössten Masse, dreissig Takte nach einander; dann G dur, G moll, A moll mit den kläglichen Accenten der Hoboe dazwischen, bis durch die Tiefen der Harmonie von neuem mächtig C dur herrscht; und so fort G dur, C moll wie anfangs, und endlich noch einmal C dur, und durch G dur44 der Uebergang zu den Worten Agamemnons: Diane impitoyable, gerade wie der Anfang der Ouverture; welches die grosse Masse vortreflich zusammenhält und rundet. Das Arioso geht dann gleich in das Recitativ."
"In der ersten Scene tritt Agamemnon allein auf, und bereut, dass er seine Tochter, unter dem Vorwand, noch vor der Abfahrt der Flotte ihre Vermählung zu feiern, hat kommen lassen, um der Diana geopfert zu werden. Er will nun einen Getreuen absenden, welcher der Mutter und ihr noch vor der Ankunft den Befehl überbringen soll, wieder zurückzukehren, weil Achill in eine Andre verliebt sei; und bittet den Apollo, sein Vorhaben zu begünstigen."
"Die Musik hat durchaus wahren Ausdruck, und edlen tragischen Ton."
"Die zweite Scene aber ist das Meisterstück des ersten Akts. Ein Chor der Griechen kommt mit dem Oberpriester Kalchas, und zwingt diesen, das Orakel zu offenbaren, welches er bis jetzt nur dem Agamemnon und seinem Bruder bekannt gemacht hatte."
"C'est trop faire de résistance; il faut des Dieux irrités nous révéler les volontés, o Calchas, rompez le silence."
"Melodie, Harmonie und Rhytmus drücken in der höchsten Vortreflichkeit den Ungestüm junger rascher Helden aus: es ist eine reizende Behendigkeit darin; die Worte werden meisterhaft wiederhohlt und in die Stimmen verteilt."
"Kalchas muss das Orakel entdecken; doch verschweigt er noch den Namen des Opfers."
"D'une sainte terreur tous mes sens sont saisis," u.s.w.
"Die Musik geht ins hohe Tragische über, und hat an den gehörigen Stellen Schwung des Erhabnen. Die Begleitung der Geigen und Hörner verstärkt den Ausdruck gewaltig. Der Schluss, wo Agamemnon in die Worte des Kalchas einfällt: O divinité redoutable, adoucis tes rigueurs! ist erschütternd."
"Der Chor darauf: Nommez nous la victime, et prompts à l'immoler sur les autels des dieux tout son sang va couler, wird feuriger."
"O Diane sois nous propice, conduis nous au bord Phrigien, que notre fureur s'assouvisse dans le sang du dernier Troyen; beschliesst voll Inbrunst und Eifer. Die verkleinerte Septime macht den Accent der leidenschaft."
"Kalchas verspricht ihnen, dass noch heute das Opfer geschlachtet werden soll."
"In der dritten Scene ist die Arie des Agamemnon: Peuvent-ils ordonner, qu'un père présente à l'autel u.s.w., ein heftiger Ausguss des Vaterherzens, ganz gediegen und rein in Melodie und Harmonie. Die Worte: et si tendre – à cet, ordre inhumain – sind meisterhaft ausgedrückt; und j'entends retentir dans mon sein le cri plaintif de la nature, ist wahre leidenschaftliche Beredtsamkeit: die Hoboe und der Fagott machen mit ihren abwechselnd einfallenden Accenten und Tönen den Ausdruck sehr sinnlich und rührend."
"In der vierten Scene läuft das Volk schon, und jubelt, aus der natur im Fluge dargestellt, über die Ankunft der Mutter und Tochter, zu Agamemnons Entsetzen. Kalchas bringt dabei eine gute Moral an."
"Der Chor darauf: Que d'attraits! que de majesté! que de grace! que de beauté! macht mit dem vorigen einen entzückenden Kontrast, und das rührendste und reizendste Schauspiel. Klytämnestra und Iphigenia erscheinen, und das Ballet beginnt unter dem Gesange. Die Mutter fühlt sich dabei höchst glücklich, lässt ihre Tochter allein unter den Freudenbezeugungen, und eilt zum Gemahl."
"Die Musik zu den Balleten ist für die Komponisten der Französischen Opern sehr beschwerlich; sie macht eine eigne Gattung aus, zerstreut die Aufmerksamkeit auf das Ganze, und muss die Formen streng beobachten. G l u c k s hoher tragischer Genius hat sich ziemlich glücklich durchgeholfen, und es finden sich schöne Melodien voll Rhytmus – unter seinen Tänzen, als z.B. die meisterhaft ausgearbeitete Passecaille im Ballet des zweiten Akts. Er nahm manches dazu aus seinen ältern Werken. Sie sind heitrer Himmel zwischen den Wetterwolken."
"Bei einem Ruhepunkt des Ballets vernimmt man zuerst die stimme der Iphigenia in Accenten voll Grazie zu der natürlichen Empfindung: Les voeux, dont ce peuple m'honore, peuvent-ils flatter mes souhaits! Achille à mes yeux inquiets ne s'offre point encore."
"Die Mutter kommt am Ende desselben wieder, und bringt die verhasste Nachricht, dass Achill in eine Andre verliebt sei, ermuntert Iphigenien zur Standhaftigkeit, und sucht sie in einer Arie voll