Stärker Getränk und speisen auf unsre Zunge und unsren Gaumen, wozu noch das Wohlbehagen der Gesundheit kommt."
"Die allerstärksten Empfindungen aber hat das Gefühl, der Sinn der Liebe."
"Harmonie und Abwechselung unter allen diesen Veränderungen, so viel unsere Komposizion verträgt, desswegen entstand die Schöpfung, das ist die Seligkeit auf dem Erdboden."
"Tat allein, die schöne Folgen hat, macht glücklich."
"Die eigentliche wahre Liebe ist der Drang, mit einer person vom andern Geschlecht ein Kind zu zeugen. Sie dauert ihrer natur nach so lange, bis das Kind geboren ist, und als es den Eltern Freude macht."
"Wenn man unsre Heldengedichte, von den Griechischen an, unsre Schauspiele und Romane liest: so findet man diese leidenschaft fast nie in ihrer Fülle. Alles ist darin gewissermaassen nur Vorspiel dazu, ein leeres Wortgeklingel, welchem Leser und Zuhörer ihr eigenes Gefühl beilegen, das oft nicht darin ist."
"Bei der Liebe des Paris zur Helena, des Aeneas zur Dido, des Rinaldo zur Armida, und in den meisten Schauspielen, kommt von Kindern selbst, und was sich darauf bezöge, wenig vor. Diese leidenschaft, so viel tausendmal sie auch schon dargestellt worden ist, hat also in ihrer Tiefe noch volle und mannigfaltige Neuheit für den Künstler. H o m e r hat jedoch beim Abschied des Hektor von der Andromache, in den wenigen Worten an den kleinen Astyanax, ein Stück davon, ewig göttlich und schön, herausgehoben."
"Alles Andre, was noch den Namen Liebe führt, ist Freundschaft, Geselligkeit, Wollust; welche letzte selbst bei dem höchsten Reiz einer N i n o n von achtzehn Jahren, einer L a i s und P h r y n e , eines A l k i b i a d e s , ein unbedeutendes Spiel ist gegen den göttlichen Ernst und Ungestüm dieser leidenschaft."
"Wenn ein Dichter ein Mädchen der Liebe schildern will, so kommt es also warlich wenig darauf an, ob es einen kleinen Fuss und s.w. hat, sondern ob der Bau ihres Körpers vortreflich ist, gesunde und starke Kinder zu empfangen und zu gebären; ob ihre Lenden gut dazu gewölbt sind; ihre Brüste kräftig und derb, die Kinder zu stillen; ob ihre Augen und Lippen guterzig aussehen, und versprechen, dass sie alles Ungemach der ersten Erziehung zärtlich auf sich nehmen werde; ob sie stark genug ist, die Geburtsschmerzen auszuhalten."
"Nach diesen Regeln, die doch wohl die einzigen wahren sind, prüfe man nun einmal die Schreibereien unsrer Dichter; und man wird sich wundern, wie wenig Ahndung sie von diesen Regeln hatten, die ihnen doch so nahe vor Augen liegen."
R e i n h o l d lächelte; sagte aber, im Begrif fortzugehen, noch guterzig: "Das ist ein reizender Stoff zur Untersuchung für Deine Jahre, lieber Freund. Was mich betrift, so freu' ich mich, dass ich des Tyrannen Amors so ziemlich los bin. Ich wünschte, dass ich eben so früh scharf darüber nachgedacht hätte; in Italien bin ich von ihm in manches gefährliche Labyrint getrieben und gepeitscht worden. Bei keiner leidenschaft ist Verstand und Klugheit mehr nötig, und doch so selten; sie entscheidet, nach unsern Sitten und Gebräuchen, oft über das Glück oder Unglück unsers ganzen Lebens."
L o c k m a n n begleitete den Alten nach haus, um sich in der freien Luft abzukühlen. Dessen letzte Worte machten zwar Eindruck auf ihn, hafteten aber nicht lange, da sie von Sinn und Phantasie bald verdrängt wurden.
Den nächsten Sonntag, der sehr warm und schön gewesen war, ging L o c k m a n n s Zimmer gegen über, ungefähr eine Stunde vor Mitternacht, der beinahe noch volle Mond auf. Er nahm sein gutes Fernrohr, welches er sich gleich nach seiner Ankunft vom Fürsten zu weiterm Gebrauch ausgebeten hatte, ihn dadurch zu betrachten. Ein innrer Zug richtete es dann nach dem Paradiese, und er erblickte auf einmal plötzlich in der lichten Dämmerung von neuem das himmlische Schauspiel, das er so oft vergebens wieder zu sehen getrachtet hatte. H i l d e g a r d legte ihr Gewand ab, (wodurch er sie leicht von ihrem Bruder unterscheiden konnte, den er mehrmals, nur immer des Nachmittags und gegen Abend, dasselbe Spiel hatte treiben sehen); dann stürzte sie sich in ihr Quellenbad, dass die Wellen in goldnem Feuer herumsprudelten. O, wie sein Herz schlug, und alles in ihm nach ihr hin strebte! Er sah zwar, so sehr er auch seinen blick anstrengte und die Gläser vorn und am Ende rein wischte, nur den glänzenden Schein ihrer göttlichen Gestalt; aber seine Einbildungskraft schwelgte an den sich verlierenden Formen, wie an entzückender süsser Wirklichkeit. Sie blieb nicht lange, schwamm und gaukelte nur einigemal herum, trat heraus, und stand da wie Venus in Marmor von P r a x i t e l e s , trocknete sich ab, und verschwand.
"Kein Hinderniss soll dich mehr abhalten! sie ist die einzige für dich in der ganzen natur!" Das war wieder sein fester Vorsatz, und er schlummerte vor Planen und Entwürfen die übrige Nacht nur wenig.
Den Nachmittag darauf fand er abermals die Mutter auf dem Musiksaal mit weiblicher Arbeit beschäftigt; und H i l d e g a r d selbst stickte