Meister im Tragischen lässt sie von Schritt zu Schritt alle Bitterkeit fühlen, dass sie, von Pflicht genötigt, in der Blüte der Jugend und Schönheit aus dem höchsten Wohlleben von ihren zarten Kindern scheiden muss. Die harte Rolle beider Gatten wird für den Zuschauer gleich anfangs durch die Ankündigung der Rettung gemildert; und Herkules erscheint am Ende, als Bezwinger selbst des Todes."
"C a l s a b i g i hat für unsre zeiten und die Oper nur wenig von dem Griechischen Drama beibehalten; doch ist diess Wenige vielleicht schon zu viel. Bei den Griechen bewirkte der Glaube an das Wunder die Täuschung, welche bei uns im Ganzen nicht mehr statt findet; nur einzelne schöne für die Musik sehr ergiebige Scenen können daraus hervorspringen."
"Die Symphonie kündigt eine grosse Begebenheit erhaben und e i g e n an. Sie trägt den Stempel des Gluckischen Genies, und ist warm und heiss von leidenschaft."
"Der Anfang der Handlung ist ein überraschendes Schauspiel mit der Trompete, dem Herold und dem Chor."
"Der Herold hat gleich in einem Recitative von zwanzig Takten sechs volle Takte verkleinerte Septimen, die schon in der Symphonie oft vorkommen."
"Der erste Chor ist vortreflich. Die verkleinerten Septimen werden in ihrer höchsten Bitterkeit angebracht, so wie in den Recitativen dazwischen."
"Der Chor der zweiten Scene: Misero Admeto, povera Alceste! ist noch stärker. Die verkleinerte Septime wird viel häufiger, und macht das Kolorit und den Schatten trauriger und schwärzer."
"Das Recitativ der Alceste ist vortreflich declamirt, und voll Ausdruck. Die Arie darauf: Io non chiedo, mit dem kleinen Duett der Kinder darin, ist ein Meisterstück: mehr Recitativ in Arienform mit abwechselndem Takt und Tempo, als Arie selbst; und etwas Neues ihrer Art. Man fühlt dabei die Kunst für das Ganze."
"Die Recitative der Alceste sind bis hieher ohne alle Begleitung, aber vortreflich declamirt. Derselbe Chor schliesst herrlich verstärkt und verziert."
"Der Marsch der Priester des Apollo ist ein grosses Meisterstück voll Charakter zu heiligen Schleppgewändern, durchaus neu."
"Der Ruf des Hohenpriesters: Dilegua il nero turbine, che freme al trono intorno, mit Fagotten, Hörnern und Posaunen im blossen C dur-Accord, ist erhaben in Melodie und Harmonie; das Blasen drückt wirklich Sturmwind aus."
"Der Chor mit eben den Worten, und weiter fort, steigt immer höher, und die Begleitung ist voll rascher Begeisterung. In der Tat ein grosses Meisterstück, und alles neu. Die Italiänischen Chöre verschwinden gegen diesen."
"Des Oberpriesters Gebet für den König dazwischen: A te nume del giorno, a te del cielo ornamento e splendor, in As dur angefangen, und in Es dur geendigt, ist ganz göttlich."
"Wieder eben derselbe Chor."
"Der Priester kündigt die Ankunft der Königin an."
"Derselbe Marsch."
"Nun Alcestens Gebet: Nume eterno, immortal; in E dur angefangen, voll hohen Reizes."
"Wieder derselbe Chor."
"Nun der Oberpriester: I tuoi prieghi, o Regina, i doni tuoi propizio oltre l'usatto Apollo accoglie. Diess Recitativ, nebst dem Orakel, gehört unter das Erhabenste in dem ganzen Vorrate der Musik, und ich kenne wenig, was ihm gleich käme. Man glaubt in der Tat zu Delphi zu sein: so stark und gewaltig ist die Darstellung."
"Mit dem Chor darauf: Che annunzio funesto! macht es ein feierliches Ganzes; der Chor muss aber gehörig gesungen werden, wenn er die verlangte wirkung hervorbringen soll."
"Das Recitativ der Alceste darauf ist meisterhaft declamirt und begleitet, und die Arie: Ombre, larve, compagne di morte, schön und herzlich."
"Alsdann nach ein paar Recitativen Beschluss des ersten Akts: ein Chor des Volkes."
"Dieser ist in der Tat ganz gediegen, durchaus vortreflich, neu und klassisch; alles voll Kraft und Stärke. Es ist ein erstaunlicher Schritt vom Orfeo zur Alceste."
"D e r z w e y t e A k t
eröffnet sich, nach einem kurzen Vorspiel von Geigen, mit einem unbegleiteten Recitativ zwischen der Ismene und Alceste. Darauf folgt eine kurze passende Arie der Ismene; und dann kommt die herrliche Scene, wo Alceste im wald, allein, sich dem tod widmet. Das Recitativ ist pittoresk mit der Hoboe, dem Fagott und Schalmeien, ganz neu in der Begleitung, und meisterhaft declamirt: Tu tiranno dell' ombre, tu signor dell' abisso, sehr feierlich; und in der nächtlichen Stille das: che chiedi Alceste? schauerlich. Durchaus herrscht der Accord der verkleinerten Septime."
"Die Arie darauf ist ein Meisterstück von Declamazion; nur die Begleitung, obgleich der Rhytmus an und für sich vortreflich, doch zu einfach bei der langen Dauer der immerwährenden Wiederhohlung: sie wird auf die letzt zu trocken, und tut den Ohren weh, obschon die blasenden Instrumente dazwischen einfallen. Ueberdiess hat der Dichter Alcesten hier zu schwach aufgestellt; und der Tonkünstler macht sie durch seinen Ausdruck noch verzagter. Mit Einem Wort: diese Arie ist ein fataler Zug im Charakter der Alceste, der sonst bewundernswürdigen Schwärmerin."
"Der Chor der unterirdischen Gotteiten: E vuoi morire o misera! welche in Einem Tone fort singen, um den sich Geigen und Posaunen winden, und den die Hörner in Oktaven gewaltig verstärken