der Musik gebracht werden."
"Armer M e t a s t a s i o ! du bist, nach dem Ausspruch eines grossen Philosophen, nichts weiter als ein Drillichmacher für die Mahlereien der Tonkünstler!"
"Das Wort Air wird im Französischen nur von der Melodie oder überhaupt der Musik zu einem lied gebraucht, wie kurz vorher R o u s s e a u selbst sagt, und höchstens, wie er hinzufügt, von der Musik und den Worten zusammen; niemals von den Worten allein."
"R o u s s e a u wollte bloss sagen: vorzüglich in den Arien stellt der Komponist Charakter und Gefühl dar."
"Für musikalische Poesie wäre daraus abzunehmen: dass die Worte der Arien das Schönste entalten müssen, weil Arien die Hauptsache in der Musik sind."
H i l d e g a r d erwiderte darauf: "Ich kann solche platte Ungerechtigkeiten nicht leiden. Wer stellt eigentlich die Armiden, die Sophonisben, die Antigonen, die Oreste, die Iphigenien dar: der Tonkünstler oder der Dichter? Ohne den letzteren wüssten wir ja nichts von allen jenen Personen. Sie selbst haben schon gesagt: in dem Schauspiel der Oper treten verschiedne Künste in einen freundschaftlichen Bund, um in ihrer gemeinschaftlichen Darstellung so viel wie möglich der natur gleich zu kommen. Bald tut diese, bald jene, mehr wirkung; aber alle greifen so in einander ein, dass von Oberrang gar nicht die Rede sein sollte, wenn jede leistet, was sie vermag. Am besten wär' es freilich, wenn Dichter und Tonkünstler, wie bei den Griechen, in Einer person vereinigt wären: so in Eins müssen sie in einer guten Oper zusammen stimmen. Ich will Ihre Erklärungen darüber nicht wiederhohlen."
"Welche Wunder würde nicht G l u c k getan haben, wenn er wie ein S o p h o k l e s erzogen worden wäre! Es freut mich, dass der grosse Mann so edel und bescheiden für die Dichter dachte. Welcher wird noch für die unwissenden Tonkünstler etwas arbeiten wollen, wenn sie ein se cerca, se dice, oder ein ne' giorni tuoi felici, so unerträglich eitel herunter setzen?"
Frau v o n L u p f e n fuhr fort: "Jede Kunst hat ihre besonderen Mittel zu wirken; und wo im Mittel schon die weit grössre Kraft liegt, sollte der Künstler bescheiden sein, und nicht sich die grössre wirkung zuschreiben. So behauptet ein S t . G e o r g e im Zweikampf mit dem Degen bei jedem Vernünftigen einen höhern Rang, als ein Konstabler, der seine Kanone ladet, richtet, abbrennt, und eine Mauer über den Haufen wirft, wovon jener nicht einen Stein losstechen würde, wenn er so töricht sein könnte, es zu wollen."
L o c k m a n n erwiderte: "Vortreflich, meine Damen! Ihr schöner Eifer entzückt mich. Die Wörter Z e i c h n u n g , K o l o r i t , und H e l l d u n k e l , womit so viel gespielt wird, dienen nur, wie alle Gleichnisse, die Sache sinnlicher zu machen. Kolorit soll nur 'l e b e n d i g ' anzeigen; und Licht und Schatten 'd a s L e b e n i n d e r N a t u r rund herum.' Dichter und Komponist vermögen diess nur anzudeuten; eine H i l d e g a r d , ein M a r c h e s i , mit einem L e B r ü n , einem V i o t t i u.s.f. stellen es in hohen lyrischen Situazionen eigentlich allein dar, und Dichter und Komponist liefern dazu nur die Materialien."
"Auch die Schauspielkunst, und die Singkunst," sagte H i l d e g a r d , schon an der Treppe im haus zum Musiksaal, "sollen nicht den ersten Rang erhalten, sondern diejenigen, welche die höchste gebildete Stärke, die erhabenste Menschheit haben, und sie zum Nutzen und Vergnügen der Gesellschaft anwenden."
Sie hohlte dann sogleich die Alceste von G l u c k herbei. L o c k m a n n setzte sich ans Klavier, und fing an darüber zu reden.
"Die Fabel der Alceste ist ganz in die Griechische Religion verwebt, und für unsre zeiten bleibt davon nur das Allgemeine übrig, dass eine Frau für ihren Mann sterben will, und für so viel Liebe begnadigt wird."
"E u r i p i d e s , Schüler und Freund des S o k r a t e s , hat bei dieser gelegenheit ein Stück Moral aus dem wirklichen Leben aufgestellt. In seinem Drama herrscht eine ausserordentliche Stärke von Verstand. Nur kann man eben nicht sagen, dass er in der Scene des Admet mit dem Vater den Grazien huldigte; vielmehr scheint T i m o n selbst sie hineingebannt zu haben. Aber er wollte die menschliche natur in ihrer Blösse zeigen."
"Das Ganze ist bei dem Griechen ein Spiel des Apollo, der den Parzen das Leben des jungen Königs für ein andres abdrängt, weil dieser ihn nach seiner Verbannung aus dem Himmel, als Hirten, so edel aufgenommen hatte. Alceste konnte nicht wohl anders handeln, ohne nach dem tod des Gemahls ein schmähliches Leben zu führen. Der