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das Gefäss wird zernichtet.

Ein schönes, reines, edles, höchst moralisches Wesen, ohne die sinnliche Stärke, die den Helden macht, geht unter einer Last zugrunde, die es weder tragen noch abwerfen kann; jede Pflicht ist ihm heilig, diese zu schwer. Das Unmögliche wird von ihm gefordert, nicht das Unmögliche an sich, sondern das, was ihm unmöglich ist. Wie er sich windet, dreht, ängstigt, vor- und zurücktritt, immer erinnert wird, sich immer erinnert und zuletzt fast seinen Zweck aus dem Sinne verliert, ohne doch jemals wieder froh zu werden."

Vierzehntes Kapitel

Verschiedene Personen traten herein, die das Gespräch unterbrachen. Es waren Virtuosen, die sich bei Serlo gewöhnlich einmal die Woche zu einem kleinen Konzerte versammelten. Er liebte die Musik sehr und behauptete, dass ein Schauspieler ohne diese Liebe niemals zu einem deutlichen Begriff und Gefühl seiner eigenen Kunst gelangen könne. So wie man viel leichter und anständiger agiere, wenn die Gebärden durch eine Melodie begleitet und geleitet werden, so müsse der Schauspieler sich auch seine prosaische Rolle gleichsam im Sinne komponieren, dass er sie nicht etwa eintönig nach seiner individuellen Art und Weise hinsudele, sondern sie in gehöriger Abwechslung nach Takt und Mass behandle.

Aurelie schien an allem, was vorging, wenig Anteil zu nehmen, vielmehr führte sie zuletzt unsern Freund in ein Seitenzimmer, und indem sie ans Fenster trat und den gestirnten Himmel anschaute, sagte sie zu ihm: "Sie sind uns manches über Hamlet schuldig geblieben; ich will zwar nicht voreilig sein und wünsche, dass mein Bruder auch mit anhören möge, was Sie uns noch zu sagen haben, doch lassen Sie mich Ihre Gedanken über Ophelien hören!"

"Von ihr lässt sich nicht viel sagen", versetzte Wilhelm, "denn nur mit wenig Meisterzügen ist ihr Charakter vollendet. Ihr ganzes Wesen schwebt in reifer, süsser Sinnlichkeit. Ihre Neigung zu dem Prinzen, auf dessen Hand sie Anspruch machen darf, fliesst so aus der Quelle, das gute Herz überlässt sich so ganz seinem Verlangen, dass Vater und Bruder beide fürchten, beide geradezu und unbescheiden warnen. Der Wohlstand, wie der leichte Flor auf ihrem Busen, kann die Bewegung ihres Herzens nicht verbergen, er wird vielmehr ein Verräter dieser leisen Bewegung. Ihre Einbildungskraft ist angesteckt, ihre stille Bescheidenheit atmet eine liebevolle Begierde, und sollte die bequeme Göttin gelegenheit das Bäumchen schütteln, so würde die Frucht sogleich herabfallen."

"Und nun", sagte Aurelie, "wenn sie sich verlassen sieht, verstossen und verschmäht, wenn in der Seele ihres wahnsinnigen Geliebten sich das Höchste zum Tiefsten umwendet und er ihr statt des süssen Bechers der Liebe den bittern Kelch der Leiden hinreicht."

"Ihr Herz bricht", rief Wilhelm aus, "das ganze Gerüst ihres Daseins rückt aus seinen Fugen, der Tod ihres Vaters stürmt herein, und das schöne Gebäude stürzt völlig zusammen."

Wilhelm hatte nicht bemerkt, mit welchem Ausdruck Aurelie die letzten Worte aussprach. Nur auf das Kunstwerk, dessen Zusammenhang und Vollkommenheit gerichtet, ahnte er nicht, dass seine Freundin eine ganz andere wirkung empfand, nicht, dass ein eigner tiefer Schmerz durch diese dramatischen Schattenbilder in ihr lebhaft erregt ward.

Noch immer hatte Aurelie ihr Haupt, von ihren Armen unterstützt, und ihre Augen, die sich mit Tränen füllten, gegen Himmel gewendet. Endlich hielt sie nicht länger ihren verborgnen Schmerz zurück; sie fasste des Freundes beide hände und rief, indem er erstaunt vor ihr stand: "Verzeihen Sie, verzeihen Sie einem geängstigten Herzen! die Gesellschaft schnürt und presst mich zusammen; vor meinem unbarmherzigen Bruder muss ich mich zu verbergen suchen; nun hat Ihre Gegenwart alle Bande aufgelöst. Mein Freund!" fuhr sie fort, "seit einem Augenblicke sind wir erst bekannt, und schon werden Sie mein Vertrauter." Sie konnte die Worte kaum aussprechen und sank an seine Schulter. "Denken Sie nicht übler von mir", sagte sie schluchzend, "dass ich mich Ihnen so schnell eröffne, dass Sie mich so schwach sehen. Seien Sie, bleiben Sie mein Freund, ich verdiene es." Er redete ihr auf das herzlichste zu; umsonst! ihre Tränen flossen und erstickten ihre Worte.

In diesem Augenblicke trat Serlo sehr unwillkommen herein und sehr unerwartet Philine, die er bei der Hand hielt. "Hier ist Ihr Freund", sagte er zu ihr; "er wird sich freun, Sie zu begrüssen."

"Wie!" rief Wilhelm erstaunt, "muss ich Sie hier sehen?"

Mit einem bescheidnen, gesetzten Wesen ging sie auf ihn los, hiess ihn willkommen, rühmte Serlos Güte, der sie ohne ihr Verdienst bloss in Hoffnung, dass sie sich bilden werde, unter seine treffliche truppe aufgenommen habe. Sie tat dabei gegen Wilhelmen freundlich, doch aus einer ehrerbietigen Entfernung.

Diese Verstellung währte aber nicht länger, als die beiden zugegen waren. Denn als Aurelie ihren Schmerz zu verbergen wegging und Serlo abgerufen ward, sah Philine erst recht genau nach den Türen, ob beide auch gewiss fort seien; dann hüpfte sie wie töricht in der stube herum, setzte sich an die Erde und wollte vor Kichern und lachen ersticken. Dann sprang sie auf, schmeichelte unserm Freunde und freute sich über alle massen, dass sie so klug gewesen sei, vorauszugehen, das Terrain zu rekognoszieren und sich einzunisten.

"Hier geht es bunt zu", sagte sie, "gerade