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wieder einzuflössen, so wollte man seinen Verwandten den Zustand entdecken, und Wilhelm sollte ihn den Seinigen wieder zuführen.

Dieser hatte nun alle Anstalten zu seiner Reise gemacht, und wenn es im Anfang wunderbar schien, dass Augustin sich freute, als er vernahm, wie sein alter Freund und Wohltäter sich sogleich wieder entfernen sollte, so entdeckte doch der Abbé bald den Grund dieser seltsamen Gemütsbewegung. Augustin konnte seine alte Furcht, die er vor Felix hatte, nicht überwinden und wünschte den Knaben je eher je lieber entfernt zu sehen.

Nun waren nach und nach so viele Menschen angekommen, dass man sie im Schloss und in den Seitengebäuden kaum alle unterbringen konnte, um so mehr, als man nicht gleich anfangs auf den Empfang so vieler Gäste die Einrichtung gemacht hatte. Man frühstückte, man speiste zusammen und hätte sich gern beredet, man lebe in einer vergnüglichen Übereinstimmung, wenn schon in der Stille die Gemüter sich gewissermassen auseinander sehnten. Terese war manchmal mit Lotario, noch öfter allein ausgeritten, sie hatte in der Nachbarschaft schon alle Landwirte und Landwirtinnen kennen lernen; es war ihr Haushaltungsprinzip, und sie mochte nicht unrecht haben, dass man mit Nachbarn und Nachbarinnen im besten Vernehmen und immer in einem ewigen Gefälligkeitswechsel stehen müsse. Von einer Verbindung zwischen ihr und Lotario schien gar die Rede nicht zu sein, die beiden Schwestern hatten sich viel zu sagen, der Abbé schien den Umgang des Harfenspielers zu suchen, Jarno hatte mit dem Arzt öftere Konferenzen, Friedrich hielt sich an Wilhelmen, und Felix war überall, wo es ihm gut ging. So vereinigten sich auch meistenteils die Paare auf dem Spaziergang, indem die Gesellschaft sich trennte, und wenn sie zusammen sein mussten, so nahm man geschwind seine Zuflucht zur Musik, um alle zu verbinden, indem man jeden sich selbst wiedergab.

Unversehens vermehrte der Graf die Gesellschaft, seine Gemahlin abzuholen und, wie es schien, einen feierlichen Abschied von seinen weltlichen Verwandten zu nehmen. Jarno eilte ihm bis an den Wagen entgegen, und als der Ankommende fragte, was er für Gesellschaft finde, so sagte jener in einem Anfall von toller Laune, die ihn immer ergriff, sobald er den Grafen gewahr ward: "Sie finden den ganzen Adel der Welt beisammen, Marchesen, Marquis, Mylords und Baronen, es hat nur noch an einem Grafen gefehlt." So ging man die Treppe hinauf, und Wilhelm war die erste person, die ihm im Vorsaal entgegenkam. "Mylord!" sagte der Graf zu ihm auf französisch, nachdem er ihn einen Augenblick betrachtet hatte, "ich freue mich sehr, Ihre Bekanntschaft unvermutet zu erneuern; denn ich müsste mich sehr irren, wenn ich Sie nicht im Gefolge des Prinzen sollte in meinem schloss gesehen haben." – "Ich hatte das Glück, Ew. Exzellenz damals aufzuwarten", versetzte Wilhelm, "nur erzeigen Sie mir zu viel Ehre, wenn Sie mich für einen Engländer und zwar vom ersten Range halten, ich bin ein Deutscher, und" – "zwar ein sehr braver junger Mann", fiel Jarno sogleich ein. Der Graf sah Wilhelmen lächelnd an und wollte eben etwas erwidern, als die übrige Gesellschaft herbeikam und ihn aufs freundlichste begrüsste. Man entschuldigte sich, dass man ihm nicht sogleich ein anständiges Zimmer anweisen könne, und versprach den nötigen Raum ungesäumt zu verschaffen.

"Ei ei!" sagte er lächelnd, "ich sehe wohl, dass man dem Zufalle überlassen hat, den Furierzettel zu machen; mit Vorsicht und Einrichtung, wie viel ist da nicht möglich! Jetzt bitte ich euch, rührt mir keinen Pantoffel vom platz, denn sonst, sehe' ich wohl, gibt es eine grosse Unordnung. Jedermann wird unbequem wohnen, und das soll niemand um meinetwillen womöglich auch nur eine Stunde. Sie waren Zeuge", sagte er zu Jarno, "und auch Sie, Mister", indem er sich zu Wilhelmen wandte, "wie viele Menschen ich damals auf meinem schloss bequem untergebracht habe. Man gebe mir die Liste der Personen und Bedienten, man zeige mir an, wie jedermann gegenwärtig einquartiert ist, ich will einen Dislokationsplan machen, dass mit der wenigsten Bemühung jedermann eine geräumige wohnung finde, und dass noch Platz für einen Gast bleiben soll, der sich zufälligerweise bei uns einstellen könnte."

Jarno machte sogleich den Adjutanten des Grafen, verschaffte ihm alle nötigen Notizen und hatte nach seiner Art den grössten Spass, wenn er den alten Herrn mitunter irremachen konnte. Dieser gewann aber bald einen grossen Triumph. Die Einrichtung war fertig, er liess in seiner Gegenwart die Namen über alle Türen schreiben, und man konnte nicht leugnen, dass mit wenig Umständen und Veränderungen der Zweck völlig erreicht war. Auch hatte es Jarno unter anderm so geleitet, dass die Personen, die in dem gegenwärtigen Augenblick ein Interesse aneinander nahmen, zusammen wohnten.

Nachdem alles eingerichtet war, sagte der Graf zu Jarno: "Helfen Sie mir auf die Spur wegen des jungen Mannes, den Sie da Meister nennen, und der ein Deutscher sein soll." Jarno schwieg still, denn er wusste recht gut, dass der Graf einer von denen Leuten war, die, wenn sie fragen, eigentlich belehren wollen; auch fuhr dieser, ohne Antwort abzuwarten, in seiner Rede fort: "Sie hatten mir ihn damals vorgestellt und im Name des Prinzen bestens empfohlen. Wenn seine Mutter auch eine Deutsche war, so hafte ich dafür, dass sein Vater ein Engländer ist