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sie vorzubereiten; er schritt mir nach, und wir traten beide zu gleicher Zeit vor ihr Bette. Sie erwachte, sprang mit Wut auf und entriss sich unsern Armen; sie beschwur und bat, sie flehte, drohte und versicherte, dass sie nicht nachgeben würde. Sie war unvorsichtig genug, über ihre wahre leidenschaft einige Worte fallen zu lassen, die der arme Norberg im geistlichen Sinne deuten musste. Endlich verliess er sie, und sie schloss sich ein. Ich behielt ihn noch lange bei mir und sprach mit ihm über ihren Zustand, dass sie guter Hoffnung sei, und dass man das arme Mädchen schonen müsse. Er fühlte sich so stolz auf seine Vaterschaft, er freute sich so sehr auf einen Knaben, dass er alles einging, was sie von ihm verlangte, und dass er versprach, lieber einige Zeit zu verreisen, als seine Geliebte zu ängstigen und ihr durch diese Gemütsbewegungen zu schaden. Mit diesen Gesinnungen schlich er morgens früh von mir weg, und Sie, mein Herr, wenn Sie Schildwache gestanden haben, so hätte es zu Ihrer Glückseligkeit nichts weiter bedurft, als in den Busen Ihres Nebenbuhlers zu sehen, den Sie so begünstigt, so glücklich hielten, und dessen Erscheinung Sie zur Verzweiflung brachte."

"Redest du wahr?" sagte Wilhelm.

"So wahr", sagte die Alte, "als ich noch hoffe, Sie zur Verzweiflung zu bringen.

Ja, gewiss Sie würden verzweifeln, wenn ich Ihnen das Bild unsers nächsten Morgens recht lebhaft darstellen könnte. Wie heiter wachte sie auf! wie freundlich rief sie mich herein! wie lebhaft dankte sie mir! wie herzlich drückte sie mich an ihren Busen! 'Nun', sagte sie, indem sie lächelnd vor den Spiegel trat 'darf ich mich wieder an mir selbst, mich an meiner Gestalt freuen, da ich wieder mir, da ich meinem einzig geliebten Freund angehöre. Wie ist es so süss, überwunden zu haben! welch eine himmlische Empfindung ist es, seinem Herzen zu folgen! Wie dank' ich dir, dass du dich meiner angenommen, dass du deine Klugheit, deinen Verstand auch einmal zu meinem Vorteil angewendet hast! Steh mir bei und ersinne, was mich ganz glücklich machen kann!'

Ich gab ihr nach, ich wollte sie nicht reizen, ich schmeichelte ihrer Hoffnung, und sie liebkoste mich auf das anmutigste. Entfernte sie sich einen Augenblick vom Fenster, so musste ich Wache stehen; denn Sie sollten nun ein für allemal vorbeigehen, man wollte Sie wenigstens sehen; so ging der ganze Tag unruhig hin. Nachts zur gewöhnlichen Stunde erwarteten wir Sie ganz gewiss. Ich passte schon an der Treppe, die Zeit ward mir lang, ich ging wieder zu ihr hinein. Ich fand sie zu meiner Verwunderung in ihrer Offizierstracht, sie sah unglaublich heiter und reizend aus 'Verdien' ich nicht', sagte sie, 'heute in Mannstracht zu erscheinen? Habe ich mich nicht brav gehalten? Mein Geliebter soll mich heute wie das erstemal sehen, ich will ihn so zärtlich und mit mehr Freiheit an mein Herz drücken als damals: denn bin ich jetzt nicht viel mehr die Seine als damals, da mich ein edler Entschluss noch nicht frei gemacht hatte? Aber', fügte sie nach einigem Nachdenken hinzu, 'noch hab' ich nicht ganz gewonnen, noch muss ich erst das Äusserste wagen, um seiner wert, um seines Besitzes gewiss zu sein; ich muss ihm alles entdecken, meinen ganzen Zustand offenbaren und ihm alsdann überlassen, ob er mich behalten oder verstossen will. Diese Szene bereite ich ihm, bereite ich mir zu; und wäre sein Gefühl mich zu verstossen fähig, so würde ich alsdann ganz wieder mir selbst angehören, ich würde in meiner Strafe meinen Trost finden und alles erdulden, was das Schicksal mir auferlegen wollte.'

Mit diesen Gesinnungen, mit diesen Hoffnungen, mein Herr, erwartete Sie das liebenswürdige Mädchen; Sie kamen nicht. O! wie soll ich den Zustand des Wartens und Hoffens beschreiben? Ich sehe dich noch vor mir, mit welcher Liebe, mit welcher Inbrunst du von dem mann sprachst, dessen Grausamkeit du noch nicht erfahren hattest!"

"Gute, liebe Barbara", rief Wilhelm, indem er aufsprang und die Alte bei der Hand fasste, "es ist nun genug der Verstellung, genug der Vorbereitung! Dein gleichgültiger, dein ruhiger, dein zufriedener Ton hat dich verraten. Gib mir Marianen wieder! sie lebt, sie ist in der Nähe. Nicht umsonst hast du diese späte, einsame Stunde zu deinem Besuche gewählt, nicht umsonst hast du mich durch diese entzückende Erzählung vorbereitet. Wo hast du sie? Wo verbirgst du sie? Ich glaube dir alles, ich verspreche dir alles zu glauben, wenn du mir sie zeigst, wenn du sie meinen Armen wiedergibst. Ihren Schatten habe ich schon im Fluge gesehen, lass mich sie wieder in meine arme fassen! Ich will vor ihr auf den Knien liegen, ich will sie um Vergebung bitten, ich will ihr zu ihrem Kampfe, zu ihrem Siege über sich und dich Glück wünschen, ich will ihr meinen Felix zuführen. Komm! Wo hast du sie versteckt? Lass sie, lass mich nicht länger in Ungewissheit. Dein Endzweck ist erreicht. Wo hast du sie verborgen? Komm, dass ich sie mit diesem Licht beleuchte! dass ich wieder ihr holdes Angesicht sehe!"

Er hatte die Alte vom Stuhl aufgezogen