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derselben auch nur auf die entfernteste Weise.

"Es ist wahr", sagte Lotario, "angenehmer kann keine Empfindung in der Welt sein, als wenn das Herz nach einer gleichgültigen Pause sich der Liebe zu einem neuen gegenstand wieder öffnet, und doch wollt' ich diesem Glück für mein Leben entsagt haben, wenn mich das Schicksal mit Teresen hätte verbinden wollen. Man ist nicht immer Jüngling, und man sollte nicht immer Kind sein. Dem mann, der die Welt kennt, der weiss, was er darin zu tun, was er von ihr zu hoffen hat, was kann ihm erwünschter sein, als eine Gattin zu finden, die überall mit ihm wirkt, und die ihm alles vorzubereiten weiss, deren Tätigkeit dasjenige aufnimmt, was die seinige liegen lassen muss, deren Geschäftigkeit sich nach allen Seiten verbreitet, wenn die seinige nur einen geraden Weg fortgehen darf. Welchen Himmel hatte ich mir mit Teresen geträumt! nicht den Himmel eines schwärmerischen Glücks, sondern eines sichern Lebens auf der Erde: Ordnung im Glück, Mut im Unglück, sorge für das Geringste und eine Seele, fähig, das Grösste zu fassen und wieder fahren zu lassen. O! ich sah in ihr gar wohl die Anlagen, deren entwicklung wir bewundern, wenn wir in der geschichte Frauen sehen, die uns weit vorzüglicher als alle Männer erscheinen: diese klarheit über die Umstände, diese Gewandteit in allen Fällen, diese Sicherheit im einzelnen, wodurch das Ganze sich immer so gut befindet, ohne dass sie jemals daran zu denken scheinen. Sie können wohl", fuhr er fort, indem er sich lächelnd gegen Wilhelmen wendete, "mir verzeihen, wenn Terese mich Aurelien entführte; mit jener konnte ich ein heitres Leben hoffen, da bei dieser auch nicht an eine glückliche Stunde zu denken war."

"Ich leugne nicht", versetzte Wilhelm, "dass ich mit grosser Bitterkeit im Herzen gegen Sie hierher gekommen bin, und dass ich mir vorgenommen hatte, Ihr Betragen gegen Aurelien sehr streng zu tadeln."

"Auch verdient es Tadel", sagte Lotario, "ich hätte meine Freundschaft zu ihr nicht mit dem Gefühl der Liebe verwechseln sollen, ich hätte nicht an die Stelle der achtung, die sie verdiente, eine Neigung eindrängen sollen, die sie weder erregen noch erhalten konnte. Ach! sie war nicht liebenswürdig, wenn sie liebte, und das ist das grösste Unglück, das einem weib begegnen kann."

"Es sei drum", erwiderte Wilhelm, "wir können nicht immer das Tadelnswerte vermeiden, nicht vermeiden, dass unsere Gesinnungen und Handlungen auf eine sonderbare Weise von ihrer natürlichen und guten Richtung abgelenkt werden; aber gewisse Pflichten sollten wir niemals aus den Augen setzen. Die Asche der Freundin ruhe sanft! wir wollen, ohne uns zu schelten und sie zu tadeln, mitleidig Blumen auf ihr Grab streuen. Aber bei dem grab, in welchem die unglückliche Mutter ruht, lassen Sie mich fragen, warum Sie sich des Kindes nicht annehmen? eines Sohnes, dessen sich jedermann erfreuen würde, und den Sie ganz und gar zu vernachlässigen scheinen. Wie können Sie bei Ihren reinen und zarten Gefühlen das Herz eines Vaters gänzlich verleugnen? Sie haben diese ganze Zeit noch mit keiner Silbe an das köstliche geschöpf gedacht, von dessen Anmut so viel zu erzählen wäre."

"Von wem reden Sie?" versetzte Lotario, "ich verstehe Sie nicht."

"Von wem anders, als von Ihrem Sohne, dem Sohne Aureliens, dem schönen kind, dem zu seinem Glücke nichts fehlt, als dass ein zärtlicher Vater sich seiner annimmt?"

"Sie irren sehr, mein Freund", rief Lotario: "Aurelie hatte keinen Sohn, am wenigsten von mir, ich weiss von keinem kind, sonst würde ich mich dessen mit Freuden annehmen; aber auch im gegenwärtigen Falle will ich gern das kleine geschöpf als eine Verlassenschaft von ihr ansehen und für seine Erziehung sorgen. Hat sie sich denn irgend etwas merken lassen, dass der Knabe ihr, dass er mir zugehöre?"

"Nicht, dass ich mich erinnere, ein ausdrückliches Wort von ihr gehört zu haben, es war einmal so angenommen, und ich habe nicht einen Augenblick daran gezweifelt."

"Ich kann", fiel Jarno ein, "einigen Aufschluss hierüber geben. Ein altes Weib, das Sie oft müssen gesehen haben, brachte das Kind zu Aurelien, sie nahm es mit leidenschaft auf und hoffte ihre Leiden durch seine Gegenwart zu lindern; auch hat es ihr manchen vergnügten Augenblick gemacht."

Wilhelm war durch diese Entdeckung sehr unruhig geworden, er gedachte der guten Mignon neben dem schönen Felix auf das lebhafteste, er zeigte seinen Wunsch, die beiden Kinder aus der Lage, in der sie sich befanden, herauszuziehen.

"Wir wollen damit bald fertig sein", versetzte Lotario. "Das wunderliche Mädchen übergeben wir Teresen, sie kann unmöglich in bessere hände geraten, und was den Knaben betrifft, den, dächt' ich, nähmen Sie selbst zu sich; denn was sogar die Frauen an uns ungebildet zurücklassen, das bilden die Kinder aus, wenn wir uns mit ihnen abgeben."

"Überhaupt dächte ich", versetzte Jarno, "Sie entsagten kurz und gut dem Teater, zu dem Sie doch einmal kein Talent haben."

Wilhelm war betroffen; er musste sich zusammennehmen, denn Jarnos harte Worte hatten seine Eigenliebe nicht wenig verletzt. "Wenn Sie mich davon überzeugen