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Abends über die Frauen reden hörte. Das Gespräch machte sich ganz natürlich; einige Damen aus der Nachbarschaft hatten uns besucht und über die Bildung der Frauen die gewöhnlichen gespräche geführt. Man sei ungerecht gegen unser Geschlecht, hiess es, die Männer wollten alle höhere Kultur für sich behalten, man wolle uns zu keinen Wissenschaften zulassen, man verlange, dass wir nur Tändelpuppen und Haushälterinnen sein sollten. Lotario sprach wenig zu all diesem; als aber die Gesellschaft kleiner ward, sagte er auch hierüber offen seine Meinung 'Es ist sonderbar', rief er aus 'dass man es dem mann verargt, der eine Frau an die höchste Stelle setzen will, die sie einzunehmen fähig ist; und welche ist höher als das Regiment des Hauses? Wenn der Mann sich mit äussern Verhältnissen quält, wenn er die Besitztümer herbeischaffen und beschützen muss, wenn er sogar an der Staatsverwaltung Anteil nimmt, überall von Umständen abhängt und, ich möchte sagen, nichts regiert, indem er zu regieren glaubt, immer nur politisch sein muss, wo er gern vernünftig wäre, versteckt, wo er offen, falsch, wo er redlich zu sein wünschte; wenn er um des Zieles willen, das er nie erreicht, das schönste Ziel, die Harmonie mit sich selbst, in jedem Augenblicke aufgeben muss: indessen herrscht eine vernünftige Hausfrau im inneren wirklich und macht einer ganzen Familie jede Tätigkeit, jede Zufriedenheit möglich. Was ist das höchste Glück des Menschen, als dass wir das ausführen, was wir als recht und gut einsehen? dass wir wirklich Herren über die Mittel zu unsern Zwecken sind? Und wo sollen, wo können unsere nächsten Zwecke liegen, als innerhalb des Hauses? Alle immer wiederkehrenden unentbehrlichen Bedürfnisse, wo erwarten wir, wo fordern wir sie, als da, wo wir aufstehn und uns niederlegen, wo Küche und Keller und jede Art von Vorrat für uns und die Unsrigen immer bereit sein soll? Welche regelmässige Tätigkeit wird erfordert, um diese immer wiederkehrende Ordnung in einer unverrückten, lebendigen Folge durchzuführen! Wie wenig Männern ist es gegeben, gleichsam als ein Gestirn regelmässig wiederzukehren und dem Tage so wie der Nacht vorzustehn, sich ihre häuslichen Werkzeuge zu bilden, zu pflanzen und zu ernten, zu verwahren und auszuspenden und den Kreis immer mit Ruhe, Liebe und Zweckmässigkeit zu durchwandeln! Hat ein Weib einmal diese innere herrschaft ergriffen, so macht sie den Mann, den sie liebt, erst allein dadurch zum Herrn; ihre Aufmerksamkeit erwirbt alle Kenntnisse, und ihre Tätigkeit weiss sie alle zu benutzen. So ist sie von niemand abhängig und verschafft ihrem mann die wahre Unabhängigkeit, die häusliche, die innere; das, was er besitzt, sieht er gesichert, das, was er erwirbt, gut benutzt, und so kann er sein Gemüt nach grossen Gegenständen wenden und, wenn das Glück gut ist, das dem staat sein, was seiner Gattin zu haus so wohl ansteht.'

Er machte darauf eine Beschreibung, wie er sich eine Frau wünsche. Ich ward rot; denn er beschrieb mich, wie ich leibte und lebte. Ich genoss im stillen meinen Triumph, um so mehr, da ich aus allen Umständen sah, dass er mich persönlich nicht gemeint hatte, dass er mich eigentlich nicht kannte. Ich erinnere mich keiner angenehmern Empfindung in meinem ganzen Leben, als dass ein Mann, den ich so sehr schätzte, nicht meiner person, sondern meiner innersten natur den Vorzug gab. Welche Belohnung fühlte ich! Welche Aufmunterung war mir geworden!

Als sie weg waren, sagte meine würdige Freundin lächelnd zu mir: 'Schade, dass die Männer oft denken und reden, was sie doch nicht zur Ausführung kommen lassen, sonst wäre eine treffliche Partie für meine liebe Terese geradezu gefunden.' Ich scherzte über ihre Äusserung und fügte hinzu, dass zwar der Verstand der Männer sich nach Haushälterinnen umsehe, dass aber ihr Herz und ihre Einbildungskraft sich nach andern Eigenschaften sehne, und dass wir Haushälterinnen eigentlich gegen die liebenswürdigen und reizenden Mädchen keinen Wettstreit aushalten können. Diese Worte sagte ich Lydien zu Gehör; denn sie verbarg nicht, dass Lotario grossen Eindruck auf sie gemacht habe, und auch er schien bei jedem neuen Besuche immer aufmerksamer auf sie zu werden. Sie war arm, sie war nicht von stand, sie konnte an keine Heirat mit ihm denken; aber sie konnte der Wonne nicht widerstehen, zu reizen und gereizt zu werden. Ich hatte nie geliebt und liebte auch jetzt nicht; allein ob es mir schon unendlich angenehm war, zu sehen, wohin meine natur von einem so verehrten mann gestellt und gerechnet werde, will ich doch nicht leugnen, dass ich damit nicht ganz zufrieden war. Ich wünschte nun auch, dass er mich kennen, dass er persönlich Anteil an mir nehmen möchte. Es entstand bei mir dieser Wunsch ohne irgendeinen bestimmten Gedanken, was darauf folgen könnte.

Der grösste Dienst, den ich meiner Wohltäterin leistete, war, dass ich die schönen Waldungen ihrer Güter in Ordnung zu bringen suchte. In diesen köstlichen Besitzungen, deren grossen Wert Zeit und Umstände immer vermehren, ging es leider nur immer nach dem alten Schlendrian fort, nirgends war Plan und Ordnung, und des Stehlens und des Unterschleifs kein Ende. Manche Berge standen öde, und einen gleichen Wuchs hatten nur noch die ältesten Schläge. Ich beging alles selbst mit einem geschickten Forstmann, ich liess die Waldungen messen, ich liess schlagen, säen, pflanzen, und in kurzer Zeit war