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immer das Neueste und Beste auf dem leib; der Mann mag seinen Rock abtragen und die Frau den ihrigen vertrödeln, sobald er nur einigermassen aus der Mode kommt. Es ist mir nichts unerträglicher, als so ein alter Kram von Besitztum. Wenn man mir den kostbarsten Edelstein schenken wollte, mit der Bedingung, ihn täglich am Finger zu tragen, ich würde ihn nicht annehmen; denn wie lässt sich bei einem toten Kapital nur irgendeine Freude denken? Das ist also mein lustiges Glaubensbekenntnis: seine Geschäfte verrichtet, Geld geschafft, sich mit den Seinigen lustig gemacht und um die übrige Welt sich nicht mehr bekümmert, als insofern man sie nutzen kann.

Nun wirst Du aber sagen: 'Wie ist denn in eurem saubern Plane an mich gedacht? Wo soll ich unterkommen, wenn ihr mir das väterliche Haus verkauft, und in dem eurigen nicht der mindeste Raum übrigbleibt?'

Das ist freilich der Hauptpunkt, Brüderchen, und auf den werde ich Dir gleich dienen können, wenn ich Dir vorher das gebührende Lob über Deine vortrefflich angewendete Zeit werde entrichtet haben.

Sage nur, wie hast Du es angefangen, in so wenigen Wochen ein Kenner aller nützlichen und interessanten Gegenstände zu werden? So viel Fähigkeiten ich an Dir kenne, hätte ich Dir doch solche Aufmerksamkeit und solchen Fleiss nicht zugetraut. Dein Tagebuch hat uns überzeugt, mit welchem Nutzen Du die Reise gemacht hast; die Beschreibung der Eisen- und Kupferhämmer ist vortrefflich und zeigt von vieler Einsicht in die Sache. Ich habe sie ehemals auch besucht; aber meine Relation, wenn ich sie dagegen halte, sieht sehr stümpermässig aus. Der ganze Brief über die Leinwandfabrikation ist lehrreich und die Anmerkung über die Konkurrenz sehr treffend. An einigen Orten hast Du Fehler in der Addition gemacht, die jedoch sehr verzeihlich sind.

Was aber mich und meinen Vater am meisten und höchsten freut, sind Deine gründlichen Einsichten in die Bewirtschaftung und besonders in die Verbesserung der Feldgüter. Wir haben Hoffnung, ein grosses Gut, das in Sequestration liegt, in einer sehr fruchtbaren Gegend zu erkaufen. Wir wenden das Geld, das wir aus dem väterlichen haus lösen, dazu an; ein teil wird geborgt, und ein teil kann stehenbleiben; und wir rechnen auf Dich, dass Du dahin ziehst, den Verbesserungen vorstehst, und so kann, um nicht zu viel zu sagen, das Gut in einigen Jahren um ein Drittel an Wert steigen; man verkauft es wieder, sucht ein grösseres, verbessert und handelt wieder, und dazu bist Du der Mann. Unsere Federn sollen indes zu haus nicht müssig sein, und wir wollen uns bald in einen beneidenswerten Zustand versetzen.

Jetzt lebe wohl! Geniesse das Leben auf der Reise und ziehe hin, wo Du es vergnüglich und nützlich findest. Vor dem ersten halben Jahre bedürfen wir Deiner nicht; Du kannst Dich also nach Belieben in der Welt umsehen, denn die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen. Lebe wohl, ich freue mich, so nahe mit Dir verbunden, auch nunmehr im Geist der Tätigkeit mit Dir vereint zu werden."

So gut dieser Brief geschrieben war, und so viel ökonomische Weisheit er entalten mochte, missfiel er doch Wilhelmen auf mehr als eine Weise. Das Lob, das er über seine fingierten statistischen, technologischen und ruralischen Kenntnisse erhielt, war ihm ein stiller Vorwurf, und das Ideal, das ihm sein Schwager vom Glück des bürgerlichen Lebens vorzeichnete, reizte ihn keineswegs; vielmehr ward er durch einen heimlichen Geist des Widerspruchs mit Heftigkeit auf die entgegengesetzte Seite getrieben. Er überzeugte sich, dass er nur auf dem Teater die Bildung, die er sich zu geben wünschte, vollenden könne, und schien in seinem Entschlusse nur desto mehr bestärkt zu werden, je lebhafter Werner, ohne es zu wissen, sein Gegner geworden war. Er fasste darauf alle seine Argumente zusammen und bestätigte bei sich seine Meinung nur um desto mehr, je mehr er Ursache zu haben glaubte, sie dem klugen Werner in einem günstigen Lichte darzustellen, und auf diese Weise entstand eine Antwort, die wir gleichfalls einrücken.

Drittes Kapitel

"Dein Brief ist so wohl geschrieben und so gescheit und klug gedacht, dass sich nichts mehr dazusetzen lässt. Du wirst mir aber verzeihen, wenn ich sage, dass man gerade das Gegenteil davon meinen, behaupten und tun, und doch auch recht haben kann. Deine Art zu sein und zu denken geht auf einen unbeschränkten Besitz und auf eine leichte, lustige Art zu geniessen hinaus, und ich brauche Dir kaum zu sagen, dass ich daran nichts, was mich reizte, finden kann.

Zuerst muss ich Dir leider bekennen, dass mein Tagebuch aus Not, um meinem Vater gefällig zu sein, mit hülfe eines Freundes aus mehreren Büchern zusammengeschrieben ist, und dass ich wohl die darin entaltenen Sachen und noch mehrere dieser Art weiss, aber keinesweges verstehe, noch mich damit abgeben mag. Was hilft es mir, gutes Eisen zu fabrizieren, wenn mein eigenes Inneres voller Schlacken ist? und was, ein Landgut in Ordnung zu bringen, wenn ich mit mir selber uneins bin?

Dass ich Dir's mit einem Worte sage: mich selbst, ganz wie ich da bin, auszubilden, das war dunkel von Jugend auf mein Wunsch und meine Absicht. Noch hege ich eben diese Gesinnungen, nur dass mir die Mittel, die mir es möglich machen werden, etwas deutlicher sind. Ich habe mehr Welt gesehen, als Du glaubst, und