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nach dessen tod seinem erbschaftsbegierigen Vetter schenkte, hielt dieser für gar keinen Ersatz desjenigen, was ihm seiner Meinung nach entzogen ward.

Dieser Hass zeigte sich noch deutlicher gegen beide, seitdem Frau Sophie unschuldiger Weise ihren verlassenen Vetter aufgenommen hatte und er ihn in seinem haus erblicken musste. Er konnte gar nicht begreifen, wie seine Frau einen Menschen wie Anselm nicht aufs Bitterste hassen konnte, der an ihrer Statt geerbt hatte. Hiffer dachte wohl selbst nicht, dass ihm die beim Trünke eingesammelten Nachrichten von dem schlechten Vernehmen in Sophiens haus einmal sonderlich nützlich sein könnten. Es war aber seine Art, die Leute schwatzen zu machen und sie, was es nun war, von sich selbst erzählen zu lassen, weil er sie dadurch immer einigermassen in seine Gewalt bekam. Daher hatte er in Düsseldorf, wo er unsern dicken Mann traf, die Rede auf Sophien gebracht, um auch von der andern Seite zu hören, wie die Sache eigentlich stehe. Da erfuhr er dann durch die Reden des offenherzigen unbedachtsamen Anselms mehr, als er vermutet hatte. Besonders war ihm die unvorsichtig eröffnete Nachricht, dass Anselm Sophiens Bildnis habe geschenkt bekommen, sehr viel wert. Er fühlte gleich dunkel, eine solche Nachricht müsse zu etwas zu brauchen sein. Da nun nachher der Verlust Anselms bei der Signora Bellonia hinzukam, der in ganz Düsseldorf grosses aufsehen erregte: so ward ihm der Plan, den er machen könnte, noch etwas deutlicher, und er brachte ihn auf seiner Rückreise in seinem kopf völlig in Ordnung.

Zuvörderst nahm er gelegenheit, als ob es ganz von ungefähr käme, in Frau Sophiens und ihres Mannes Gegenwart, gleichsam voraussetzend, sie wüssten es schon, zu bedauern, dass ihr Vetter Anselm so ganz sinnlos gehandelt habe, sich in eine liederliche Sängerin zu verlieben, bei ihr sein ganzes Vermögen zu verspielen und mit ihr nachher heimlich durchzugehen. Diesen letzten Umstand dichtete er aus guten Ursachen hinzu; denn ihm war daran gelegen, dass Sophiens Zuneigung zu Anselm kein Hindernis des von ihm entworfenen Planes werden möchte.

Er hatte gleich darauf gerechnet, dass diese unvermutet gehörte Nachricht auf Sophien wirkung tun müsste. Dies traf auch ein. Sophien erschrak über die Nachricht und wollte anfänglich gar nicht glauben, dass Anselm fähig sein könnte, mit einer liederlichen person durchzugehen. Da es aber Hiffer mit mehrern Umständen bestätigte und versicherte, ganz Düsseldorf wisse es, so konnte sie den Strom ihrer Tränen nicht zurückhalten. Darüber ward sie von ihrem mann übel angelassen. Sie entschuldigte sich damit, dass sie das unvermutete Unglück ihres nächsten Verwandten nicht gleichgültig anhören könne. Hiffer lächelte bedeutend bei Anführung dieser Ursache, so dass es der Mann bemerken musste. Er hatte nachher bald gelegenheit, in einer Unterredung bei der Flasche das Gespräch wieder darauf zu bringen, und da fing er an, zu Ausführung des von ihm entworfenen Plans die unschuldigste Sache zu vergiften. Unter den wärmsten Freundschaftsbezeugungen setzte er dem mann in den Kopf, die Betrübnis seiner Frau über ihren unwürdigen Vetter möge wohl noch aus einer viel nähern Verbindung als der blossen Verwandtschaft entstehen. Er erzählte, Anselm habe sich selbst der Gunst Sophiens gerühmt, habe ihm zum Beweise das von derselben erhaltene Bildnis mit Triumphe gezeigt, zu welcher falschen Vorstellung er noch mehrere Umstände erdichtete, so wie er sie für seine Absicht am gemässesten hielt. Dadurch erhielt er, dass der Mann in Argwohn geriet und mit seiner Frau wegen des Bildnisses gar unangenehme Reden wechselte. Zugleich erreichte dadurch seine Schlauigkeit einen doppelten Zweck. Sophie musste nun notwendig von Anselms undelikater Art zu denken und unvernünftiger Art zu handeln einen sehr nachteiligen Begriff bekommen, der auch wirklich nachher noch auf die Art wirkte, wie sie ihn als Witwe empfing. Ferner hatte er durch diese geschichte in das Gemüt des Mannes einen Samen des Missvergnügens mit seiner Frau gestreuet, den er sich vornahm, reichlich zu düngen und zu pflegen, so dass er bald aufgehen und ihm gute Früchte tragen sollte.

Zu diesem Behufe warf er sich nun zum täglichen Trinkfreunde des Mannes auf, der schon die Flasche sehr liebte. Der Asmanshäuser ward nicht geschont, sooft sie nachmittags zusammenkamen, welches fast täglich geschah. Hiffer hatte die glückliche Gabe, viel Wein vertragen zu können, und blieb also immer noch kalt und verständig, wenn sein Mann schon selig war und folglich gesprächig ward. Da konnte er dann dessen Gedanken gemächlich auskundschaften und seinem eigenen Plane gemäss ihm die Ideen in den Kopf setzen, die denselben befördern mussten. So brachte er auch die geschichte mit dem Bildnisse des breitern vor und suchte, den Mann zu bereden, seiner Frau geheime Verbindung mit Anselm (denn dazu hatte der Elende die unschuldigste Gesinnung verschwärzt) habe gewiss noch nicht aufgehört, so sehr auch, nach des Mannes Berichte, die gute Frau das Geschenk des Bildes mit Tränen bedauert hatte. Hiffer bestand hingegen darauf, dies sei nur Verstellung, ja es sei vielmehr wahrscheinlich, dass Anselm von Frau Sophien mit Gelde unterstützt werde. Der Mann kam darüber ausser sich, denn das Geld war seine empfindliche Seite. Hiffer entwickelte ihm bündig, es könne fast nicht anders sein; denn Anselm habe keinen Stüber übrig behalten und habe sich doch, wie er aus sichern Nachrichten wisse, wieder von der Sängerin getrennt, die ihn allein ernährt hätte, welches wohl bloss Frau Sophien zu Gefallen und durch ihre Unterstützung werde geschehen sein. Er gab dabei zu verstehen: Wenn, welches Gott verhüten möge, der Mann etwa vor Sophien mit tod abgehen sollte, so