, den ich eben erhalte, Sie auf meine Empfehlung in eine Stelle bei der Feder zu plazieren, will Sie aber erst persönlich sehen. Reisen Sie zu ihm. Er verlangt Sie heute über acht Tage gegen Mittag auf seinem Gute *** zu sprechen. Machen Sie also, dass Sie gegen die Zeit dort sind. Leben Sie wohl! Suchen Sie sich nützlich zu machen und die Kenntnisse zu erwerben, die Ihnen noch fehlen. Und, apropos! Hüten Sie sich vor Klatschereien, und halten Sie guten Frieden mit den übrigen Domestiken im haus. Adieu!« Hiermit gab er mit einem gnädigen Kopfnicken das Zeichen zum Abschiede.
Anselm war nicht wenig betroffen über die Art, wie ihm sein Abschied angekündigt ward; aber über den Abschied selbst war er höchlich erfreut. Er war in diesem haus tief gedemütigt worden. Nun konnte er die Zeit kaum erwarten, bis er sich durch Fleiss und Tätigkeit wieder emporschwänge, welches er bei einem Minister, der, wie er wusste, einsichtsvoll war und grossen Einfluss hatte, leicht zu bewirken hoffte. Mit dieser angenehmen Aussicht ward seine Einbildungskraft sogleich erfüllt; sein ehemaliger Frohsinn, der ihn einige Monate lang verlassen hatte, kehrte zurück, und er konnte vor Freuden die ganze Nacht nicht schlafen.
Diese Freude ward den folgenden Tag etwas gedämpft, da er vom Herrn von Reiteim sein Gehalt verlangte, wovon er noch gar nichts bekommen hatte, und ganz trocken zur Antwort erhielt: Er habe ihm in seinem Briefe nichts versprochen, sondern sich mit dem Gehalte nach der Brauchbarkeit richten wollen. Da er aber zum Hauptzwecke, warum er berufen sei, nicht brauchbar gewesen, so glaube er ihn durch die bisherige freie Unterhaltung für seine wenigen Dienste genugsam belohnet zu haben; und nun habe er ihm ja eine Empfehlung an einen Minister gegeben, welches eigentlich das gewesen wäre, was er von ihm verlangt hätte.
Anselm würde zu fein gedacht haben, um auf einer Forderung zu bestehen, die ihm auf eine so unbillige Art versagt ward. Aber die notwendigkeit zwang ihn abermal, um Bezahlung seines Gehalts anzuhalten; denn er hatte seine wenige Barschaft ausgegeben und schlechterdings kein Geld zur Reise. Aber nun liess ihn der gnädige Herr nicht allein nicht rufen, sondern da er sich melden liess, ward er nicht vorgelassen. Er sah sich durch die Not endlich dahin gebracht, alle Empfindung des rechtmässigen Unwillens zu unterdrücken, und musste jetzt sogar den Leibjäger um sein Fürwort bitten, den einzigen Menschen, welchen der gnädige Herr sprach. Dieser nahm nun gelegenheit zu zeigen, dass er Favorit sei, und erlangte für unsern armen dicken Mann eine ganz kleine Summe, welche kaum hinreichte, eine Reise von vierzig Meilen zu tun. Mehr stand nicht zu erhalten ausser, dass ihm Herr von Reiteim noch einen Brief an seinen Oheim schickte, der ihn noch näher empfehlen sollte. Anselm hätte zwar sein Reisegeld vermehren können, wenn er sich hätte entschliessen wollen, seinen eleganten Reisewagen zu verkaufen. Das konnte er aber doch nicht von sich erlangen. Er meinte, aus der Erfahrung gelernt zu haben, man werde in grossen Häusern hauptsächlich nach dem Äusserlichen beurteilt; und daher dachte er, ein Mann, der bei dem Minister eine gewisse Rolle spielen solle, könne doch auf dessen Gute nicht füglich auf dem Postwagen ankommen. Er eilte jetzt nur, seinen jetzigen ihm so widerwärtigen Aufentalt zu verlassen, und reisete gleich den folgenden Tag ab, zumal da er keine Stunde zu verlieren hatte, wenn er zur bestimmten Zeit ankommen wollte. Bei seiner Abreise widerfuhr ihm noch das unvermutete Glück, sich dem gnädigen Herrn von Reiteim auf einen Augenblick zu empfehlen. Denn derselbe hatte eben einen Postzug von vier braunen Engländern gekauft und wollte mit ihnen zur probe ausfahren.
Dreiundzwanzigster Abschnitt
Anselm wird einem grossen Staatsmanne vorgestellt und durch dessen Protektion befördert
Das letzte Zeichen des gnädigen Wohlwollens, das der ehemalige philosophische Freund unserm dicken mann aus seiner Birutsche zunickte, machte diesen eben nicht glücklicher. Sein Herz ward ihm leichter, als er das Schloss des Herrn von Reiteim nicht mehr sah. Die Erniedrigungen, die er daselbst hatte dulden müssen, drückten schwer auf seine Einbildungskraft. Desto mehr freute er sich, nun eine ehrenvollere Lage vor sich zu sehen.
Er reisete Tag und Nacht; denn sonst hätte er nicht zur bestimmten Zeit ankommen können. Aber in einem Städtchen, etwa drei Meilen von dem Gute des Ministers, hielt er Nachtlager, um nicht daselbst ganz in der Frühe einzutreffen. Da er zum Mittage bestellt war: so ersah er daraus, dass er zur Tafel kommen sollte, und schloss aus dieser Attention eines so grossen Mannes gegen ihn schon einigermassen auf dessen günstige Gesinnungen. Um nun anständig zu erscheinen, stand er sehr früh auf, liess sich frisieren, zog sein bestes Kleid an und fuhr alsbald fort, damit der Minister, der ihm vermutlich über mancherlei würde Befehle zu erteilen haben, noch vor der Tafel mit ihm darüber sprechen könne. Sollte derselbe aber etwa auf seinem Gute (wohin er vermutlich, um von seinen Staatsgeschäften auszuruhen, sich mochte begeben haben) bloss auf der Serviette speisen, so war es auch möglich, dass er ihn bei der Tafel von den Gegenständen unterrichtete, wobei er ihn zu gebrauchen dächte. Genug, unser dicker Mann wollte sich nicht vorwerfen lassen, dass er allzuspät käme. übrigens tat sich sein Herz auf bei dem schönen Morgen und bei der vorteilhaften Ansicht, weil er nicht zweifelte, durch einen Minister, von dem er wusste