grössere Summe aus, als manche Söhne vornehmerer Leute zu verzehren hatten. Oheim Georg machte zwar die triftigsten Gegenvorstellungen, aber vergebens, weil beide Eheleute wider ihn waren. Da sie einmal das viele Geld hatten, wozu sollten sie es brauchen, wenn sie es nicht an ihren einzigen Sohn wenden wollten? Alles, was Oheim Georg mit einiger Mühe erhalten konnte, war, dass Philipp, den man sonst gern als einen tüchtigen Arbeiter in der Schreibstube und Manufaktur zurückbehalten hätte, halb als Freund, halb als untergeordneter Aufseher mit auf die Universität gegeben ward. Diese Vorsicht Georgs hatte bessere Folgen, als die Freigebigkeit der Eltern. Wenn Anselm auf Universitäten nicht ganz unwissend blieb und nicht ganz ein Narr ward: so geschah es durch seinen natürlichen gesunden Verstand, der ihn doch nicht völlig verliess, durch seinen fähigen Kopf, der schnell und leicht behielt, durch seine Neuigkeitsliebe, welche ihn immer wieder zum Studieren brachte, wenn er der burschikosen Lustbarkeiten, die ihn davon abhielten, überdrüssig war, und vorzüglich durch sein gutes Geschick, dass ihm Philipp zur Seite blieb, vor dessen wachsamer, kalter Vernunft er sich scheute, noch grössere Torheiten zu begehen. Wenn er aber doch ein ziemlicher Geck ward: so lag hauptsächlich die Schuld daran, dass er mehr Geld zu verzehren hatte, als ihm diente, weshalb er sich gewohnte zu schliessen, er könne zeitlebens so viel Geld ausgeben und so viel Zeit verschwenden, als ihm beliebte, und könne immer seinen Einfällen folgen, ohne zu sorgen, woher die Mittel dazu kämen.
Es scheint in Deutschland bei dem jetzigen Zuschnitte der Universitäten gleichsam mit Fleiss darauf angelegt zu sein, die reichen Studenten zu Gecken zu machen. Um die Armen bekümmert man sich auf der Universität so wenig wie in der Welt überhaupt und überlässt ihnen, Pedanten zu werden, es sei nun brauchbare oder unbrauchbare. Man legt überhaupt eine grosse Wichtigkeit auf die Studenten. Dahin zielet das Herrentum, welches ihnen die junge Magd und der Professor beilegt, und das Burschentum, welches ihnen die ganze Universität beilegt, nebst der Freiheit, ungestraft faul, liederlich und impertinent zu sein, wenn sie sonst wollen. Unsere guten Vorväter scheinen ausdrücklich Einrichtungen gemacht zu haben, um diese zügellosen jungen Wildfänge aus der grossen Kette der bürgerlichen Gesellschaft, für welche sie doch eigentlich sollen erzogen werden, ganz abzuschneiden und für sich zu isolieren. Sie sind sogar von aller bürgerlichen Gerichtsbarkeit ausgenommen und werden durch Professoren gerichtet, die grösstenteils von dem Wohlwollen dieser Wildfänge ihr kümmerliches Auskommen und, was ihnen als Weisen mehr wert ist, ihren kümmerlichen akademischen Ruhm zu erwarten haben. Den Dünkel, welcher der Wichtigkeit des Studentenstandes ankleben muss, predigt der ganze akademische Esprit de Corps. Der breite Stein, die akademischen Orden, das Kollett, die hohen Hutfedern, sogar die lahmen Gäule, worauf die wilden Jünglinge umherstolpern, alles gehet dahin. Ja, wir haben Beispiele, wenn die Obrigkeit nötig fand, gesetz zur Einschränkung des unanständigen Lebens zu geben, verliess die zügellose Jugend in förmlichem Aufruhre wider so weise Anordnungen den Ort, den ihr der Willen ihrer Eltern und Obern zur Erlernung nützlicher Kenntnisse angewiesen hatte. Da liess sich die Obrigkeit denn herab, Verträge mit den Widerspenstigen zu schliessen und sie, anstatt verdienter Strafen und Verweise, mit sehr unnötigem Prunke zurückzuholen; und die Lehrer liessen sich herab, zur Freude über die Wiederkehr der widerspenstigen Flüchtlinge Erleuchtungen anzustellen. Es kann also kein Wunder sein, dass Jünglinge, auf welche mehr Wichtigkeit gelegt wird, als auf sie gelegt werden sollte, von ihrer wahren Bestimmung so leicht abweichen und, anstatt zu brauchbaren Männern zu gedeihen, Gecken werden. Hauptsächlich gibt es zweierlei Arten von Geckerei, denen die jungen Bewohner der Universitäten gleich endemischen Krankheiten unterworfen sind. Erstlich die Geckerei im gemeinen Leben. Diese Krankheit befällt vorzüglich die reichen und vornehmen Studenten. Ihr könnt – Ausnahmen abgerechnet – beinahe gleich sicher darauf rechnen, dass ein junger Mensch, der auf Universitäten viel Geld zu verzehren hatte und also im hohen Tone lebte, wie ein beschwerlicher Geck in seine Vaterstadt zurückkommt, als dass derjenige, welcher sich auf Universitäten mit wohltätigen Stiftungen behalf und fleissig studierte, bei seiner Zurückkunft in Gesellschaft link und ängstlich sein wird. Es kostet gewöhnlich einige Zeit, bis jener durch guten Umgang so zahm gemacht wird und dieser dadurch soviel Gewandteit und Geselligkeit erhält, dass sie ein wenig erträglich werden.
Die zweite Krankheit, denen die Studenten gemeiniglich gegen das Ende ihrer Universitätsjahre und noch lange hernach unterworfen sind, ist die Geckerei in den Wissenschaften. Diese befällt, ohne Rücksicht auf Armut und Reichtum, nur denjenigen teil von ihnen, der etwas gelernt hat. Glücklich ist der sehr kleine teil der reichen und vornehmen Jünglinge zu preisen, der von dieser Krankheit noch kann angegriffen werden! Man muss ihnen dazu Glück wünschen, wie den reichen und vornehmen Alten, die noch Kraft haben, das Podagra zu bekommen. Hat ein Student, reich oder arm, etwas gelernt: so ist zehn gegen eins zu wetten, er wird eine zeitlang oder zeitlebens ein gelehrter Geck sein, wenn ihm sein gutes Geschick nicht eine besondere Bescheidenheit oder einen seltenen Bon-Sens verliehen hat. Er ist gemeiniglich zu voll von allerlei Wissenschaften und zu leer von der Hauptwissenschaft, die übrigen richtig anzuwenden. Er weiss so vieles, und weiss es so ganz gewiss; er entscheidet so vieles, und zwar ganz unwiderruflich; und es dauert abermal einige Zeit, bis er zu merken anfängt, dass