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extrahier' ich höchstens einen Geschichtschreiber als Absud), sind fortgefahren und haben so viel umgebracht, als der Plan ihrer historischen Einleitungen, ihrer Abrégés, ihrer Kaiserhistorien und Reichsgeschichten durchaus erforderte .... Kurz ich bin nicht zu entschuldigen, wenn ich hier gar nichts tot und interessant mache; und ich erschlage am Ende aus Not einen oder ein paar Lakaien, die noch dazu ausser Scheerau kein Henker kennt.

Ich fahre aber in meiner geschichte fort und rücke aus des Pestilenziarius Nouvelle à la main folgenden Artikel in meine für mehre Weltteile geschriebene Nouvelle à la main herein:

"Es bestätigt sich aus Maussenbach, dass der dasige Bediente Robisch Todes verfahren ist wie seine Mäuse. Sein Tod hat zwei medizinische schulen gestiftet, wovon die eine verficht, sein Sekten stiftender Tod komme von zu vielem Prügeln, und die andre, vielmehr von zu wenigem Essen."

Es ist nicht ein Wort daran wahr; der Mensch hat zwar Striemen und Appetit, lebt aber noch dato, und der Zeitungartikel ist erst seit einer Minute von mir selber gemacht worden. Das kühne Publikum ziehe sich aber daraus auf immer die Witzigung, dass es keinen Lebensbeschreiber reize und aufbringe, weil auch der durch die Kelchvergiftung seines Dintenfasses und durch das Rattenpulver seiner Streusandbüchse Robische und Fürsten und jeden umwerfen und auf den Gottesacker treiben könne; es lerne daraus, dass ein rechtschaffenes Publikum stets unter dem Lesen beben und fragen müsse: "Wie wirds dem armen Narren (oder der armen Närrin) ergehen im nächsten Sektor?" – –

Fussnoten

1 Diese wenigen Partien beschreib' ich nur kurz: Ruhestatt ist ein abgebranntes Dorf mit stehender Kirche, die beide bleiben mussten, wie sie waren, nachdem die Fürstin den Einwohnern Platz und alles eine Viertelstunde davon mit den grössten Kosten und durch hülfe des Herrn von Ottomars, dem es gehört und der noch nicht da ist, vergütet hatte. – Die Blumeninseln sind einzelne abgesonderte Rasenerhöhungen in einem Teiche, jede mit einer andern Blume geputzt. – Das Schattenreich besteht in einem mannigfaltigen Schatten-Gegitter und -Geniste, durch grosses und kleines Laubwerk, durch Äste und Gitterwerk, durch Büsche und Bäume verschieden auf den Grund von Kies, Gras oder wasser gemalt. Sie hatte die tiefsten und die hellsten Schattenpartien angelegt, einige für den abnehmenden Mond, andre für das Abendrot. – Das stumme Kabinett war ein schlechtes Häuschen mit zwei entgegengesetzten Türen, über deren jeder ein Flor hing und die durchaus keine Hand aufschliessen durfte als die der Fürstin. Noch jetzt weiss man nicht, was darin ist, aber die Flöre sind zerstört. Vierundzwanzigster oder XXI. Trinitatis-Sektor

Oefels Intrigendie Infammachungder Abschied

Schlecht genug ergehts ihm, wenn das fragende Deutschland anders unsern Gustav meinte. Oefel ist daran schuld. Ich will aber dem erschrocknen Deutschland alles eröffnen; die wenigsten darin wissen, warum dieser ein Romanschreiber und ein Legationrat ist.

Kein empfindsamer Offizierim Kadettenhause trug er Uniformhat weniger Kugeln und mehr Hemden und Briefe gewechselt als Oefel. Letzte wollt' er an alle Leute schreiben; denn seine Briefe liessen sich lesen, weil er selber las, und zwar belletristische Sachen, die er noch dazu nachmachte. Er war nämlich ein schöner Geist, hatte aber keinen andern. Sämtliche französische Buchhändler sollten eine närrische Dankadresse an ihn erlassen, weil er ihr sämtliches Zeug einkauftesogar gegenwärtige Lebensbeschreibung, worin er selber steht, wird einmal wieder bei ihm stehen, wenn er von ihrer Ausgabe und von ihrer Übersetzung ins Französische hört. Sich selber, Leib und Seele nämlich, hatte' er schon in alle Sprachen übersetzt aus seinem französischen Mutter-Patois. Die schönen Geister in Scheerau (vielleicht auch mich) und in Berlin und Weimar verachtete der Narr, nicht bloss weil er aus Wien war, wo zwar kein Erdbeben einen Parnass, aber doch die Maulwurfs-Schnäuzchen von hundert Broschüristen Duodez-Parnässchen aufstiessen und wo die daraufstehenden Wiener Bürger denken, der Neid blicke hinauf, weil der Hochmut heruntergucktsondern er verachtete uns sämtlich, weil er Geld, Welt, Verbindungen und Hofgeschmack hatte. Der Fürst Kaunitz zog ihn einmal (wenn es wahr ist) zu einem Souper und Ball, wo es so zahlreich und brillant zuging, dass der Greis gar nicht wusste, dass Oefel bei ihm gespeiset und getanzt. Da sein Bruder Oberhofmarschall und er selber sehr reich war: so hatte niemand in ganz Scheerau Geschmack genug, seine Verse zu lesen, als der Hof; für den waren sie; der konnte solche Verse wie die Graspartien des Parks ungehindert durchlaufen, so klein, weich und beschoren war ihr Wuchszweitens gab er sie nicht auf Druckpapier, sondern auf seidnen Bändern, Strumpfbändern, Bracelets, Visitenkarten und Ringen heraus. Unter andern Flöhen, die auf dem Ohrentrommelfell des Publikums auf- und abspringen und sich hören lassen, bin auch ich und donnere mit; aber Oefel ahmte keinen von uns nach und verachtete dich sehr, mein Publikum, und setzte dich Höfen nach: "Mich", sagt' er, "soll niemand lesen, wenn er nicht jährlich über 7000 Livres zu verzehren hat."

Künftigen Sommer reiset er als Envoyé an den **schen Hof ab, um die Unterhandlungen wegen der Braut des Fürsten, die schon neben ihrer Wiege angesponnen und abgerissen wurden, neben ihrem DoktorGrahams-Bette wieder anzuknüpfen. Der Fürst musste sich im grund mit ihr vermählen, weil ein gewisser dritter Hof, der nicht genennt werden darf, sie dadurch