Begeisterung über Tugend, natur und Zukunft. – Dann wehte eine heitere frische Luft durch seine Ideenwelt – die niedergestürzten Ergiessungen deckten den schönen lichten tiefblauen Himmel seines inneren auf, und Amandus stand unter dem offnen Himmel entzückt. Dieser, dem die Übermacht seines herzlich Geliebten ein Postament war, das ihn nicht belastete, sondern emporhob, genoss im fremden Wert seinen eignen; ja in seinem minder ausgelichteten Kopf entstand noch grössere Wärme, als im redenden war, wie etwa dunkles wasser sich unter der Sonne stärker als helles erwärmt. Gustav erzählte ihm den Vorfall und sprach mit ihm so lange über sein Recht und Unrecht dabei, bis sein Schmerz darüber weggesprochen war; dies ist das freundschaftliche Besprechen des inneren Schadenfeuers. Bloss Liebe und ein wenig Schwäche war es, dass Amandus mit grösserer Teilnahme eine herausgeweinte als eine hervorgelachte Träne aus dem geliebten fremden Auge wischte; er kam deswegen, um sich das Interesse an fremdem Kummer zu verlängern, noch einmal auf die Sache und tat die zufällige Frage, wo mein Held die übrigen fünf Tage war. Gustav überhörte es ängstlich und rot – jener drang heftiger an – dieser umfasste ihn noch heftiger und sagte: "Frage mich nicht, du quälest dich nur." – Amandus, dessen hysterisches Gefühl nicht so fein als konvulsivisch war, feuerte sich erst recht damit an – Gustavs Herz war innigst bewegt, und daraus kamen die Worte: "O! Lieber, du kannst es nie erfahren, von mir nie!" – Amandus war wie alle Schwache leicht zur Eifersucht in Freundschaft und Liebe geneigt und stellte sich beleidigt ans Fenster. – Gustav, heute nachgiebiger und wärmer durch das Bewusstsein seiner neuesten Vergehung in der Korn-Anklage, ging hin zu ihm und sagte mit nassen Augen: "Hätt' ich nur keinen Eid getan, nichts zu sagen" – Aber an Amandus' Seele waren nicht alle Stellen mit jenem feinen Ehrgefühl bekleidet, an welchem Wortund Eidbruch fressender Höllenstein ist. Auch setzten in ihm wie in allen Schwachen die Bewegungen seiner Seele, sogar wenn die Ursache dazu gehoben war, wie die Wellen des Meers, wenn auf den langen Wind ein entgegenblasender folgt, noch die alte Richtung fort. – Er sah also weiter durchs Fenster und wollte vergeben, musst' aber die mechanisch aufspringenden Wellen allmählich zusammenfallen lassen. Hätte Gustav sich weniger um seine Vergebung beworben: so hätt' er sie früher bekommen; beide schwiegen und blieben. "Amandus!" rief er endlich im zärtlichsten Ton. Keine Antwort und kein Umkehren. Auf einmal zog der einsame Gequälte das Porträt des verlornen und ihm ähnlichen Guido, das in seinen schönen Kindheittagen über seine Brust gehangen worden und das er ihm heute zu zeigen willens gewesen, vom Schmerze übermannt, hervor und sagte mit zerschmelzendem Herzen: "O du gemalter Freund, du geliebtes FarbenNichts, du trägst unter deiner gemalten Brust kein Herz, du kennst mich nicht, du vergiltst mir nichts, – und doch lieb' ich dich so sehr. – Und meinem Amandus wär' ich nicht treu?" – – Er sah plötzlich im Glase dieses Porträts sein eigenes mit seinen Trauerzügen nachgespiegelt: "O blicke her;" (sagte er in einem andern Tone) "ich soll diesem gemalten Fremden so ähnlich sehen, sein Gesicht lächelt in einem fort, schau aber in meines!" – und er richtete es auf, und weit offne, aber in Tränen schwimmende Augen und zuckende Lippen waren darauf. – – Die Flut der Liebe nahm beide in fester Umfassung hinweg und hob sie – und als Amandus erst darnach seine halbeifersüchtige Frage: "er habe geglaubt, das Porträt sei Gustavs" mit Nein und mit der ganzen geschichte beantwortet erhielt: so tat es keinen Schaden; denn die Bewegungen seines Herzens zogen schon wieder im Bette der Freundschaft hin.
Nach solchen Erweiterungen der Seele bietet eine stube keine angemessenen Gegenstände an; sie suchten sie also unter dem Deckengemälde, von dem nicht ein gemalter, sondern ein lebendiger Himmel, nicht Farbenkörner, sondern brennende und verkohlte Welten niederhängen, und gingen hinaus ins stille Land, das keine halbe Stunde von Scheerau liegt. Ach, sie hättens nicht tun sollen, wenn sie ausgesöhnet bleiben wollten!
Willst du hier beschrieben sein, du stilles Land, über das meine Phantasie so hoch vom Boden und mit solchem Sehnen hinüberfliegt – oder du stille Seele, die du es noch in der deinigen bewachst und nur ein irdisches Bild davon auf die Erde geworfen hast? – Keines von beiden kann ich; aber den Weg will ich nachzeichnen, den unsre Freunde dadurch nahmen, und vorher teil' ich noch etwas mit, das den sonderbaren Ausgang ihres Spaziergangs gebar.
Ich wusste ohnehin nicht recht, wohin ich den Brief tun sollte, welchen Beata sogleich nach meiner und ihrer Rückkehr von Maussenbach an meine Schwester schrieb. Sie war in den wenigen Tagen, die sie mit meiner Philippine bei der Residentin zugebracht, ihre Freundin geworden. Die Freundschaft der Mädchen besteht oft darin, dass sie einander die hände halten oder einerlei Kleiderfarben tragen; aber diese hatten lieber einerlei freundschaftliche Gesinnungen. Es war ein Glück für meine Schwester, dass Beata keine Gelegenheiten hatte, ihrem sie halb bestreifenden Widerschein von Gefallsucht zu begegnen; denn Mädchen erraten nichts leichter als Gefallsucht und Eitelkeit, zumal an ihrem Geschlecht.
"Liebe Philippine,
ich habe bisher immer gezögert, um Ihnen einen recht muntern Brief zu schreiben – Aber, Philippine, hier mach' ich keinen. Mein Herz