z.B. bessere Polizei-, Schul- und andre Anstalten, einzelne Dekrete etc.) dem Arzneieinnehmen des Nerven-Schwächlings gleiche, der gegen die Symptome und nicht gegen die Krankheitmaterie arbeitet und der sein Übel bald wegschwitzen, bald wegbrechen oder weglaxieren oder wegbaden will.
Zweiundzwanzigster oder XVIIII.
Trinitatis-Sektor
Der echte Kriminalist – meine Gerichtalterei – ein
Geburttag und eine Korn-Defraudation
Als ich am Donnerstag darauf meinen Gustav besuchen und ein wenig belehren will: hat ihn Herr von Oefel aus einer Ursache, die bloss ein ganzer Sektor vor- und auswickeln kann, mit einigen Husaren an die Grenze verschickt, wo sie einen Frucht-Kordon bildeten, der kein Korn hinaus- und keinen Pfeffer hereinliess. Da die meisten Bewegungen des volkes sich von peristaltischen anfangen: so wollten es manche feine Leute gerochen haben, der Landesvater täte die Sache, damit seine Landskinder etwas zu brocken und zu beissen hätten.
Ich bekam aber am Ende die grösste Teufelei damit, und man soll es jetzt hören, aber nur von vornen an.
Nämlich so: das grosse Rittergut Maussenbach hat, wie bekannt, die Obergerichtbarkeit, obgleich ich und der Rittergutbesitzer, Herr Kommerzien-Agent von Röper, darüber aus entgegengesetzten Gründen ärgerlich sind. Ich bin ärgerlich, weil ich das Leben, wenigstens die Ehre von einigen hundert Menschen nicht in den Händen eines ganzen römischen volkes, sonGerichterr ist ärgerlich, weil der Blutbann nichts einträgt, da es mehr kostet, das Richtschwert schleifen zu lassen, als alles abwirft, was damit in den Beutel hineinzumähen ist. "Ehebruch ist für eine malefizische Obrigkeit noch das einzige!" sagt der Erbherr. – Ganz das Gegenteil sagte sein Gerichtalter Kolb; hohe Frais war seine hohe Oper, peinliche Akten waren ihm Klopstocks Gesänge und ein Scherge sein Orest und Sancho Pansa – Er hätte die Welt in zwei Reihen zerteilet, in die aufhängende und in die aufgehangne Reihe, und er wäre Kriminalist geblieben – Ein unrasierter Malefikant im Karzer war ihm ein sinesisches Goldfischchen in einer gläsernen Bowle, beide wurden Gästen vorgestellt – Freie Spitzbuben-Pürsch nur in ein paar Weltteilen wäre seine Sache und Lust gewesen – Mich hasste er auf den Tod, weil ich ihm einmal einen vom tod ins Zuchtaus wegdefendieret hatte – Er besass die Sterbelisten aller Hingerichteten und eine Matrikul oder ein genealogisches Saatregister aller Räuber (Ehrenräuber ausgenommen), die in allen deutschen Kreisen zu ernten standen, und wahre Spitzbuben waren für ihn, was für den biographischen Plutarch gutgesinnte Menschen. Kurz er war ein echter Kriminalist, ganz wie ihn die alten deutschen oder neuen englischen gesetz haben wollen; denn nach beiden soll jeder bloss von seinesgleichen gerichtet und verdammt werden; Kolben aber musste jeder Spitzbube und Mörder für einen ebenso grossen halten, und Inkulpat konnte mitin sagen, dass er die Rechtswohltat genösse, von einem seinesgleichen gerichtet zu werden. Ich kenne nicht viele ebenbürtige Malefizräte und Fakultisten, auf welche dieses anzuwenden wäre.
Das verdross Röpern ungemein; denn sein Malefizrat zog ihm alle Monate einen kostensplitterigen Fraisfall zu; und hohen Frais-Gerichterrn ist doch nicht sowohl mit der Einfangung als Beerbung der Inquisiten gedient. Kurz als der Amtmann eine neue Galgenrekruten-Aushebung im Maussenbacher wald vorzunehmen gedachte – woran vielleicht Robisch schuld war –: so stellte Herr von Röper diese DiebPressgänge dadurch ab, dass er seinem Malefizrat so viel Grobheiten antat, als dazu vonnöten waren, dass der Amtmann nichts tun konnte als abdanken.
Er tat doch noch etwas, der Schelm, er malte meine Wenigkeit ab. Da er mein Defensorat nicht vergessen konnte, so verwaltete er das Fiskalat und sagte zu Röpern, ich taugte nichts, ich wäre ein Mensch, der ihn und mehre Edelleute hasste und der den feinsten Hofton hätte; Paul nähme jeden Prozess von Untertanen gegen ihre Lehnherrn an und hätte selber einmal gegen den Herrn Kommerzien-Agenten die Feder geführt. – Du elender Kolb! warum sollen Einbeine das nicht tun? – Meine wichtigsten Prozesse sind noch heute keine andern. – Und warum soll nicht gar ein Vorschlag wirklich werden, den ich sogleich tun will? Der, dass man nach dem Muster der Armen-Advokaten Untertanen-Advokaten einführt, die bloss gegen Patrimonialgerichte wie die Malteserritter gegen Ungläubige fechten. –
Ich hab' es aus Röpers eignem mund; denn kurz, er installierte mich doch zum Maussenbacher – Amtmann, die Advozier- und Lesewelt erstaune, wie sie will. Die Kolbischen Angriffe waren eben meine Wendeltreppe zu diesem Gerichtstuhle. Mein Gerichtprinzipal muss zu seinen ewigen Kämpfen mit allen Instanzen und Edelleuten einen juristischen Taureador, einen hitzigen Federmesser-Harpunierer haben; Kolb sagte aber, ich wäre einer. Zweitens präsentierte mir Herr von Röper den Gerichtstuhl, weil ich weder ritt (des kurzen Beines wegen) noch fuhr (des seekranken Magens wegen) und mitin zur Justizpflege ohne den Pferde-Nachtrab, den sein Stall bisher zu apanagieren hatte, gegangen kam. Für Rezensenten und deren Redakteurs wird der Wink kein Schade sein, dass sie bedenken mögen, dass sie von nun an Papier nehmen und einen Mann rezensieren, der nicht etwa wie sie nichts ist, sondern einen, der so gut richtet wie sie, aber über ein reelleres Leben als das literarische, und der solche Rezensenten selber henken kann, wenn sie in seinem Gerichtsprengel etwas anders stellen als Ehre.
Jetzt kommt die Hauptsache. Ich war zum erstenmal als Richter in Maussenbach und trat meine Amtmannschaft an. Es ging alles recht gut, ich und Untertanen wurden einander vorgestellt