abwägen kann, was er tut." Sie wurde nicht eher kalt, als bis er hitzig wurde; dieses merkte sie daraus, wenn er wie Sokrates stumm wurde und seine Hand mit seiner herabgerissenen Schlafmütze bewaffnete und beflügelte. So heiss ihr vor seinem einschlagenden Gewitter seine stechende Sonnenfreundlichkeit vorkam: so unangenehm kalt war ihr nach demselben sein Gewölke; kurz beide spielten vor und nach dem Kampfe umgekehrte Rollen. Diesesmal traf ihr Zorn eine Wetterscheide an und zog sich ganz über den, der unter den ziegenköpfigen Vasen auf der Bergere sass, auf den Rittmeister. Dieser liess auf die erste Zeitung dieses ekelhaften Krieges sein Wintergeräte in Scheerau einpacken und das Sommergeräte in Auental auspacken und ging – zwar.
Aber er wäre beinahe geblieben.
übrigens wünsch' ich dieses geschilderte schlagfertige Ehepaar mit seinen Ehe- und Schlagringen nicht zu sehr von der feinern Ehewelt, die sich nie ausprügelt, verachtet zu sehen; denn wahrlich die ätzenden Giftworte, die das raffinierte Ehepaar einander zutröpfelt, das verhaltene, wie ein Blasenpflaster ziehende Kränken, womit sie einander wund und heil machen wollen, reisset die Wunde bloss tiefer unter der Haut und macht zwar nicht den Chirurgus, aber wohl den Doktor nötig.
Jetzt will ich berichten, warum der Rittmeister beinahe geblieben wäre.
Hoppedizel hatte ausser ihm an einem Nachmittag fünf Leute bei sich, den Gerichtalter Kolb, den Flössinspektor Peuschel, einen alten Karmenmacher, einen Hofzimmerfrotteur und einen Hofjunker; denn was wird der Leser nach Zunamen dieses volkes fragen? Er zog erstlich den Gerichtalter beiseite und sagte zu ihm: "heute sollt' er einen Spass machen und den vier andern Herren mit gefärbtem wasser, das sie für Wein hielten, zutrinken, damit diese sich in wahrem Wein besöffen." – – "Recht gut!" sagte der Gerichtalter, "sie sollen alle an den Gerichtalter gedenken." Das nämliche sagte der Professor dem Flössinspektor, dem Karmenmacher u.s.w.; alle antworteten: "Recht gut! sie sollen alle an den Flössinspektor, an den Karmenmacher u.s.w. gedenken." Jeder wollte vier Mann zum Narren haben; der Professor wollte fünf Mann dazu haben – allen gelang es.
Abends wurden fünf Körbe gefärbtes wasser ins Zimmer getragen; jeder rückte hinter sein Schenktischchen und schraubte den Korkstöpsel vom QuasiWein ab. Die ersten Flaschen Bouteillenwasser wurden still von der Gesellschaft eingezogen; wahre Pfiffigkeit musste der Lust- und Wasserpartie diesen Schein stufenweiser Berauschung vorschreiben.
Nun aber hob das Sonnensystem sein Wasserziehen an. "Der Wein könnte stärker sein", sagte jeder und wollte jeden betrügen. Der Gerichtalter mit rosenroter Nasenknospe spritzte seinen Kadaver statt des Spiritus mit mehr wasser aus, als er in seiner ganzen Ewigkeit a parte ante selbst getrunken oder gep·ss·t, oder aus fremden Augen gedrückt. Ein Mensch, der so wasserhaltig wie er wird, dass er sich schwer aufrecht erhält vor Nüchternheit, macht andern Trunkbündnern leicht glaublich, es sei vor Betrunkenheit; und alle lächelten sehr, da er lachte.
Der Flössinspektor Peuschel leitete einen ganzen Wasserschatz in den Magen und machte seine Blutadern zu Wasseradern; aber er ärgerte sich halb, dass er die andern mit seinem Schein-Gesöff betrügen musste, und sehnte sich heimlich statt der verstellten Betrunkenheit nach echter.
Der Zimmerfrotteur mazerierte und laugte sich im grund durch das geschminkte wasser aus und ersäufte beinahe sein gallisches Übel – so schluckte der Schadenfroh.
Dem Hofjunker, der sich fast den Magen entzweisoff, schlugs schlechter zu; drei Tage nachher schmolz er an einer incontinentia urinae hin. – Bloss durch den zellulösen Karmenmacher fuhr eine ganze aufgefärbte Sündflut ohne Schaden glatt hinein und hinaus; er sah aber munter und satirisch herum und lauerte darauf, wenn sein Nächster hinter den vier Tischen besoffen wäre.
etwa eine flammende Scheune wäre mit ihren Walfisch-Bescheiden zu retten gewesen .... Nun kam die Zeit, da jeder betrunken scheinen musste, wer Spass verstand – sie diskutierten und lallten widereinander mit überschweppender bäumender Zunge – der Junker und Frotteur streckten sich gar in die stube als zwei Lagerbäume hin, und ihre bauschenden Unterleiber, sollte die Welt denken, lägen als Weinschläuche auf den Bäumen – der Amtmann machte die Augen zu, das Maul auf – der Karmenmacher stellte sich vor, am tollsten und plausibelsten würde' er es machen, wenn er erstlich gleich wahren Betrunknen vorschwüre, er sei nüchtern, und zweitens, wenn er so gegen die Bettpfoste umsänke, dass er ein wahres Löchelchen kriegte. Er hatte sich auch glücklicherweise eine Wunde verschafft, die grösser war als seine Trunkenheit, und wollte aus Rache mit der Nachricht vorbrechen, er habe die Vierherren zum Narren und bloss wasser gehabt – der Professor wollte auch alles heraussagen, wie alles und der Wein wäre – die andern wolltens auch und lachten schon sämtlich voraus: als zum Unglück der längst übersättigte Flössinspektor sich zum Frotteur abgeschlichen und diebisch statt eines Gegengiftes und Konfortativs gegen seinen nachgedruckten Wein die vorgebliche Originalausgabe desselben gekredenzt hatte aus des Frotteurs oder Reibers Kelch .... es war auch wasser darin wie in seinem – blitzschnell und halbnärrisch kredenzte er die Kelche aller Wassergötter – in allen war wasser – da fuhr er mit allen heraus – und die ganze Marine kredenzte fliegend herum, und jeder sollt' es im Ernste sagen, ob er toll und voll wäre. – Leider war die ganze Spassbrüderschaft nüchtern. Der Rittmeister, dem solche Scherze lieber waren als Fastnachtühner, verwandelte aus Liebe zur Moral die allgemeine Verstellung der Betrunkenheit in reine Aufrichtigkeit und vollführte es