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leeren Bogen seinen Namen schmieren liesse? – Das Kind schriebe ohne Ekel seine Unterschrift auf so viele Bogen, als es in seiner ganzen Regierung nur bedürfedie Bogen legte man bis zur Krönung des Kindes zurückund dann, fuhr er fort, wenn es genau überschlagen wäre, wie oft ein Kollegium seinen Namenzug jährlich haben müsste, wenn folglich am Neujahrtage die nötige Zahl signierter Ries Papier zum Gebrauche aufs ganze Jahr den Kollegien zugeteilt würde: was hätte nachher das Kind unter seiner Regierung für Not?

Ende der Extragedanken

Noch ein Wort: nach neun Wochen tat dem Doktor die Rache mit dem Kräuterbuche, wie jedem guten Menschen die kleinste, wieder wehe. "Das Herbarium", sagte er, "ärgert mich, sooft ich hineinklebe; aber es ist gewiss wahr, ein Mann sei immerhin durch alle Residenzstädte bescheiden passiert: unter dem Tor seiner Vaterstadt fährt der Hochmutteufel in ihn und macht mit ihm die ersten Besucheseine guten Landsleute, will er haben, sollen während seiner Reise vernünftig geworden sein."

Fussnoten

1 Sogar Kinder im Mutterleibe. S. Allgem. deutsche Bibl. Bd. 67. S. 138.

Eilfter Sektor

Amandus' Augendas Blindekuhspiel

Die Sympatie, welche Erwachsene in der ersten Viertelstunde ablaktiert, fügt auch oft Kinder aneinander. Unser Paar lief einander täglich über vierzigmal in die arme und herzte sich. Ihr guten Kinder! seid froh, dass ihr eure Liebe noch stärker ausdrücken dürfet als durch Briefe. Denn die Kultur schneidet dem Ausdruck der Liebe das Gebet des Körpers immer kleiner vordiese hagere Gouvernante nahm uns erstlich den ganzen Körper dessen weg, den wir liebendann die Hand, die wir nicht mehr drücken dürfendann die Knöpfe und die Achseln, die wir nicht mehr berühren dürfenund von einer ganzen Frau gab sie uns nichts zum Küssen zurück als (wie ein Gewölle) den Handschuh: – wir manipulieren einander jetzt alle von ferne. – Amandus hing mit seinem mehr weiblichen Herzen an Gustavs mehr männlichem mit aller der Liebe, die der Schwächere dem Stärkern reichlicher gibt, als er sie ihm abgewinnt. Daher liebt die Frau den Mann reiner; sie liebt in ihm den gegenwärtigen Gegenstand ihres Herzens, er in ihr öfter das Gebilde seiner Phantasie; daher sein Wanken kommt. Dieses Vorredchen soll nur eine Anfurt zu einer kleinen Schlägerei zwischen unserem kleinen Kastor und Pollux sein.

Sie waren nämlich ungern so lange auseinander, als die Augen auf- und zugebunden wurden. Sooft der Verband wegkam, stellte sich Gustav vor ihn und verlangte durchaus, er sollte ihn sehen, und tat seinen Finger sich an die Nase und sagte: "Wo tipp' ich jetzt hin?" Aber er examinierte den Blinden nicht sehend. Nach einer wöchentlichen Abwesenheit fuhr Amandus auf ihn zu: "Schieb mein Band auf," sagte er, "ich kann dich gewiss auch sehen wie meinen Katzenheinz!" Da Gustav es aufgelüftet hatte und da er wirklich in das Auge des operierten Freundes einging, ganz wie er war, mit allem, mit Rock, Schuhen und Strümpfen: so war er froher als ein Patriot, dessen Fürst die Augen oder den Verband aufmacht und ihn sieht. Er inventierte sein ganzes Bilderkabinett vor seinen Augen mit einem ewigen "Guck!" bei jedem Stück. Aber weiter! Die Welt wird wenig davon wissendie kleinen Partikelchen derselben ausgenommen, die Kinder, von denen eben ich reden will –, dass diese bei Hoppedizel Blindekuh gespielet. Ein fatales Spiel! wenn Mädchen dabei sind, wie hier war, zumal so schlimme wie des Professors seine! Amandus liess sich in das Spiel ein und rannte hinter seinem Schnupftuch, das weibliche Pfiffigkeit über seine Augen gefaltet hatte, im Zimmer umher, nichts fangend als entkörperte Kleider. Zum Unglück stiessen die Mädchen unter dem Ofen, worunter sie gegen alle gute Spielordnung geschlichen waren, auf die volle Milchschüssel des Spitzhundes. Da sie nun damals zu wenige Moralphilosophen gelesen, obgleich deren genug gesehen hatten: so schoben sie, aus Mangel an reiner praktischer Vernunft, die Schüssel so weit leise vor, dass der greifende Häscher ohne Mühe hineintrampelte und drüberschlug. Gustav musste als Kind ein wenig lachen. Auf ihn schoben es die Sünderinnen und riefen: "O du! wenn nun Amandus ein Unglück genommen hätte!" Er riss sich von den nassen Scherben auf und puffte dem Gustav, der ihn tröstend bei den Händen fasste, ein wenig hinten ans Schulterblatt, da, wo nach den Kompendien der Milchsaft mit dem Blut zusammenrinnt. "Ich hab's doch nicht hingestellte", sagt' er. – "Ja, ja! und hast mir nichts gesagt", versetzte der Blinde und stiess ihn wieder, aber heftiger und doch weniger zornig. – "Schlag immer! ich hab' dir nichts getan", und die stimme brach meinem guten Heldenjener schlug wieder nach und sagte: "Ich bin dir auch gar nimmer gut", aber so, als würde' er sogleich zu weinen anfangen. – "Ach du hast dir gewiss einen Splitter eingestochen?" fragte Gustav mit der mitleidigsten stimmemitten im Versuch zu einem neuen Stosse glitt die dünne Eisrinde vom erwärmten Herzen Amandus' herunter, er umfasste den Unschuldigen und sagte unter hellen Zähren: "Du hasts ja nicht getan, und ich geb' dir all meine Spielware: schlag mich doch recht!" und schlug sich selber. – – Bloss die