und L'hombrespieler, sondern auch Romanenleser müssen ein gutes Gedächtnis haben, um die ersten 10 oder 12 Sektores gleichsam als Deklinationen und Konjugationen auswendig zu lernen, weil sie ohne diese nicht im Exponieren fortkommen. Bei mir steht kein Zug umsonst da; in meinem buch und in meinem Leib hängen Stücke Milz; aber der Nutzen dieses Eingeweides wird schon noch herausgebracht. – Da ein Romanschreiber wie ein Hofmann bloss darauf hinarbeiten muss, dass er seinen Freund und Helden stürze und in geladene Gewitter führe: so bild' ich seit einem Quartale am Himmel hie ein graues Wölkchen, das schwindet, dort eines, das zerläuft; aber wenn ich endlich alle Zellen des Horizonts unsichtbar elektrisiert habe: fass' ich den ganzen Teufel in ein Donnerwetter zusammen – nach dem Abdruck von 14 Bogen kann der Setzer das Krachen schon hören und setzen. – – Im grund ist freilich kein Wort wahr; aber da andre Autoren ihre Romane gern für Lebensbeschreibungen ausgeben: so wird es mir verstattet sein, zuweilen meiner Lebensbeschreibung den Schein eines Romans anzustreichen.
Das Kind gab statt seiner geschichte bloss die Klagen über seine geschichte. Es schien über sieben Jahre alt, akzentuierte das Deutsche italienisch, und sein kränklich zarter, blassroter Körper legte sich um seine Seele, wie ein bleiches Rosenblatt um das Würmchen darin. Sein Vater hiess Doktor Zoppo, kam aus Pavia, botanisierte sich aus Italien nach Deutschland und liess die Kleinen unterwegs gelbe Blumen reissen. Der blinde Amandus wollte in diesem wald auch Kräuter pflücken; aber die teuflische Augenärztin traf ihn, half ihm gelbe Blumen finden und lockte ihn damit so tief in den Wald hinein, dass sie ihm Kleider und Augen rauben konnte.
Gustav fragte ihn jede Minute, ob er noch nicht sähe, schenkte ihm sein Morgenbrot, damit er nicht mehr weinen sollte, und konnte seine Blindheit, da seine Augen so offen waren, nicht begreifen. Im nächsten Landstädtchen liess sich Falkenberg rasieren und Amandus verbinden. Ich sah einmal auf der letzten Station vor Leipzig eine so reizende Querbinde über der Stirn und dem Auge eines Mädchens, dass ich wünschte, meine Frau würde von Zeit zu Zeit dortin geritzt, weil es nett ausfällt; hingegen Amandus' Verband über zwei Augen machte ihn zu einem kind des Jammers.
Da Amandus in besserer Einkleidung und mit der traurigen Binde im Wagen sass: konnte Gustav gar nicht zu weinen aufhören und wollte ihm seinen Matz herauslangen und schenken; denn nicht die Grösse, sondern die Gestalt des Leidens bestimmt das Mitleiden.
Wenige Menschen, die nach Scheerau fahren, werden das närrische Glück haben, dass ihnen zwei Stunden davor ein einsamer Magen ohne den PertinenzMenschen aufstösset; Falkenberg und seine Leute und Pferde hatten dieses Glück. Es kam angefahren der Magen, das dünne und dicke Gedärm, die Leber, worin die Fürsten ihre Galle sieden, die Lunge, deren Luftbläschen die fürstliche Gallenblase sind, wie die Luftröhre der Gallengang derselben ist, und das Herz; aber kein Leichnam kam mit; denn der Leichnam, der regierender Herr von Scheerau war, lag schon in der Erbgruft. Dieser ganze Magen verdaute so viel wie sein Gewissen, nämlich ganze Hufen Landes; und besser als sein dünner Kopf, dem Wahrheiten und Gravamina eine schwere Speise waren; die papinianische Magenmaschine blieb noch im Alter feurig, als schon alles andre kindisch war. Er ritt, kurz vor seinem tod, stundenlang einen – Kammerherrn, den er wohl leiden konnte; gleichwohl schob er wie ein ganz Verständiger den Teller und das Glas weg, wenn nicht der alte rechte Inhalt in beiden war. Hinter dem Eingeweidesarge – dem Reliquienkästchen des Unterleibes – fuhren der Obristküchenmeister, einige Beiköche, der Hofkellereiadjunkt und noch grössere Glieder des Hofetats – z.B. der Medizinalrat Fenk. Dieser und Falkenberg bemerkten einander nicht. Letzter stiess heute auf lauter Seltenheiten, auf den Doktor, den er in Italien, und den Fürsten, den er noch auf der Erde suchte. Die gekrönten insolventen Eingeweide, die ihm auf diese Weise das Geld nicht zahlten, verwickelten ihn nun mit dem Kronerben in ein Gläubigergefecht.
Der Leichenzug des fürstlichen Gedärms ging in die Abtei Hopf, wo das Erbbegräbnis derer fürstlichen Glieder war, die – wenn dem Plato ein Wort zu glauben ist – wahres Vieh sind und mit denen der Mensch, er überschnüre sie mit Ordenbändern oder Tragriemen, allemal seine Höllennot hat. Ich will der Darmkapsel nur drei Schritte nachziehen, weil der Medizinalrat jetzt – nach seiner lustigen Sitte, an allen Orten, in Teater- und Kirchenlogen und Gastöfen, nur in seinem Museum nicht, zu schreiben – in der Begräbniskirche der Eingeweide seine Schreibtafel aufwickelte und Sachen hineinschrieb, die wahrhaftig so lauten: "Da Fürsten sich an mehren Orten auf einmal beerdigen lassen, wie sie auch so leben, so möchte' ichs auch – allein nicht anders als so: mein Magen müsste in die Episkopalkirche beigesetzt werden – meine Leber mit ihrer bittern Blase in eine Hofkirche – das dicke Gedärm in ein jüdisches Betaus – die Lungenflügel in eine Simultan- oder doch Universitätkirche – das Herz in die triumphierende, und die Milz in ein Filial. Wenn ich aber erster Leichenprediger eines gekrönten Unterleibes wäre: so hätt' ich einen andern gang; ich nähme den Schlund zum Eingange der – Trauerrede und den Blinddarm zum Beschluss! Und könnt' ich nicht in den drei Teilen der Predigt die drei Konkavitäten durchgehen, darin die edlern Teile des Körpers flüchtig berühren und endlich auf den letzten Wegen desselben mich weinend und