wenig wäre – und da einen hitzigen Rittmeister nichts noch mehr aufbringt als ein stolzer Beweis dessen, was er gar nicht leugnet: so gings wie allemal los – die Zungen-Streitflegel bewegten sich – seine Speicheldrüse, ihre Tränendrüse und beider Lebern mit Gallenblasen sonderten so viel ab, als in christlichen Ehestunden gesondert werden muss – aber 15 Minuten und 15 Packereien sogen wie Blutadern alle diese ehelichen Absonderungen wieder ein. Beim Abreisen hat kein Mensch Zeit, sich zu erbosen.
– Sie war auf meine Ehre eine recht gute Frau, aber nur nicht allemal, z.B. beim Abreisen am wenigsten: sie wollte erstlich dableiben und keifte in alle hörende Wesen hinein, zweitens wollte sie fort. Niemals, wenn ihr Mann am Morgen sich und seinem Hunde den Halsschmuck umlegte, um Besuche zu machen, begehrte sie mit (sie müsste denn die völlige Unmöglichkeit mitzukommen vorausgesehen haben): sondern wenn er am zweiten Tage nur ein Wort von einer Dame, die mit dagewesen, schiessen liess: so klagte sie ihm ihre Not: "Unsereine riecht nun den ganzen Sommer nicht aus dem haus hinaus." Wollt' er sie das nächste Mal mitzwingen: so war entsetzlich zu tun, es war zu bleichen, zu jäten, Fleischfässer und Serviettenpressen zuzuschrauben, Wäschzettel und alles zu machen, oder das vorzuschützen: "Ich bin am liebsten bei meinem Kleinen." Allein ihre Absicht, die wenige errieten, war bloss, an zwei Orten auf einmal zu sein, in und ausser dem haus – und es ist für unsre Weiber schlimm, wenn unsre Philosophen und Männer nicht so viel einsehen, wie die katolischen Philosophen und Männer, die kombrischen, Ariaga, Bekanus, längst einsahen1, dass der nämliche Körper leicht zur nämlichen Sekunde an zwei Orten oder mehren nicht nur auf einmal sitzen, reden, wachsen, sondern auch in der einen Stadt empfinden könne, indem er in der andern denkt, – zu gleicher Zeit in der Kirche lachen und in dem Teater weinen könne. – –
Extrablättchen
Sind die Weiber Päpstinnen?
Alle fragen dieses Blättchen tat ich an eine Äbtissin, die lieber Münzen als Fromme machen liess. Ist nicht die dreifache Krone des Papstes jetzt auf den weiblichen Köpfen als eine vier-, fünffache da, und schossen nicht ihre Hüte in die Höhe wie Salat in den Hundstagen? – ist es nicht den Weibern selber schon bekannt, dass sie so untrüglich sind wie der Papst, und wenn dieser es mehr in dogmatischen als in historischen Dingen ist, wie die Jansenisten glauben, ist es bei den Päpstinnen nicht umgekehrt?- Und wer hat den Mut, eine zu widerlegen, die er nicht geheiratet? Der Papst ist Gottes Vizekönig oder gar Gott selbst, wenn dem Felinus2 zu glauben; sind aber die Päpstinnen nicht bekannte Göttinnen? – Allerdings sagt ein Papst selbst, Klemens VI., dass er Engeln befehlen könne, jeden Kerl aus dem Fegefeuer in den Himmel zu spedieren3; brauchen aber unsre Päpstinnen Engel dazu? Bloss eine Woche brauchen sie, um uns ins Fegefeuer, und eine Stunde, um uns zurück in den Himmel zu werfen. – Marianus Soccinus, welcher behauptet4, dass ein Papst aus Nichts Etwas, aus Unrecht Recht und aus allem Henker allen Henker machen könne, muss nur nicht glauben, dass unsre Päpstinnen es nicht auch vermögen, und sind ihm ihre Ohrenbeichten nicht erinnerlich? – Wer exkommuniziert seine Ketzer, oder dispensieret seine Rechtgläubigen öfter, Päpste oder Päpstinnen? – Und wer macht heutzutage, durchlauchtige Äbtissin, allmächtigere Augenbreven und Lippenbullen, wer kreieret mehr Heilige, mehr Selige und mehr Nuntien a und de latere? Petri Nachfolger oder Petri Nachfolgerinnen? – Päpste sollen sonst immerhin Königreiche weggeschenkt oder abgenommen haben; beherrschen nicht Päpstinnen diese Königreiche? – Päpste konnten von Amerika nichts verschenken als den Namen; ist aber nicht das, was einige Päpstinnen von diesem land uns mitteilen, etwas viel Reelleres? – Könige, die sonst von Päpsten gequält wurden, werden jetzt von Päpstinnen beglückt; und wenn jene höchstens einen oder ein paar Könige schufen, werden nicht die Könige unter den meisten europäischen Tronhimmeln von Päpstinnen gemacht, und zwar in niedlichem Taschenformat, bis sie aus der Taufschüssel nach und nach heranwachsen, dass sie so lang sind wie ich oder ihr Tron? – Küssen wir ihnen nicht den Pantoffel öfter als dem seligsten Vater, indem die zwei arme vom Professor Moskati zu Padua längst als zwei Vorderfüsse befunden worden, auf deren lederne oder seidne Schuhe wir alle Wochen unsre Lippen drücken? – Legen nicht Papst und Päpstin den alten Namen ab, wenn sie den Tron beschreiten, den der eine durch Alter, die andre durch Jugend behauptet? – Und wenn es wahr wäre, dass Papst und Päpstin ursprünglich nur Bischöfe einer Provinz (eines Mannes) sein sollen und dass es weiter keine Päpstin gibt als die gute Johanna: würde' ich wohl gerade das Gegenteil öffentlich in einem Extrablättchen oder heimlich zu Ihnen zu sagen wagen, durchlauchtige Äbtissin? –
Ende des Extrablattes
Fortsetzung des vorigen Sektors
Während ich die Äbtissin befragte: kam ich von der wildlaunischen Rittmeisterin weg. Ich will setzen, ich oder der Leser hätten sie geheiratet: so würden wir zwar dem Himmel danken, an ihren Ringfinger unsern würden wir uns täglich, wie man sieht, mit ihr herumzubeissen haben: so gewiss bleibts, dass nicht die weiblichen Laster, sondern die weiblichen Launen so viel Pferdestaub und Dornen in das Ehelager säen, dass oft der Satan darauf liegen möchte