in deinem Sonnenlichte, sondern der gefallene Nebel kriecht wieder als dichtere Gewitterwolke unten rings am Blauen herauf, und am Jünglings-Mittage stehest du unter den Blitzen und Schlägen deiner Leidenschaften! – Und abends regnet dein zerschlitzter Himmel noch fort! –
Fussnoten
1 Nach den Rabbinen half der Teufel den Tempel mit bauen, und der Wurm nagte die Steine zurecht. 2 Die Schmetterlinge im Frühling haben sich (durch das Zölibat) aus dem vorigen Jahre hergefristet; die im Herbst sind Kinder des gegenwärtigen Jahres.
Achter Sektor
Abreise – weibliche Launen – zerschnittene Augen
Da die Edelleute und Waldratten im Sommer das Land, im Winter die Stadt bewohnen: so tats der Rittmeister auch; denn die schöne natur (meint' er und sein Gerichtalter) läuft am Ende auf nichts als auf ein Inventarium von Bauern hinaus, deren Ellbogen und Schenkel in einer Scheide halb von Zwillich, halb von aufgeflicktem Leder stecken, auf Sumpfwiesen, auf Brachfelder und auf Schweinvieh, und es gibt da nichts zu empfinden als Gestank – in der Stadt hingegen ist doch ein Stück Fleisch zu haben, ein Spiel französischer Karten, einiger wahrer Spass und ein Mensch. Es ist jugendliche Unduldsamkeit, einem mann, der kein Gefühl für Musik und Gegenden hat, auch das für fremde Not und Ehre abzusprechen, besonders dem Rittmeister.
Noch viel wichtigere Gründe trieben ihn nach Scheerau; er suchte da 13000 Rtlr., eine Menge Rekruten und einen Hofmeister. – Den letzten zuerst! Seine Frau sagte: "Gustav muss jemand haben, es fehlt ihm noch an Lebensart!" Aber Hofmeistern fehlts nicht daran – diese Infanten aus dem Alumneum, die nichts hebt als eine Kanzeltreppe, die so lange die Seelenhirten des jungen Edelmanns sind, bis sie die Seelenhirten der Gemeinde werden, welche ihr Zögling regiert, diese Erzieh-Poussierer sind imstande, nicht bloss den Kopf des Junkers – wie der Vater hofft –, sondern auch den Rumpf desselben – wie die Mutter hofft – recht gut zu formen und zu glätten, erstlich ohne eigne Glätte, zweitens in Lehrstunden, drittens mit Worten, viertens ohne Weiber, fünftens auf eine sechste Art, dadurch, dass der Hofmeister das weiteste Löwenherz zu einem schläfrigen Dachsherzen einkrempt.
Der zweite metallische Sporn, der den Rittmeister nach der Stadt forttrieb, war das Geld. Niemand kam so leicht in den Fall, ein Gläubiger sowohl als ein Schuldner zu werden, als er: die halbe Nachbarschaft hatte' er, weil er weder sich noch andern etwas abschlug, zuletzt in seine Gäste und seine Schuldner verwandelt; aber jetzt verwandelte er darüber sich beinahe selber in beides, wenn nicht der Landesherr seinen zerrollenden Geldhaufen wieder aufbauete. Er musste also nach der Residenz Oberscheerau die missliche Bitte mitbringen, dass ihm jener 13000 Rtlr. nicht sowohl schenken oder leihen – das wäre zu machen gewesen – als bezahlen möchte, als ein Kapitel von sieben Jahren. Der scheerauische Sophi hatte nämlich die Gewohnheit, keine Geliebte abzudanken, ohne ihr ein Landgut, oder ein Regiment, oder einen gestirnten Mann mitzugeben; – er liess von einer Geliebten allzeit noch so viel übrig, dass noch eine Ehefrau für einen Ehetropfen daraus zu machen war, wie der Adler und Löwe (auch Fürsten der Tiere) allemal ein Stück vom Raube unverzehrt für anderes Vieh liegen lassen. Mitin trennte er sich auch von der Mutter seines natürlichen Sohnes – des Kapitän von Ottomar – auf dem Rittergute Ruhestatt, das er an einem Tage (mit Falkenbergs Gelde) kaufte und verschenkte.
Drittens wollte der Rittmeister in Scheerau seinen Unteroffizieren, die meistens da lagen, ein paar Schritte ersparen; denn er schlug zwar mit dem Stock so leicht wie eine Dame mit dem Fächer zu, aber er brach nicht gern einer Heuschrecke das sechste Bein aus, und daher schonte er die seiner Leute, die viere weniger hatten, um so mehr.
Endlich packen sie ein, die Falkenbergischen: wir wollen dabei sein. Da Falkenbergs Seele, wie Uhren und Pferde, nur unter dem Reisen nicht stockte: so war er am Abzugmorgen am frohesten und raschesten; liebte keine Fortschreitung durch Sekunden, sondern durch Nonen; fluchte über sämtliche hände und Füsse im Schloss, weil sie nicht flogen; drückte und stauchte das weibliche Schiff und Geschirr mit ehernen Händen in die nächste Schachtel hinein; und hatte keine andern abfahrenden Haarseile seiner ungeduldigen Langweile als seine Füsse, die stampften, und seine hände, mit denen er teils den Kutscher aus solchen Gründen, wie dieser die Pferde, auswichste, teils die Zurückbleibenden im schloss sämtlich recht gut beschenkte.
Die Rittmeisterin aber weiss alles so komplett und vernünftig zu tun, dass sie mit nichts fertig wird. Hätte sie drei Sprünge zu tun, um dem herunterplumpenden mond auszuweichen: so streifte sie doch, eh' sie spränge, noch eine Falte aus der Fenstergardine heraus – beim Plätten wär's noch ärger. Gleich Gelehrten liegt sie neben dem Brotstudium noch einem Nebenstudium und Beiwerk ob und tut mit jeder Sache die benachbarten mit. "Ich kann nun einmal nicht so lüderlich sein wie andre Weiber", sagte sie eben zum knirschenden Ehemann, der acht stumme Minuten ihr zusah. "Ich wollt' ins Teufels Namen lieber, du wärest die lüderlichste in der ganzen schriftsässigen Ritterschaft" – sagt' er. Da sie nun, sooft sie Sturm und unrecht hatte, bloss auf den zornigen Hyperbeln des andern ankerte, wie ich als appellatischer Sachwalter häufig muss: so bewies sie auch dasmal geschickt, dass an lüderlichen Frauen