ja bei jedem Materialisten auf der philosophischen Börse zu erfahren, dass die Seele nichts ist als ein Wassersprössling des Körpers, der also bei Mann und Frau mit dem Leib zugleich weggeht. Man braucht es aber gar nicht, sondern man darf nur Humen beifallen, welcher schreibt, die Seele wäre gar nichts, sondern blosse Gedanken leimten sich wie Krötenlaich aneinander und kröchen so durch den Kopf und dächten sich selbst. Bei solchen Umständen kann das Brautpaar Gott danken, wenn sein Paar kopulierter Seelen nur so lange halten will, wie die zwei Paar Tanz-Handschuhe des Hochzeitballs. Auch sieht man es am Vormittag nach den Flitterwochen.
Also, wie gesagt, alle Kanonisten können die Woche, wo Mann und Frau zum Ehebrechen schreiten darf, nicht weiter hinausschieben als ins vierte Jahr nach der Verlobung; allein für Leute von Welt und von Stand ist das hart und zu rigoros, zumal wenn sie aus ihrem "Keil" (dem Anatomiker) wissen, dass schon in einem Jahre der ganze alte Körper wegtauet, – bloss elende 16 Pfund Fleischgewicht ausgenommen. Daher warens oft meine Gedanken, dass ich, wenn ich meinen Ehebruch schon ins erste Jahr verlegte (wie's viele tun), wirklich nur sehr wenigen Pfunden meiner Gattin, die 107 hat, untreu würde, den 16 Pfund nämlich, die noch restierten.
Auf den nämlichen Körpertausch, worauf man seinen Ehebruch gründet, muss das Konsistorium seine Scheidung gründen. Denn wenn Leute oft 9, 18 Jahre nach der Trauung offenbar noch in der Ehe beisammen bleiben, indes alle Physiologen wissen, dass zwei neue Ehekörper und zwar ohne priesterliche Einsegnung beisammen sind: so ist nun das Konsistorium verbunden, dreinzusehen und dreinzuschlagen und die zwei fremden Leiber zu scheiden durch ein paar Dekrete. Daher wird man auch niemals hören, dass ein gewissenhaftes Konsistorium Schwierigkeiten macht, Christen, die schon in der Ehe sind, zu trennen; man wird aber auch von der andern Seite ebensowenig hören, dass es solche, die sich die Ehe bloss versprochen, ohne die grössten Schwierigkeiten scheide –: eben ganz natürlich; denn dort bei der langen Ehe ist wahrer Ehebruch durch die Scheidungbulle abzuwenden, weil unkopulierte Leiber da sind; hier aber bei der Verlobung sind die Körper, die den Vertrag gemacht, noch völlig da, und sie müssen erst lange in der Ehe leben, bevor sie zur Scheidung taugen. Das ist die wahre Auflösung eines Scheinwiderspruchs, der so viele Schwache schon verleitet hat, uns sämtlich im Konsistorio für sportelsüchtig, mich für den Markör und unsre grünen Sessiontische für grüne Billarde zu halten, um welche sich Präsident und Räte mit langen Queues herumtreiben, um die Partien auszuspielen; ach, ein Konsistorialsekretär schneidet ohnehin mehr Federn als Geld.
Warum wird uns überhaupt nicht von den Pastoren jedes eingepfarrte Ehepaar, das über 3 Jahre beisammen geschlafen, einberichtet, damit mans scheide zu rechter Zeit? Eine solche Scheidung, wozu man keine weitern Gründe braucht als den, dass die zwei Leute lange beisammen waren, hat in allen Ländern ja keine andere Absicht als die, dass sie nachher sich wieder ordentlich kopulieren lassen mit den erneuerten Leibern. Das Konsistorium und ich fahren am fatalsten dabei, falls die Sache sich nicht etwa bessert, wenn der neue Minister den Tron besteigt. Wahrlich, ein solches geistliches Landeskollegium legt oft die lange Säge an und zersägt Eheblöcher oder Betten, in denen Ehepaare 21 Jahre lang gehauset hatten, die in so langer Zeit wenigstens siebenmal (alle drei Jahre sind Ehebruch und Ehescheidung fällig) wären zu scheiden und zu trauen gewesen: was für Sportelneinbusse, da wir die Scheidungkosten, die wir hätten versiebenfachen können, vervierfachen mussten! Es ist ohnehin an einer solchen Scheidliquidation wenig, weil sie bekanntlich moderiert wird, und zwar vom Konsistorium selber. Man gebraucht noch dazu im Konsistorialzimmer die Vor- und Nachsicht, dass ich allemal den Sportelzettel, wenn ihn das geschiedne Paar abgezahlt hat, nach 15, 20 Jahren wieder extrahiere und dem Konsistorialboten und Pfennigmeister von neuem mitgebe, nicht sowohl um die Sporteln zweimal einzukriegen (welches Nebensache ist), als um zweimal darüber zu quittieren, falls das getrennte Paar die erste Quittung etwa verloren hätte, und auch, um es vor einer dritten Zahlung sicherzustellen. Man will dem Paare alles leicht machen, wenn man es in mehren und grossen Terminen zahlen lässt.
.... Und heute vor drei Jahren kopulierte man mich für meine person auch .... aber die damalige Strohkranzrede war zu schlecht ....
Fussnoten
1 In Hallers grosser Physiologie steht es, dass der Mensch nach Sanktorius alle 11 Jahre den alten Körper fahren lasse – nach Bernoulli und Blumenbach alle 3 Jahre – nach dem Anatomiker Keil jedes Jahr.
Siebenter Sektor oder Ausschnitt
Robisch – der Star – Lamm statt der obigen Katze
Nach einer solchen Entführung schränkte man Gustavs Spielteater und Lustlager ganz auf den Wall des Schlosses ein; in die wogende Flur und ins Dörfchen Auental, das wohl eine 1/17 deutsche Meile davon ablag, durft' er nur hinein – sehen. Dieses blumige Empor-Eiland umkreisete er den ganzen Tag, um jeden roten Käfer niederzuschlagen, jedes marmorierte Schneckenhäuschen von seinem Blatte abzudrehen und überhaupt alles, was auf sechs Füssen zappelte, einzufangen in seinem eignen Kerker. Auf Kosten seiner unerfahrnen Finger unternahm er anfangs auch die Biene an ihrem Hinterleibe aus ihrem Freudenkelche zu ziehen. Die bunten Arrestanten drängte er nun – wie Fürsten alle Menschenklassen in eine Hauptstadt – sämtlich in einen schönen SalomonsTempel oder in eine